Immobilienkauf durch Angehörige der rechten Szene in Ballstädt

Ballstädt (Landkreis Gotha). Die Graffitischmierereien sind unübersehbar. Seit Dezember "schmücken" sie die Fassade jenes Hauses an der Hauptstraße in Ballstädt, das Angehörige der rechten Szene im Spätsommer vergangenen Jahres gekauft hatten.

Die Fassade des gelben Hauses an der Hauptstraße ist seit gut einem Monat beschmiert. Foto: privat

Die Fassade des gelben Hauses an der Hauptstraße ist seit gut einem Monat beschmiert. Foto: privat

Foto: zgt

Graffitikunst ist es nicht, denn der malerische Protest kommt lautmalerisch eher verdreht daher. "No Naiz" steht da zu lesen. Wer dahinter steckt, weiß bislang noch niemand. Das Bürgerbündnis "Ballstädter Allianz ge- gen Rechts" hat sich entschieden distanziert.

Im Grunde ist das beschmierte Haus der einzige sichtbare Hinweis auf die Ängste und Aufregungen der Menschen im Ort. Was ist seit dem Hauskauf vom August passiert?

Das Wichtigste: Die Gemeinde hat ihr Vorkaufsrecht auf die Immobilie nicht wahrgenommen und die Ende Oktober auslaufende Zweimonatsfrist verstreichen lassen. Wohl auch aus kommunalrechtlichen Gründen heraus. Und: Abgesehen davon, dass es finanziell ein schwieriger Kraftakt geworden wäre, wollte man keine Vorlage für andere Hausverkäufer liefern. Die Gemeinde fürchtete wohl, dass die permanente Drohung eines Verkaufs an Rechte wie ein Damoklesschwert über künftigen Immobiliengeschäften hätte liegen können, sagte Ninette Pett, Sprecherin des Bürgerbündnisses

In dem von den Ballstädtern nur "gelbes Haus" genannten Anwesen sei ein Bewohner polizeilich gemeldet, hieß es. Doch gingen regelmäßig Personen ein und aus. "Sechs bis zehn", berichten Augenzeugen. Fahrzeuge parken vor der Tür, im Haus wird offensichtlich gebaut.

Das ältere Ehepaar, das dort zur Untermiete wohnte und noch im September vom Fenster in der ersten Etage mutig die große Demonstration beobachtet hatte, ist längst ausgezogen. Sie wohnen jetzt in Eschenbergen, war zu hören. Ihren Hund, der sich nicht mit dem der neuen Mieter vertragen haben soll, hätten sie vorübergehend zur Pflege ins Tierheim gegeben.

Ansonsten prägt in diesen Tagen stille Reserviertheit den Ort. Die Auseinandersetzung mit den neuen Bewohnern findet vor allem virtuell statt - mit Videos auf Youtube und gegenseitigen Posts auf Facebook. Dort zählt die "Allianz gegen Rechts" 545 Sympathisanten, der aktive Kern im Ort besteht aus etwa 15 Mitgliedern.

Sie hatten Ende Dezember ein beachtliches Benefizkonzert auf die Beine gestellt. Dazu hatten sie einen Discjockey und vier Livebands eingeladen. Sie alle waren gekommen, um die Ballstädter in ihren Aktionen gegen Rechts zu unterstützen. Trotz vorheriger Bedenken und einer bis zuletzt erwogenen Absage verlief der Abend friedlich, 320 Gäste feierten ohne Zwischenfall bis nach Mitternacht.

Benefizkonzert mit 320 Gästen

Einer der aktiven Unterstützer des Bürgerbündnisses ist Steven Röder. Der 29-Jährige, der als Sänger der Ballstädter Hea-vy-Metal-Gruppe "Ken Gellardt" auf der Bühne stand, zählt nicht nur die vielen Aktionen des Herbstes auf: ein Abend mit Mobit, der Mobilen Beratung für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, die Runde mit der linken Bundestagsabgeordneten Martina Renner über die Aktivitäten des NSU, die angefertigten Protest-Buttons und die in die Briefkästen verteilten Informationsblätter und Hintergrundartikel, die die Menschen wachrütteln sollen.

Röder warnt auch davor, die bürgerliche Fassade zu unterschätzen. "Hinter den Türen und Fenstern des Hauses passiert ja etwas. Dort wird rechtsextreme politische Arbeit betrieben", sagt er und zieht da Parallelen zum NSU.

Inzwischen hat das Bündnis im Ort nämlich eine Stimmung ausgemacht, die es für gefährlich hält. Es gebe nicht wenige, die sagten: Lasst sie doch dort wohnen, lasst sie in Ruhe. Und vor dieser Die-tun-doch-nichts-die-wollen-doch-nur-spielen-Rhetorik heiße es dann bei einigen sogar, dass es das Bürgerbündnis sei, das mit seinen Aktionen Unruhe im Ort stifte.

Doch es gibt auch die klaren Standpunkte, die entschiedenen Bekenntnisse. Wie etwa das von den Erzieherinnen des Ballstädter Kindergartens. Im aktuellen "Nessetal-Journal" schreiben sie: "Rechtsextremismus wird nicht an der Grenze Ballstädts halt machen. Das betrifft uns alle. also sorgt mit dafür, dass unsere Welt bunt bleibt." Und: "Denen, die meinen, lasst doch, die tun doch nichts, ist eine Erinnerung an unsere deutsche Geschichte angeraten."

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