Jenaer entdecken die ältesten Pest-Opfer der Menschheit

Jena  Ein Team des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte konnte das Genom der Pest in zwei 3800 Jahre alten Skeletten nachweisen.

Sie sind die weltweit ältesten bekannten Opfer der Pest.

Sie sind die weltweit ältesten bekannten Opfer der Pest.

Foto: V.V. Kondrashin und V.A. Tsybi

Die Beulen-Pest hat Millionen von Menschen das Leben gekostet. Doch seit wann grassiert die Krankheit überhaupt auf Erden? Forscher des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte konnten jetzt das bislang älteste Genom des Erregers rekonstruieren. Die Archäogenetiker entdeckten das sogenannte Yersinia pestis-Genom in zwei 3800 Jahre alten Skeletten. Die Erreger-Linie sei sogar weitere 200 Jahre älter, sagt die Wissenschaftlerin Kirsten Bos. „Die Pest mit dem Ansteckungspotenzial, das wir heute kennen, gibt es demnach bereits viel länger, als wir bislang dachten.“ Dank der jetzt identifizierten Erreger lässt sich die Krankheitsgeschichte des Schwarzen Todes rund 1000 Jahre weiter zurückverfolgen als bisher.

Es gibt zwar noch ältere bekannte Pest-Erreger; sie reichen 5000 Jahre zurück. Sie weisen jedoch nicht die tödlichen Fähigkeiten auf, die Yersinia pestis besitzt, erzählt Johannes Krause, Direktor des Max-Planck-Instituts. Gemeint ist deren Fähigkeit, in Flöhen zu überleben und von dort aus auf Menschen übertragen zu werden. Flöhe haben eine erheblich niedrigere Körpertemperatur als Menschen.

Die untersuchten Skelette stammen aus einer Ausgrabungsstätte bei Samara im Südosten Russlands. Die beiden Toten waren gemeinsam bestattet worden. Vor der Ausgrabung hatte es keinerlei Hinweise auf eine mögliche Todesursache des Paares gegeben. „Wir haben auch nicht spezifisch nach Pesterregern bei ihnen gesucht, sondern generell nach Krankheitserregern“, sagt Johannes Krause. Sein Team hat sich unter anderem auf die Krankheitsgeschichte der Menschheit spezialisiert. Deshalb entschlüsseln die Experten nicht nur die Erbinformationen menschlicher Skelette, sondern suchen dabei immer auch nach Hinweisen auf Infektionskrankheiten. Allein in den vergangenen anderthalb Jahren habe man rund 4000 Skelette derart untersucht, sagt Krause.

Die Jenaer Forscher haben die Pest-Genome im Mark der Zähne der beiden Toten entdeckt. Die Zahnpulpa ist stark durchblutet; dieses Blut ist nach dem Tod eingetrocknet und hat die Erreger wie in einer Zeitkapsel bewahrt. Die Pest führt letztlich zu einer meist tödlich verlaufenden Blutvergiftung.

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