Ist die Zeitung zeitgemäß für die Schule?

Unsere Zeitung ist mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung Thillm auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Am Freitag, beim Mitteldeutschen Bildungstag zur Leseförderung, geht es auf der Buchmesse um die Überlegung "Ist die Zeitung zeitgemäß für die Schule?" Dabei stellt unsere Zeitung mit dem Thillm das gemeinsame "Tinte"-Projekt vor und die Leipziger Volkszeitung ihr Programm "Schüler lesen Zeitung".

Bei der Abschluss-Veranstaltung des Tinte-Projekts 2013 in der Erfurter Grundschule "Am Steigerwald". Foto: Alexander Volkmann

Bei der Abschluss-Veranstaltung des Tinte-Projekts 2013 in der Erfurter Grundschule "Am Steigerwald". Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

"Wo bleibt die Leselust-Prämie?"

Von TA-Chefredakteur Paul-Josef Raue

Ohne unabhängigen Journalismus wird unsere Freiheit bald nicht mehr viel wert sein; ohne die Kontrolle der Mächtigen werden wir mit Propaganda abgespeist. Macht kontrolliert sich nur selten selber, sie neigt zur Selbstherrlichkeit und Abschottung.

Unsere Demokratie ist angewiesen auf Bürger, die gut informiert sind. Sie ist angewiesen darauf, dass eine Mehrheit der Gesellschaft gut informiert ist über die wichtigen Angelegenheiten und Debatten. Nur wer gut informiert ist, kann gut mitreden.

Fragen Sie sich bitte einmal: Was passiert mit unserer Demokratie, sagen wir in zehn Jahren, wenn die Mehrzahl der Bürger keine Zeitung mehr liest - oder sagen wir: ohne seriösen, unabhängigen Journalismus in Wahlen geht und mitentscheiden soll?

Die Grundlage für eine gut informierte Gesellschaft kann und muss die Schule schaffen. Wir wissen von großen Zeitungsprojekten in Schulen: Es ist möglich, die Lust am Zeitungslesen zu entfachen.

Das setzt voraus, dass die Kinder erst einmal eine Zeitung in die Hand bekommen, dass sie die Technik des Zeitungslesens lernen (ja, das muss man lernen), dass sie die Lust und die Möglichkeiten des Zeitungslesens entdecken.

Wer junge Menschen daran hindert, die Lust am Lesen zu wecken, schadet ihnen und schadet - auf die Zukunft gesehen - unserer Demokratie. Dafür brauchen wir keine Milliarden wie zur Rettung böser Banken. Wir könnten aber eine millionenstarke Leselust-Prämie gebrauchen. Wer so viel Fantasie hat, Abwrack-Prämien für Autos zu erfinden, könnte auch eine Leselust-Prämie erfinden.

Ich bin sicher: Die meisten Lehrerinnen und Lehrer machen mit.

So sind wir stolz auf unser Zeitungsprojekt Tinte. 2013 haben mitgemacht tausend Schüler aus über 50 Klassen. Sie haben nicht nur gelesen, sondern auch selber geschrieben: Fast 400 Zeitungsseiten sind in dem sechswöchigen Projekt entstanden.

Auszug aus der Rede zur Eröffnung des Mitteldeutschen Bildungstages auf der Leipziger Buchmesse.

"Formulieren will gelernt sein"

Von Dr. Andreas Jantowski, Direktor des Thillm

Lesen als Kulturfähigkeit ist ein Merkmal einer zivilisierten, demokratischen Gesellschaft.

Jedes Mitglied der Gesellschaft kann sich immer wieder selbstständig orientieren, informieren, sich neu justieren und sich so in die Gesellschaft einbringen.

Gesellschaften entwickeln sich weiter, die Anforderungen an Lesefähigkeit und verstehendes Lesen weiten sich im Umfang und im Bereich der visualisierten Textsorten immer stärker aus.

Schon längst genügt es nicht mehr, nur über Buchstaben codierte Informationen aufzunehmen.

Visualisierte Texte machen sich immer breiter in unserer Medienlandschaft. In den Zeitungsredaktionen wird scheinbar mehr Sorgfalt auf die Auswahl des Titelfotos, des Startfotos für einen Artikel, auf die Fotos zur Textillustration sowie auf Grafiken, Diagramme, Symbole und anderes gelegt als auf den über Buchstaben codierten Printtext.

Unter Hunderten Fotos wählt die Redaktion das Titelbild aus, das die Nation am Morgen beeindrucken soll. Versehen mit wenigen Worten wird das Tagesthema so angelegt, dass kein Zweifel über dessen Bedeutung oder gar Richtigkeit aufkommen kann.

Wer nicht befähigt ist, visualisierte Texte gründlich zu hinterfragen, die Geschichte hinter der Absicht zu erkennen, muss sich unter dem Bildereindruck der aufgemachten Wirklichkeit beugen.

Es sind folglich große Herausforderungen, die man auf dem Weg des "lesekompetent werdens" bewältigen muss. Lesekompetenzentwicklung ist folgerichtig ein zetraler Schwerpunkt im Unterstützungsangebot unserer Institute für Lehrkräfte

Seien Sie deshalb gespannt auf die heutigen zwei Impulse, bei denen Tageszeitungen zum Unterrichtsmaterial werden und Lernende dabei unterstützen, Lesestrategien zu entwickeln.

Ein Projekt mit dem Namen "Tinte" richtet sich speziell an Grundschulen, ein weiteres mit dem Titel: "Schüler lesen Zeitung" wendet sich an Schüler der weiterführenden Schularten.

Beide nehmen für sich in Anspruch , dass die Schüler sowohl ihre Lesekompetenz festigen und beim Schreiben eigener Artikel Texte adressaten- und situationsgerecht formulieren lernen. Der Mitteldeutsche Bildungstag zur Leseförderung unserer drei Institute als Teil des Veranstaltungsformats "Fokus Bildung" der Leipziger Buchmesse will Ihnen Anregungen bieten, um das Lesen jährlich aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und mögliche Ansatzpunkte für eine fokussierte Ausrichtung der Schul- und Unterrichtsentwicklung in diesem Kompetenzbereich aufzuzeigen.

Auszug aus der Rede zur Eröffnung des Mitteldeutschen Bildungstages auf der Leipziger Buchmesse.

Lesenswertes für Kinder bei uns im Netz

Zu den Kommentaren