Altes Gut in Dornburg gilt als Paradebeispiel der Iba Thüringen

Dornburg  Ein schützenswertes Gut im Dornröschenschlaf: Die Entwicklung Dornburgs gilt als Paradebeispiel für das Leitthema „StadtLand“ der Internationalen Bauausstellung.

Eine Drohnenaufnahme vom Schlossensemble in Dornburg.

Eine Drohnenaufnahme vom Schlossensemble in Dornburg.

Foto: Thomas Müller

Wäre das Alte Gut in Dornburg eine Märchenfigur, dann wäre es Dornröschen. Selig schlummert das 18. 000 Quadratmeter große Anwesen inklusive Wald in schönster Schlosskulisse seit Jahren vor sich hin und wartet darauf, dass es kein Prinz, aber ein Investor wachküsst.

Um das märchenhafte Happy End ein wenig voranzutreiben, hat sich 2014 für den gesamten Ort Dornburg die Projektgruppe „Dornburg: Dornröschen erwache“, bestehend aus allen Trägern, also der Kommune Dornburg-Camburg, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, zusammengetan. Mit ihrem Vorhaben, dem Alten Gut wieder Leben und eine neue Verwendung einzuhauchen, haben sie sich als eine von insgesamt 248 Bewerbungen beim ersten Iba-Projektaufruf durchgesetzt. „Ein absolutes Vorzeigeprojekt und Paradebeispiel für das Iba-Leitthema StadtLand. Denn hier treffen die Potenziale einer ländlich geprägten Kleinstadt unmittelbar auf die Möglichkeiten der nur wenige Fahrminuten entfernten Universitätsstadt Jena“, erzählt Iba-Projektleiter Tobias Haag.

Das Alte Gut, unmittelbar am neu gestalten Marktplatz und in direkter Nachbarschaft zum Schlossensemble gelegen, hat unglaubliches Potenzial und eine lange Historie. Allerdings auch ein großes Manko – das Erschließungsproblem. Denn die Zufahrtsstraße aus dem Saaletal hinauf nach Dornburg ist auch nach einjähriger Bauzeit nur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen freigegeben. Somit ist es bislang ruhig auf dem Marktplatz in Dornburg: Kein Laden, kein Bäcker, keine Gastronomie. Und auch die Touristen, die das wunderschöne Schlossensemble besuchen und in den Gärten lustwandeln, suchen hier vergebens einen Ort, wo sie einkehren oder gar übernachten könnten.

Viel Platz für große Pläne

Genau dafür würde das Alte Gut in unmittelbarer Nähe genügend Platz bieten. Vom Marktplatz erreicht man das überwiegend zweigeschossige Ensemble durch eine großzügige Toreinfahrt und gelangt auf einen großzügigen Nord-Süd-ausgerichteten Gutshof von circa 30 mal 55 Meter.

Daran grenzen das Pächterhaus, einige Garagenbauten und ein Kornspeicher. Gegenüber befinden sich zwei kleinere Gebäude, die als Remise genutzt wurden. Daran fügt sich ein zweiter circa 200 Meter langer Hof in Ost-West-Ausrichtung mit Gebäuden entlang der Stadtmauer an, die als Scheunen genutzt wurden.

Die Häuser stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und wurden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Allerdings wird der Kornspeicher, das ergab ein aktuelles bauhistorisches Gutachten, ins Jahr 1544 datiert. Bis auf den Eingangsbereich ist der langgestreckte, zweigeschossige Gebäudeteil fast original erhalten – und damit eine schützenswerte Seltenheit in Thüringen.

Das bauliche Einzeldenkmal, das direkt an den Schlossgarten grenzt, ist somit sogar älter als ein Großteil der Dornburger Schlösser. Für den Kornspeicher liegt beispielhaft bereits ein Sanierungskonzept vor.

Bis 1918 war die Liegenschaft als Kammergut im Besitz des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach – betrieben als Musterlandwirtschaft. Ab 1921 wechselte das Gut als landwirtschaftliches Forschungsinstitut in den Besitz der Jenaer Universität. „Man betrieb Saatgutforschung, errichtete eine landwirtschaftliche Fakultät. Die dazugehörigen Ländereien wurden ebenfalls bewirtschaftet“, erklärt Klaus Ullrich, Geschäftsführer der Servicegesellschaft der Universität Jena. Ab dem Jahr 1956 wurde das Objekt zum Volkseigenen Lehr- und Versuchsgut und nach der Wende wieder an die Universität rückübereignet. Allerdings gab es keine landwirtschaftliche Fakultät mehr – und folglich hatte man auch keine universitäre Verwendung mehr für die Gebäude. „Es gab deshalb danach keine konsequente Vorwärtsentwicklung der Immobilien“, bedauert Klaus Ullrich. Das Alte Schloss, ebenfalls im Besitz der Universität Jena, teilte übrigens dieses Schicksal, wird nun aber seit dem Jahr 2006 als wissenschaftliche Begegnungsstätte und moderner Tagungsort genutzt. Nun gilt es, auch das leer stehende Alte Gut aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken und letztlich auch Gastronomie und Hotelerie einziehen zu lassen.

Die zentralen Eigentümer und Akteure haben sich bereits auf einen Masterplan über gemeinsame Ziele und das weitere Vorgehen verständigt.

Drei Ideen für die Nutzung hat man bereits entwickelt, erzählt Iba-Projektleiter Tobias Haag: Das Alte Gut als Außenstandort kleinerer Institute und Campus der Jenaer Universität, die Idee eines vierten Schlosses am Standort Dornburg im Sinne einer weiteren Attraktion wie zum Beispiel einem Botanischen Garten, oder als dritte Variante Dornburg als eine Art urbanes Dorf, das ähnliche Qualitäten wie Jena aufweist – ergänzt um die Kultur und Landschaft. Letztlich haben alle Beteiligten die letzte Variante favorisiert: 80 bis 100 Wohnein-heiten mit kleineren Gewerben oder Büroräumen könnten auf dem Areal entstehen und das Alte Gut zu einem idyllischen, naturnahen und besonderen Wohnstandort werden lassen.

Touristenstrom im Saaletal anzapfen

Dazu kommt Gastronomie und Hotelerie; intensiv sucht man seit vergangenem Sommer nach Unternehmern in dieser Branche als Investoren. „Wir müssen den Touristenstrom im Saaletal anzapfen und den Standort Dornburg noch attraktiver machen“, betont Klaus Ullrich, wohlwissend, dass dafür auch das Erschließungsproblem gelöst werden muss. Insgesamt schätzt er das Investitionsvolumen auf 50 Millionen Euro.

Jetzt gilt es, Interessenten zu finden, die schließlich ein Bau-, Betriebs- und Finanzierungskonzept vorlegen, bevor es zum Verkauf kommt. Das ganze Verfahren wird übrigens von einer Jury begleitet, bestehend aus dem Grundstückseigentümer, Vertretern der Stadt, der Iba Thüringen GmbH und Branchenkennern.

Hintergrund: Stadt und Land

  • Die Internationale Bauausstellung (Iba) Thüringen wurde 2012 auf Beschluss der Landesregierung gegründet, der Freistaat ist einziger Gesellschafter.
  • 2014 erfolgte der Aufruf Zukunft „StadtLand“. Von den 28 Iba-Vorhaben haben sich bereits zwölf als Projekt qualifiziert. Iba Kandidat wird, wer gute Ideen für die Wechselwirkung von Stadt und Land vorweisen kann, für Beziehungen zwischen Individuen und Natur, Siedlung und Landschaft, Gesellschaft und Ressourcen.
  • Die Internationale Bauausstellung dauert bis 2023, die Projekte sollen weiter wirken.

Weitere Infos unter www.iba-thueringen.de

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