Hochwasserschutzkonzept sieht Vergrößerung des Gera-Flussbettes vor

Sömmerda. Nach dem neuen Hochwasserschutzkonzept wird das Flussbett der Gera künftig doppelt so breit sein wie bisher.

Von Hand zu Hand gingen 2013 bei Elxleben und Walschleben die Sandsäcke, inzwischen ist der Damm notgesichert. Foto: Sascha Fromm

Von Hand zu Hand gingen 2013 bei Elxleben und Walschleben die Sandsäcke, inzwischen ist der Damm notgesichert. Foto: Sascha Fromm

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Gut ein Jahr nach dem Hochwasser in der nördlichen Gera-Aue hat jetzt die Landesanstalt für Umwelt und Geologie über Details des neuen Hochwasserschutzkonzeptes informiert. Es seien dafür über 20 Varianten untersucht worden, von denen mehrere auch von Bürgern vorgeschlagen worden waren, sagte Marcel Glebe von der Abteilung Wasserwirtschaft der in Jena ansässigen Landesanstalt.

Das Problem habe hauptsächlich darin bestanden, dass zwar alle Orte zwischen Kühnhausen und Gebesee flussabwärts auf der linken Seite liegen - Ringleben aber durch die Gera geteilt werde. Damit mussten alle Varianten, die das Wasser nach einer Seite ableiten, verworfen werden.

Zu bedenken war zudem, dass der Damm der Bahnlinie nach Straußfurt eine Begrenzung bildet und dass nur jene Varianten genehmigt werden können, bei denen das Hochwasser-Problem nicht einfach an die flussabwärts liegenden Orte bis nach Sömmerda weitergereicht wird.

Notsicherung nur als vorübergehende Lösung

In den vergangenen Monaten wurde der jetzige Damm notgesichert, bestätigt Walschlebens Bürgermeister Manfred Weiß (CDU-Mandat). Löcher wurden repariert, der Weg auf der Deichkrone gesichert, die Zufahrt zum Deich befestigt. Nach Prognosen der Landesanstalt kann somit auch ein Hochwasser, wie es statistisch alle 50 Jahre auftritt, noch bewältigt werden. Allerdings werden dann die Deiche vom Wasser durchströmt.

Bei einem Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre auftritt, werden die Deiche auf beiden Seiten überflutet und sind nicht mehr standsicher. Das Wasser, so die Prognose von Glebe, würde dann mindestens bis an die Ortsränder beziehungsweise an die Ortsdurchfahrtsstraßen von Kühnhausen, Elxleben, Walschleben, Andisleben, Gebesee laufen. Ringleben wäre fast völlig vom Wasser eingeschlossen. Dort würde dann auch der Friedhof überflutet.

"Wenn die Deiche brechen, sind auch Menschenleben in Gefahr, denn das Wasser kommt in solchen Fällen plötzlich", so Glebe. Einrichten müssen sich die Wasserexperten dann darauf, dass Stauraum für sieben Millionen Kubikmeter Wasser da sein muss. Gut wäre für solche Fälle ein Rückhaltebecken, um die Orte zu schützen, so wie in Straußfurt. Doch dafür ist in der Gera-Aue kein Platz.

Eine andere Variante, Erhöhung der Deiche? Auch sie wurde verworfen, da sie das Hochwasserproblem flussabwärts noch vergrößern würde. "Ideal wäre für die Dörfer so ein Flutgraben, wie ihn Erfurt hat", erklärt Glebe. Doch auch dies ist nicht möglich - kein Platz. Die jetzt favorisierte Variante: Der Flutgraben wird quasi in das Flussbett gelegt.

Konsequenz: Der Fluss wird verbreitert, das Flussbett künftig statt 25 Meter dann 50 Meter messen. Damit sinkt der Wasserspiegel im Flussbett. Die Deiche an der jetzigen Stelle kommen weg und werden direkt vor die Orte verlegt. Sie sollen künftig eine Höhe von durchschnittlich 1,50 Meter haben - die jetzigen sind bis zu vier Meter hoch.

Das Verständnis bei den Bürgern ist groß

Der Fluss soll mehr Platz bekommen, um sich bis zum Bahndamm auszudehnen und dann auch sieben Millionen Kubikmeter Wasser aufzunehmen und abzuleiten. Die 42 Kleingärten hinter dem Gera-Damm in Walschleben sind bereits gekündigt. Ein Haus direkt am Gera-Ufer müsste perspektivisch weichen - nach Alternativen für die Familie wird derzeit gesucht, heißt es. Die neue Landstraße zwischen Walschleben und Riethnordhausen wird verlegt und über den Morgenberg führen.

Das Verständnis bei den Walschlebener Bürgern sei hoch, sagt Bürgermeister Weiß. Das vorige Jahr habe gezeigt, wie wichtig der Hochwasserschutz für die Gera-Orte ist.

Glebe ist überzeugt, dass seine Variante den besten Schutz bietet. Er beziffert den Flächenverbrauch auf 17 Hektar. Die Deiche würden dann 15 Kilometer lang sein statt derzeit 25 Kilometer. Nebeneffekt: "Es wird wieder Platz sein für Bäume, Radwege, Natur. Der Fluss wird wahrgenommen, weil die Ufer nicht steil abfallen." Kosten: 22 Millionen Euro. "Wenn bei einem Hochwasser die Deiche brächen, läge der Schaden bei fast 60 Millionen Euro", so Glebe.

Die europaweite Ausschreibung der Planungsarbeiten wird im Juli abgeschlossen. Bis 2016 sollen dann konkrete Pläne vorliegen, mit allen Straßen, Brücken, Wegen, Gräben, Deichen. Für 2017 stünde die Genehmigung an, bis 2020 der Bau.

Dann müsste auch geklärt werden, wie im Hochwasserfall mit dem Ausfall bei den Bauern zu verfahren sein wird. Aber das wäre dann eine politische Entscheidung. Ein Beispiel dafür gibt es bisher in Thüringen nicht.

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