Immer mehr Kinder müssen zum Logopäden

Erfurt. Der Bundesverband fordert auf einem Kongress in Erfurt die höhere Vergütung der ostdeutschen Sprachtherapeuten.

Insgesamt benötigt jedes fünfte Kind eine Therapie. Archivfoto: Daniel Volkmann

Insgesamt benötigt jedes fünfte Kind eine Therapie. Archivfoto: Daniel Volkmann

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Es gebe viele Gründe dafür, warum Kinder immer stärker mit Sprachproblemen zu kämpfen hätten, sagt Nicole Beyer. "Aber der wichtigste ist die Reizüberflutung." Kinder kommunizierten zum Teil mehr mit Computern, also technischen Geräten, als mit den Eltern.

Nicole Beyer hat jedenfalls diese Erfahrung als Logopädin in Gotha gemacht, genauso wie die mehr als 1000 Kollegen, die sich am Donnerstag auf der Erfurter Messe zum 42. Logopädie-Bundeskongress versammeln. Insgesamt sind 12.000 Sprachtherapeuten in dem Verband organisiert, davon 245 in Thüringen.

Beyer führt den Landesverband. Die Logopädie, sagt sie, gebe es zwar schon seit genau 100 Jahren, seit sie 1913 vom Wiener Arzt Emil Fröschels gegründet wurde. Aber erst in den letzten 20 Jahren habe sich die Sprachtherapie richtig durchgesetzt. "Die Hemmschwelle ist gesunken", sagt die Landeschefin, nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen.

Jedes fünfte Kind benötigt eine Behandlung

Vor allem Menschen, die viel reden müssten, wie etwa Lehrer und Mitarbeiter in Call-Centern, gehören zunehmend zu den Patienten. Dazu kommen natürlich die wirklich Kranken wie etwa Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben.

Dennoch bleiben Kinder eine große Zielgruppe. Besonders betroffen seien Jungen. Hier liegt die Behandlungsquote im sechsten Lebensjahr bei 38 Prozent. Insgesamt benötigt jedes fünfte Kind eine Therapie.

Der höhere Zulauf bedeutet volle Sprechstunden, sagt Beyer. Allerdings: Bisher könne noch jeder behandelt werden, obwohl es in Thüringen im Vergleich zu den alten Ländern weniger Logopäden gibt. Das große Problem sei aber vor allem die Vergütung, die im Durchschnitt noch ein Viertel unter dem Westniveau liegt.

In den östlichen Bundesländern arbeiteten die freiberuflichen Logopäden "für einen Hungerlohn", sagte die Präsidentin des Bundesverbandes, Christiane Hoffschildt, vor Beginn des Kongresse. Dafür trage die Politik eine Mitverantwortung, weil sie die immer an die Entwicklung der regionalen Löhne binde.

"Wir bringen die gleiche Leistung wie die Kollegen im Westen für eine wesentlich schlechtere Vergütung", fasst Landeschefin Beyer das Problem zusammen. Zudem müsse man auch genauso investieren - zum Beispiel in Computertechnik und entsprechende Programme. Nur so, sagt sie, könne man die Patienten mit den neuesten Methoden behandeln. Und vor allem so kann man wohl Kinder von heute für eine Behandlung gewinnen.

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