Junge TA-Redakteure und Hamburger Kollegen: "Die friedliche Revolution lebt in uns weiter"

Junge Redakteure von Hamburger Abendblatt und der Thüringer Allgemeine trafen sich, um über die untergegangene DDR, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Biografien zu diskutieren.

Die Teilnehmer (von links): Olesya Yaremchuk (Stipendiatin aus der Ukraine in Hamburg / Zuhörerin), Vanessa Seifert (Redakteurin Hamburg), Katja Schmidberger (TA-Redakteurin in Eisenach), Kristin Müller (TA-Redakteurin in Nordhausen), hinten von links: Jan Hollitzer (TA-Online-Chef), Alexander Josefowicz (Redakteur in Hamburg), Thomas Müller (TA-Lokalchef Nordhausen), Sebastian Helbing (Chef vom Dienst TA) , Christian Unger (Redakteur Hamburg). Foto: Michael Arning

Die Teilnehmer (von links): Olesya Yaremchuk (Stipendiatin aus der Ukraine in Hamburg / Zuhörerin), Vanessa Seifert (Redakteurin Hamburg), Katja Schmidberger (TA-Redakteurin in Eisenach), Kristin Müller (TA-Redakteurin in Nordhausen), hinten von links: Jan Hollitzer (TA-Online-Chef), Alexander Josefowicz (Redakteur in Hamburg), Thomas Müller (TA-Lokalchef Nordhausen), Sebastian Helbing (Chef vom Dienst TA) , Christian Unger (Redakteur Hamburg). Foto: Michael Arning

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1. Ossi, Wessi, Bundesbürger. . .? Welche Identität haben 29- bis 39-jährige Deutsche? Und was ist mit der Mauer im Kopf ?

Christian Unger (33), Hamburger Abendblatt:
Es gibt viele Probleme - in Deutschland, in unserem Alltag. Aber ein geteiltes Land spielt da für mich keine Rolle. Barrieren im Kopf? Habe ich nicht. Andererseits weiß ich total wenig darüber, ob die Menschen in Ostdeutschland wirklich ähnlich denken oder fühlen.

Jan Hollitzer (34), Thüringer Allgemeine:
Ich bin Thüringer. Das ist für meine Identität viel wichtiger, als die Tatsache, dass ich aus dem Osten komme. Thüringen ist viel konkreter für Menschen, denen ich mich vorstelle.

Alle Infos zum Parlament der Einheit auf der Wartburg in Eisenach.

Kristin Müller (37), Thüringer Allgemeine:
Ich stamme aus dem Erzgebirge und bin zunächst nach München an die Journalistenschule gegangen. Vielleicht hätte es mich irgendwo in den Westen verschlagen. Es war Zufall, dass es Thüringen wurde. Und doch fühle ich bis heute ein bisschen ostdeutsch.

Katja Schmidberger (39), Thüringer Allgemeine Eisenach:
Die Grenze ist nicht mehr in meinem Kopf. Für mich ist Herleshausen in Hessen das beste Beispiel. Für die Menschen dort liegt Eisenach viel näher als Kassel. Für sie spielt diese Grenze keine Rolle mehr. Sie kommen wie selbstverständlich nach Eisenach, besuchen Veranstaltungen hier, gehen ins Theater, fühlen sich wohl, fahren zum Einkaufen nach Erfurt - und lesen inzwischen oft sogar die "Thüringer Allgemeine".

Alexander Josefowicz (36), Hamburger Abendblatt:
Bei mir hat es sehr lange gedauert, die Mauer im Kopf einzureißen. Mein klassisches Ost-West-Denken hat sich deutlich verringert, seit mein großer Bruder mit einer Dresdnerin verheiratet ist, dort wohnt und ich ihn auch häufig besuche. Für mich ist ein gesunder Lokalpatriotismus wichtiger als die Ost-West-Denke. Ich bin Hamburger.

Sebastian Helbing (33), Thüringer Allgemeine:
Ich war für drei Jahre Heidelberger. Es gab dort immer wieder Momente, in denen ich automatisch in so eine emotionale Verteidigungshaltung geriet. Wenn jemand erzählte, dass er gerade über die schönen Autobahnen im Osten gefahren sei und nun wenigstens wisse, was mit dem Solizuschlag passiert ist, dann ist dieses Ostgefühl plötzlich voll da. Dass auch wir diesen Zuschlag zahlen, wissen nur die wenigsten... Ansonsten fühle ich mich als Thüringer, hier bin ich groß geworden.

Vanessa Seifert (34), Hamburger Abendblatt:
Ich habe in Leipzig studiert und kenne deshalb auch beide Seiten. Vorbehalte habe ich nicht. Aber ich weiß, dass viele meiner Freunde oder Klassenkameraden von damals bis heute nicht in den neuen Bundesländern waren. Die sagen: Da fahre ich nicht hin. In Leipzig spürte ich im Jahr 2000 bei meinem Studium aber auch Vorbehalte gegen mich als Westdeutsche. Da war die Stimmung noch sehr aufgeladen, auch in unserer Generation.

Thomas Müller (36), Thüringer Allgemeine Nordhausen:
Ich muss leider sagen, dass die Grenze bei mir im Kopf doch noch ziemlich stark ist. Neulich bin ich mit dem Zug nur ein Dorf hinter die Landesgrenze gefahren, nach Walkenried, und dann zurück nach Nordhausen gewandert. Für mich gibt es die Grenze emotional noch. Es ist erstaunlich, aber ich werde es wahrscheinlich in meinem Leben nicht mehr ablegen. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn man mich als Ossi anredet. Das ist ja eher liebevoll gemeint. Natürlich habe ich auch im Freundeskreis viele Wessis.

2. Gibt es noch Unterschiede im Selbstwertgefühl, wenn Menschen aus den neuen und alten Bundesländern aufeinandertreffen?

Hollitzer (TA): Ich habe im Studium erlebt, dass die Westdeutschen selbstbewusster aufgetreten sind als wir.

Lars Haider, Chefredakteur Hamburger Abendblatt: Jetzt immer noch? In ihrer Generation treten die Westdeutschen selbstbewusster auf? Das Gefühl habe ich nicht.

Schmidberger (TA): Ja.

Haider (HA): Warum?

Hollitzer (TA): Kinder haben Leitbilder, Leitfiguren. Das sind meist die Eltern. Und viele Eltern sind einfach an der Wende zerbrochen, weil sie den Job aufgeben mussten und von einer Führungskraft auf einmal zur Putzfrau oder Verkäuferin wurden, ohne diese Berufe schlechtreden zu wollen. Es bedeutete einen gesellschaftlichen wie finanziellen Abstieg.

Th. Müller (TA): Das zurückhaltendere Auftreten hat auch etwas mit der Sozialisation in der Schule zu tun. Wir wurden nicht so erzogen, eine Diskussion vom Zaun zu brechen.

Hollitzer (TA): Ich meinte den Punkt, dass die gebrochenen Biografien der Eltern sich natürlich auf die Kinder auswirken.

Unger (HA): Bei meinen Eltern und Großeltern hat der Tag des Mauerfalls eher extreme Stabilität gebracht. Plötzlich gab es nämlich die Angst vor einem Krieg nicht mehr, der dann eventuell doch irgendwann noch ausbricht. Es hat auf unserer Seite schon eine deutliche Entspannung gegeben. Für meine Großmutter, eine Westberlinerin, war das total klasse zu merken: Okay, es gibt eine Stabilität, es ist nicht mehr das Risiko eines Krieges vorhanden. Während das im Westen, glaube ich, für viele irgendwie so etwas wie eine Erleichterung und ein Aufatmen und vielleicht auch ein Sieg über das Böse bedeutet hat; ein Gefühl des Gewinnens. Ich kann das schon nachvollziehen, dass das für viele in Ostdeutschland mit Veränderungen und Brüchen verbunden war und eher mit dem Gefühl der Unsicherheit dann auch bei den Kindern ausgelöst wurde, wenn dann die Einkommen nicht mehr klar geregelt waren.

Th. Müller (TA): Aus meiner Sicht ist damals ein klarer Fehler gemacht worden, auch aus Westdeutschland heraus: Die Leistungen und Qualifikationen der Ostdeutschen sind unterschätzt worden. Sie können jede Kindergärtnerin in Ostdeutschland fragen: Das war Unsinn, dass sie sich auf einmal neu qualifizieren mussten. Alle Kindergärtnerinnen wurden erst mal psychologisch in eine Ecke gestellt. Auch das hat die Menschen verunsichert.

3. Was kann unsere Generation dazu beitragen, dass die Mauer im Kopf zukünftig keine Rolle mehr spielt? Ossi und Wessi aus dem Sprachgebrauch streichen?

Hollitzer (TA): Wir machen es uns zu einfach, wenn wir sagen, es dauert noch zwei Generationen und dann ist das Ost-West-Denken raus aus den Köpfen. Vielleicht haben wir jetzt schon die Möglichkeit, etwas zu verändern.

Unger (HA): Im Prinzip könnte man die Differenzierung schon beibehalten, aus Identitätsgefühlen heraus der Abgrenzung gegenüber anderen. Nur wenn die Begriffe "Ossi" und "Wessi" immer mit einer Wertung verbunden sind, wird es schwierig. Und deswegen tendiere ich dazu zu sagen: Wir müssen davon wegkommen, weil wir es nicht schaffen, die historische Belastung dieser beiden Begriffe zu vergessen. Wenn wir weiter von Ossi und Wessi sprechen, bauen wir eher wieder Grenzen auf.

Josefowicz (HA): Mich interessiert das auch nicht. Ich habe noch nie einen meiner Kollegen gefragt, wo er denn vor dem Abendblatt irgendwann mal irgendwoher gekommen ist.

Helbing (TA): Man kriegt das Denken nur raus, wenn man Menschen aus dem alten Bundesgebiet mit in die neuen Bundesländer nimmt, sie einlädt.

Haider (HA): Sollte man dann schlicht sagen: Vergesst es einfach, für uns spielt der Mauerfall im normalen Leben keine Rolle, wir sind ein Land und ein Volk?

Kr. Müller (TA): Das würde doch bedeuten, man nimmt dem Osten das, worauf er stolz sein kann. Ich glaube, da hängt im Moment viel Identität der Ostdeutschen dran. Wir haben eine friedliche Revolution geschafft. Wenn auch nicht jeder einzelne etwas oder gleich viel dazu beigetragen hat.

Haider (HA): Ich fand nur die These interessant. Wenn alle das jetzt vergessen würden, was würde dann passieren?

Seifert (HA): Ich glaube auch, dass es unseren Lesern nicht egal ist, was passiert ist. Wir haben in der Redaktion ein Haufen Anrufe und Leserbriefe bekommen, weil unsere Mauerfallserie kurz pausiert hatte. So viel zum Thema, es spielt keine Rolle. Ich glaube, das ist nicht so. Es sind persönliche Geschichten und Schicksale - zum Beispiel von einem Kollegen aus der Sportredaktion, der eine Frau aus Ostberlin geheiratet hat und der von den ganzen Schwierigkeiten erzählt hat. Das Thema ist aus meiner Sicht noch immer emotional aufgeladen.

Helbing (TA): Vorurteile durch Begegnung abzubauen, ist einfach so schwer, weil es in Richtung Westen die attraktiveren Jobs gibt. Das ist die Schwierigkeit, dass es so wenig Westdeutsche in den Osten zieht. Sonst wäre die Mischung schon eine ganz andere.

Kr. Müller (TA): Bei mir war es so: Ich wollte irgendwo einen guten Job haben. Guter Job hieß für mich nicht nah an der Heimat zu sein, sondern ich wollte schreiben. Ich hatte kein Problem damit, in München an der Journalistenschule zu sein. Aber ich habe mich dann auch wohl gefühlt, in Thüringen arbeiten zu können.

Unger (HA): Natürlich wird man immer wieder auf Klischees aus der Vergangenheit zurückgreifen. Wir dürfen aber nicht anfangen, alle Probleme von heute mit den alten Mustern zu erklären. Man muss nicht darüber reden, ob jemand, der hier arbeitet, aus Ost- oder Westdeutschland kommt. Man kann darüber reden, dass viel zu wenig Leute hier arbeiten, die aus der Türkei kommen oder aus Russland.

Vielleicht ist das jetzt auch wieder der Westblick, aber ich finde, dass man von dieser historischen Last bei der aktuellen Problemlösung wegkommen muss. Wenn wir jetzt über Geschichtsbilder reden, über die Emotionalität, die würde ich niemals da wegnehmen wollen, weil das total wichtig ist auch für die Kritik am Westsystem. Aber lasst uns die Debatten nicht immer wieder zurückführen auf die Sozialisierung in einem anderen politischen System, was jetzt 25 Jahre her ist.

Schmidberger (TA): Ich finde einfach, da gibt es den Ostblick und den Westblick. Wir dürfen auch nicht den 9. November vergessen, denn die friedliche Revolution fand nicht nur in Leipzig statt. Wenn man allein schaut, wie spannungsgeladen es direkt an der Grenze war. In Eisenach gab es auch schon im Oktober Friedensgebete, die waren auch sehr aufgeladen, die hätten auch kippen können. Das war zum Teil viel gefährlicher, und diese Revolution war nicht nur in Großstädten, sondern sie fand auch in kleinen Städten und Orten statt.

Dieses Gefühl, etwas bewegt und eine Revolution gemeistert zu haben, ist in gewisser Weise keine Last, sondern eine historische Dimension, die man auch nicht wegstecken kann. Sie lebt in denen weiter, die dort mitgemacht haben. Sie lebt auch in uns weiter, in der Generation danach. Das sollte man den Menschen einfach lassen, und da ist vielleicht auch der Blick ein bisschen anders von unserer Seite als von eurer.

4. Wie sprechen wir mit unseren Kindern über Ost und West?

Kr. Müller (TA): Ich glaube, es braucht einfach noch eine Generation weiter. Also, meiner fünfjährigen Tochter wurde im Kindergarten erzählt, dass es eine Mauer gab. Ich habe auch nichts dagegen, dass das erzählt wurde. Ich glaube, sie hat das so aufgenommen, wie wir von der Oma damals erzählt bekommen haben, dass da mal böse Leute in Deutschland waren und die Welt erobern wollten.

Das wurde dann nüchtern als Geschichtsfakt aufgefasst in der Generation, und wenn wir quasi nicht mehr sind, dann wird es sicher keine Rolle mehr spielen.

Aber wir haben noch viel Ballast von unseren Eltern. Es gehört auch mit zu meiner Identität, dass ich mich in meiner Familie wohlfühle. Also nehme ich dort auch Gedanken auf. Und so lange werde ich mich wahrscheinlich auch als Ossi fühlen - wenngleich ich nie Berührungsängste hatte, woanders zum Arbeiten hinzugehen.

Th. Müller (TA): Ich denke, neben den Kindergärten gehören auch die Schulen dazu, ein neues Bild von Deutschland zu vermitteln. Man darf nicht vergessen, dass bisher dort vornehmlich die Lehrer waren, die auch schon im Osten gearbeitet haben. Ich denke mal, die nächste Generation von Lehrern wird das anders vermitteln. Dennoch sollte gerade dieses Kapitel ordentlich vermittelt werden. Aktuell kann davon zumindest an Thüringer Schulen aus meiner Sicht nicht die Rede sein.

5. Wie spricht man mit der älteren Generation über das Thema Wende?

Josefowicz (HA): Der Vater meiner Schwägerin aus Dresden war bei der Volkspolizei. Das heißt, der Themenkomplex der DDR wird bei Familientreffen dann doch umschifft, weil das relativ schnell und relativ große Verwerfungen mit sich bringt. Da ist das tatsächlich so ein bisschen, da kommt das so durch, so ein nostalgischer Spruch, und ich beiße mir auf die Zunge und denke, um des lieben Familienfriedens sage ich nicht, was ich dazu meine.

Das ist natürlich etwas, was mein Neffe jetzt noch nicht so richtig mitbekommt. Ich kann mir aber vorstellen - er ist jetzt acht Jahre alt -, dass er in sechs, sieben Jahren möglicherweise mit seinem Opa aneinander gerät, wie ich mit meinem einen Opa da aneinander geraten bin.

Die Familiengeschichten sind ja noch lebendig, und ich glaube auch, das braucht noch diese weitere Generation, bis das Entfernung hat und nüchterner betrachtet werden kann.

Schmidberger (TA): Ich glaube, dass unsere Gesellschaft ziemlich fortgeschritten ist, was die Bearbeitung des ganzen Themas angeht. Man braucht nur eine Generation weiter zu blicken. Wenn ich sehe, wie viele junge Menschen, die aus den neuen Bundesländern kommen, mittlerweile durch die Welt reisen. Sie studieren in Rom, gehen in China arbeiten. Sie machen Auslandssemester, sie unternehmen Sprachreisen, sie leben das ganz anders als wir es zum Beispiel gelebt haben. Im Ausland spielt es keine Rolle mehr, wo man herkommt. Die nachfolgende Generation ist schon sehr weit, was Ost und West oder eben nicht Ost und West angeht.

Bei uns ist und bleibt es durch das familiär Vorgelebte präsent. Dazu kommt speziell bei mir, dass ich auch in Thüringen beheimatet bin und ich mich auch berufsbedingt intensiv mit dem Thema beschäftige.

6. Was ist die Erkenntnis der Diskussionsrunde?

Zusammenfassung durch Jan Hollitzer (TA), die später ohne Ergänzung Zustimmung fand:

Mein Eindruck ist, dass im Hier und Jetzt keine großen Unterschiede zwischen uns festzustellen sind. Wir teilen gleiche Ansichten, leben ein nahezu gleiches Leben.

In der Retrospektive gibt es aber definitiv Unterschiede, wenn wir zum Beispiel nur an den Zeitraum des Mauerfalls denken. Wir aus den neuen Bundesländern wissen genau, was wir an diesem Tag gemacht haben. Die anderen nicht.

Für den Osten war dieser Tag ein neuer Anfang, ein Aufbruch, verbunden mit viel Unsicherheit. Alles wurde von heute auf morgen anders. Für den Westen ging es größtenteils weiter wie vorher. Zumindest war dies der Eindruck der Teilnehmer hier.

Ich würde für mich feststellen, dass unsere Generation eigentlich gesamtdeutsch ist, auch wenn wir die ersten Kinderjahre in unterschiedlichen Systemen verbracht haben.

Die Identität ist vielleicht ein bisschen anders, das kann aber auch regional bedingt sein. Natürlich kann ich mich in gewissen Momenten schon noch als Ossi fühlen, muss es nicht. Ich fühle mich eher nicht als Ossi.

Uns bewegen mittlerweile gesamtdeutsche Probleme, zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und es wird auch nicht nur von Menschen aus den neuen Bundesländern verlangt, ihre Heimat wegen eines möglichen Berufs zu verlassen. Ostdeutsche müssen meist flexibel in Richtung Westdeutschland sein, wenn sie arbeiten wollen. Aber wie man auch bei den Teilnehmern des "Hamburger Abendblattes" sieht, kommen viele aus dem ganzen Bundesgebiet. Hier ist die Flexibilität im Berufsleben genauso gefragt.

Unabhängig von den natürlich noch vorhandenen Erinnerungen an die Grenze sind wir schon viel vereinter als die älteren Generationen.

"Parlament der Einheit" im Internet: http://www.thueringer-allgemeine.de/

Ukraines Regierung will eine Mauer bauen – als Schutz vor dem Eindringling aus Russland

Von Olesya Yaremchuk

Deutschland hat 1989 die Mauer abgerissen. In der Ukraine ist das Gegenteil der Fall: Die Regierung will mit Menschen im Osten des Landes eine Mauer bauen – als Schutz vor dem Eindringling aus Russland.

Selten waren sich Ost und West in der Ukraine so einig wie jetzt, in der Zeit des Konfliktes mit Russland und den prorussischen Separatisten. Die Ukrainer sind selbstbewusster und unterstützen einander. So sammeln sie im Westen Kleidung für Flüchtlinge aus dem Osten.

Trotzdem konnte ich aus der Diskussion zwischen den Thüringer und Hamburger Journalisten über den 25. Jahrestag des Mauerfalls lehrreiche Schlüsse ziehen: Wie profitieren wir von der großen regionalen Vielfalt in einem Land? Wie helfen wir einander, zusammenzuwachsen?

Nur eine Eigenschaft hat die Ukraine mit Deutschland gemein: Die Ostukraine ist derzeit unter starkem russischen Einfluss – so wie früher die DDR, nur in wesentlich höherem Maße.

Heute liegt eine Herausforderung in der Ukraine darin, wie Ost und West mit dem jeweils anderen zusammenleben können. Der Konflikt mit Russland hat gezeigt, dass auch viele Menschen im Osten des Landes für eine geeinte Ukraine demonstrieren. Unser Land ist auf einem guten Weg.

Ich hoffe, mein Land wird irgendwann so eng zusammenstehen wie Ost und West in Deutschland.

Parlament der Einheit

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