Jäger äußern ihre Sorgen um neues Jagdgesetz

Niederorschel  Die Jägerschaft Worbis moniert die Nichtbeteiligung am Entwurf und zieht eine Bilanz zum abgelaufenen Jagdjahr.

In Niederorschel sind über 100 Mitglieder der Jägerschaft zusammengekommen, um Bilanz zu ziehen, Appelle an die Politik zu richten und verdiente Weidmänner auszuzeichnen.

In Niederorschel sind über 100 Mitglieder der Jägerschaft zusammengekommen, um Bilanz zu ziehen, Appelle an die Politik zu richten und verdiente Weidmänner auszuzeichnen.

Foto: Silvana Tismer

In dieser Woche soll der Entwurf des neuen Thüringer Jagdgesetzes ins Kabinett in Erfurt. Doch was darin steht, das weiß an der Basis niemand. So hatten die Mitglieder der Jägerschaft Worbis am Samstag bei ihrer großen Jahreshauptversammlung auch Sorgenfalten auf der Stirn.

Rosemarie Bötticher, Vorsitzende der Jägerschaft, thematisierte diese Tatsache in ihrem Jahresbericht. „Dem Landesjagdverband wurde trotz wiederholter Nachfrage eine Einsicht verwehrt“, informierte sie. „So geht man nicht mit uns Jägern um“, meinte sie unter beifälligem Nicken. Im Rahmen der Beteiligung und Anhörung habe der Landesjagdverband eine umfangreiche und umfassende Stellungnahme abgegeben. Dem LJV sei dann auf Nachfrage aus Erfurt mitgeteilt worden, so Bötticher, dass diese Stellungnahme beim Entwurf nicht berücksichtigt worden sei.

Ehrungen und Auszeichnungen bei der Jägerschaft Worbis

Ehrennadel des Landesjagdverbandes (LJV):

  • Detlev Diekmann,
  • Jürgen Würstefeld,
  • Thomas Watterodt,
  • Silvio Weiland

Ehrennadel des LJV in Silber:

  • Friedrich Hornung,
  • Jan Schafberg,
  • Werner Henning

Jagdhorn-Bläserehrenzeichen in Gold:

  • Gerhard Senft

Treue-Nadel des Deutschen Jagdverbandes (DJV) für 25 Jahre:

  • Thomas Busse,
  • Kai-Uwe Bock,
  • Martin Bock,
  • Michael Dahlmann,
  • Herrmann Hagedorn,
  • Reinhard Hellrung,
  • Tino Henning,
  • Stephan Hentrich,
  • Peter Herwig,
  • Marco Lackner,
  • Hubert Lins,
  • Benno Montag

Treue-Nadel für 40 Jahre:

  • Friedhelm Große,
  • Manfred Müller,
  • Frank Schwarzer,
  • Hans-Joachim Stegner,
  • Barbara Watterodt,
  • Peter Watterodt,
  • Leo Zengerling

Treue-Nadel für 50 Jahre:

  • Hugo Dielenschneider,
  • Manfred Dietrich,
  • Gerhard Henning,
  • Dieter Kain

Christina Tasch, Eichsfelder Landtagsabgeordnete der CDU, war ebenfalls in die Niederorscheler Lindenhalle zur Versammlung gekommen. Und auch sie musste mitteilen, dass noch nicht einmal die CDU-Landtagsfraktion einen Entwurf vorliegen habe, trotz mehrfacher Nachfrage bei Rot-rot-grün. „Ministerin Keller hat nur mitgeteilt, dass der Entwurf nicht mehr verändert werde“, so Tasch.

Sie und die CDU werden sich nun mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wenn der Gesetzentwurf in den Landtag kommt, eindringlich eine neue öffentliche Anhörung stattfindet. „Und an diesem Tag müsse der Landtag grün sein, grün von den Uniformen der Jäger“, forderte auch Holger Leonhardt vom Landesjagdverband die Worbiser Jäger auf, Geschlossenheit zu zeigen.

Ein Problem, mit dem die Jäger schon viele Jahre kämpfen, habe sich auch nicht gebessert, sprach Rosemarie Bötticher das Image der Weidmänner an. Es gebe immer wieder Gruppen, die den Jägern den Naturschutzgedanken absprächen, die Tierschutzorganisation Peta ginge sogar so weit, Jägern ihr Handwerk als „reine Lust am Töten“ auszulegen und die Gemeinnützigkeit des Deutschen Jagdverbandes anzuzweifeln. „Wir müssen den Wildbestand regulieren, denn die großen Beutegreifer gibt es nicht mehr“, nannte sie einen Fakt. „Wir müssen für angemessene Wilddichten sorgen, für ökologische Bestandsregulierung. Wir müssen Wildschaden in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft verhindern“, zählte sie weiter auf.

Und wenn Schäden an landwirtschaftlichen Flächen durch Wildtiere verursacht werden, ja dann bräuchten die Jäger auch ein dickes Portemonnaie, um die Schadensansprüche zu regulieren. „Wir Jäger sind staatlich geprüfte und anerkannte Naturschützer“, betonte sie. Die meiste Zeit verbringe der Jäger im Wald ohnehin mit der Hege und müsse sich damit beschäftigen, die Ausbreitung von Wildseuchen zu verhindern.

Womit sie und auch Uwe Semmelroth, Chef des Eichsfelder Veterinäramtes, gleich beim nächsten Thema waren: Afrikanische Schweinepest. „Gott sei Dank ist das befürchtete Szenario bei uns nicht eingetroffen“, resümierte Semmelroth. Allerdings habe sich ein neuer Hotspot in Belgien aufgetan, gleich im Dreiländereck zu Frankreich und Deutschland. „Das ist jetzt alarmierend nah an unserem Land dran“, so Semmelroth. Rosemarie Bötticher missbilligte auch den Vorstoß der Thüringer Landesregierung im Februar, in dem es hieß, das Land bereite einen „Massenabschuss von Wildschweinen“ vor. „Wir sind noch nicht einmal im Ausnahmezustand, und schon werden wir Jäger von der Politik dirigiert“, monierte sie.

Natürlich würde ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest erhebliche ökonomische Probleme für die Landwirtschaft bedeuten, wenn nämlich die Hausschweinbestände in den Agrarbetrieben befallen würden. Der erhöhte Abschuss von Schwarzwild habe aber schon jetzt die Wildbretpreise in den Keller stürzen lassen, so Bötticher. „Es ist das ökologisch wertvollste Fleisch, das wir haben. Wir schießen es doch nicht für die Tonne!“ Hier sei ein kooperatives und sachliches Miteinander in der Politik und auf allen Ebenen gefragt. „Es braucht eine klare Linie. Unser Ziel muss es sein, zu allen strittigen Fragen und Vorurteilen gemeinsame Werte und eine Position zu beziehen, angefangen in der Jägerschaft über den Landesverband bis zum Bundesverband.“

Großen Wert lege die Jägerschaft Worbis auf die Ausbildung von Jungjägern. Voriges Jahr waren es sechs, jetzt drücken neun weitere junge Jäger die Schulbank. Derzeit zähle die Jägerschaft Worbis 367 Mitglieder – mit einem wachsenden Frauenanteil und einer stetigen Verjüngung, was die Vorsitzende besonders freute. Sie dankte allen Aktiven für ihr ehrenamtliches Engagement für die Jagd und in der Jägerschaft.

Markus Port, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Göttingen, stellte kurzweilig das Projekt Luchs-Monitoring vor, das die Wanderung von Luchsen vom Harz durch das Eichsfeld nach Nordhessen und zurück untersucht. Und dann kam einer der schönsten Teile der Versammlung: Die Ehrung und Würdigung langjähriger und verdienter Mitglieder, die die Ehrennadel und Treue-Nadeln in Empfang nehmen durften.

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