Junge Malerin rettet ihre Bilder aus dem Kriegsgebiet Aleppo

Erfurt  Die 16-jährige Syrerin Silva Hassani malt seit ihrer Kindheit. Jetzt präsentiert sie ihre eigene Ausstellung im Café Paul

Foto: Marco Schmidt

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Eine gemütliche, ja familiäre Atmosphäre herrschte Donnerstagabend im Café Paul am Paulsturm. Anlass war eine Vernissage, die nur wenig Gewöhnliches an sich hatte.

Die 16-jährige Künstlerin Silva Hassani präsentiert für die kommenden sechs Wochen mit einer bunten Vielzahl an Bildern ihr malerisches Schaffen. Was Stil, Motive und Technik angeht, lässt sich Silva nicht festlegen. "Das ist so die Bandbreite von dem, was man machen kann", sagte Andreas Jäckl, Leiter der Erfurter Malschule, die Silva besucht. Das jugendliche Talent stammt aus Syrien und lebte dort ein gutes Leben: An einer privaten Kunstschule verfolgte sie ihren Traum, Malerin zu werden. Doch dann kam der Krieg und ihre Heimatstadt Aleppo geriet zum Inbegriff von Leid und Zerstörung.

Heute steht das moderne, energische Mädchen in Erfurt und erzählt selbstsicher auf Deutsch, wie sie 2014 mit ihren Geschwistern über die Türkei nach Europa floh, mit ihren Gemälden im Gepäck. Die Strapazen der viertägigen Reise sind einigen Werken auch anzusehen. Nach und nach kamen Mutter und Vater hinterher, so dass die Familie Hassani mittlerweile wieder vereint in Erfurt lebt.

Hier schließt Silva an ihr altes Leben – so gut es geht – an. Sie besucht jetzt die neunte Klasse der Thomas-Mann-Schule und ist seit eineinhalb Jahren im Malkurs von Katharina Häfner. Ganz nebenbei lernt das Multitalent auch noch Gitarre. Zur Vernissage erläuterte Häfner: "Herr Jäckl und ich sind heute eher der Begleitschutz, die Ausstellung ist ganz auf ihre Initiative hin entstanden."

Das Malen gebe ihr Ruhe, sagte Silva. Ihr Lieblingsmotiv ist die Natur, die ihren Bildern eine tiefe Ruhe verleiht. Doch auch berühmte Gesichter malt sie sehr gern.

Ein Bild, etwas unscheinbarer und kleiner als die anderen, sticht aus der Menge heraus: Es trägt den Titel "Krieg in Syrien" und zeigt in ausdrucksstarken Farben Blut, Tod und die Trümmer ihrer Heimat Aleppo. Das Bild ist von 2013 und Silva hatte da gerade richtig angefangen zu malen, mit 12 Jahren. "Der Krieg hat mein Leben geprägt, also auch meinen Malstil", sagte die junge Künstlerin.

Trotz der Zerstörung vermisst sie Syrien und kann sich vorstellen, womöglich einmal zurück zu kehren, wenn Frieden herrscht. In Erfurt jedenfalls fühlt Silva sich wohl und geborgen. Von Stimmungsmache gegen Flüchtlinge kriegt sie wenig mit. Die Erfurter begegnen ihr größtenteils liebevoll und ohne Vorurteile. "In dieser schönen Stadt möchte meine Zukunft aufbauen", sagte sie voller Entschlossenheit.

Silva Hassanis Ausstellung im Café Pauli am Paulsturm ist bis Ende März zu sehen

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