Im Turmzimmer mit der Uhr fand Alina ihren Lieblingsplatz

Sondershausen  Trotz gruseligen Aufstiegs zieht die FSJ-lerin gern die Uhr vom Sondershäuser Schloss auf und zeigt bei Arbeiten rund ums alte Gemäuer Geschick.

Wenn sie mit der Kurbel die Turmuhr aufzieht, genießt Alina Hoffmann immer auch den Blick über ganz Sondershausen vom höchsten Punkt in der Innenstadt.Foto: Henning Most

Wenn sie mit der Kurbel die Turmuhr aufzieht, genießt Alina Hoffmann immer auch den Blick über ganz Sondershausen vom höchsten Punkt in der Innenstadt.Foto: Henning Most

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Gut zweihundert Treppenstufen klettert Alina Hoffmann dreimal pro Wochen zur Turmuhr vom Sondershäuser Schloss hinauf. Die Strapaze nimmt die 18-Jährige inzwischen gern in Kauf. Schließlich wartet oben einer ihrer Lieblingsplätze im Schloss auf die junge Frau aus Sondershausen. "Auch wenn es mich beim Aufstieg über die dunklen Stiegen schon manchmal noch gruselt. Oben genieße ich immer wieder den herrlichen Rundblick über die Stadt."

Alina kraxelt aber nicht nur zum Vergnügen jeden Montag, Mittwoch und Freitag hoch in den Turm. Hier muss sie im Abstand von 46 Stunden das riesige Räderwerk des mechanischen Zeitmessers immer wieder neu aufziehen. Das gehört zu ihren Aufgaben während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im Schloss. "Einmal habe ich den richtigen Zeitpunkt verpasst. Da schlug die Glocke schon um 11.30 Uhr zwölf Mal", erinnert sie sich an einen Fehler aus ihrer Anfangszeit als FSJ-lerin. Jetzt hat sie den Stundentakt schon fast selbst im Blut.

Alina plant ihre Zukunft in der Denkmalpflege

Nach wie vor ist sie aber vor allem von der Abwechslung begeistert, die ihr der Job als Freiwillige im Schloss bietet " Allein das riesige Gebäude mit seiner Geschichte fasziniert mich. Hier gibt es so viele Räume, manche richtig verborgen. Ich bin gespannt, ob ich die in dem Jahr alle mal zu Gesicht bekomme."

Von außen kennt sie das Schloss schon ziemlich genau. Jeden Morgen dreht sie ihre Runde auf dem Freigelände, leert die Papierkörbe und schaut nach, ob es sichtbare Beschädigungen am Gebäude gibt. "Dass immerzu die Ablaufrohre von den Dachrinnen geklaut werden, ärgert mich richtig." Sie hat viele der Diebstähle, die sich in den vergangenen Monaten häuften ("Thüringer Allgemeine" berichtete), als Erste entdeckt.

Umso mehr freut sie sich, wenn sie helfen kann, im Schloss und seiner Umgebung etwas zu verschönern. Sie half, Parkbänke wieder aufzumöbeln, und hat an einer Winterschutzhaube für den Brunnen im Lustgarten mitgezimmert. Wichtige Handgriffe für solche Arbeiten lernt sie in den insgesamt sechswöchigen Workshops, bei denen sie mit anderen Freiwilligen bei der Jugendbauhütte in Mühlhausen sogar mal alte Handwerkstechniken wie Schmieden oder Töpfern ausprobieren kann. Die Bauhütte trägt auch das Freiwillige Soziale Jahr für Alina im Sondershäuser Schloss.

Die Idee, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in der Denkmalpflege auszuprobieren, hat bei Alina Früchte getragen. Ihren Plan, einen Beruf in der Landwirtschaft zu ergreifen, hat sie inzwischen an den Nagel gehängt. Nach ihren Erfahrungen im Schloss kann sie sich vorstellen, ihre berufliche Zukunft in der Denkmalpflege oder im gärtnerischen Bereich zu suchen. Handwerklich habe sie viel Geschick bewiesen, lobt Jens Hasert, Leiter der Jugendbauhütte in Mühlhausen, Alina.

Viel Handfertigkeit habe sie sich in der Freiwilligen Feuerwehr Sondershausen angeeignet, schätzt die 18-Jährige selbst ein. Und sie ist auch ziemlich stolz darauf, dass sie ihr freiwilliges Jahr im Schloss ihrer Heimatstadt leisten kann. "Die Gelegenheit bekommen nicht viele junge Menschen." Vor Alina gab es erst zwei FSJ-ler im Schloss.

Vor diesem Hintergrund greift sie auch jeden Freitag wieder gern zum Staubsauger, um den roten Teppich auf der Schlosstreppe zu reinigen. Sie will, dass Besucher sofort einen guten Eindruck gewinnen. Und freut sich schon darauf, die großen Feste im Frühjahr und Sommer mit vorzubereiten, bevor ihr FSJ im August endet.

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