Karfreitagskonzert in Trauerhalle: Das erste Gedenken nach 80 Jahren

Weimar  Bach-Biennale erinnert an 3500 Tote aus dem KZ Buchenwald, die in Weimars Krematorium eingeäschert wurden

Kirill Karabits leitet die Staatskapelle Weimar im Gedenkkonzert.Fotos: Michael Baar

Kirill Karabits leitet die Staatskapelle Weimar im Gedenkkonzert.Fotos: Michael Baar

Foto: Michael Baar

Mit dem Gedenkkonzert „Die Asche von Buchenwald“ auf dem Weimarer Hauptfriedhof ist erstmals jener 3500 im KZ Buchenwald gestorbenen und ermordeten Menschen öffentlich gedacht worden, die von 1937 bis 1940 im Krematorium des städtischen Friedhofs eingeäschert wurden. Zugleich erinnert die Stadt Weimar seit dem Konzert mit einer Unesco-Tafel an diese Schattenseite des Weimarer Friedhofs.

Es war der Verein „Bach in Weimar“, der das Gedenkkonzert am Karfreitag in der Trauerhalle anregte, organisierte und als Teil der Bach-Biennale Weimar veranstaltete. Unterstützt wurde das Konzert vom Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle Weimar, der Stadt und dem Ministerpräsidenten, dem ev.-luth. Kirchenkreis und der jüdischen Landesgemeinde.

In London hatte der Weimarer Barockcelloprofessor Olaf Reimers die Ausstellung „Germany – Memories of a Nation“ von Neil McGregor gesehen und deren Gegenüberstellung des zynischen Spruches aus dem Lagertor von Buchenwald mit der Partitur der Weimarer Bach-Kantate „Nur jedem das Seine“ (BWV 163, 1715). Und so begann das Gedenkkonzert auch mit dieser Kantate durch das Ensemble für Alte Musik der Hochschule für Musik „Franz Liszt“, geleitet von eben jenem Olaf Reimers und von Midori Seiler als Konzertmeisterin.

„An diesem Karfreitag können wir Bach hören, wie Bach es gewollt hat“, sagte Ministerpräsident und Schirmherr Bodo Ramelow in seinem Grußwort, „und nicht so, wie das Wort von den Nationalsozialisten uminterpretiert wurde.“

Im Programm erklangen Werke, die eng mit den KZ verbunden sind: Gideon Kleins „Streichtrio“ wurde im KZ Theresienstadt vollendet. Prokofiews „Ouvertüre über hebräische Themen“ erinnert an kulturelle Traditionen und Schätze, die vom Nationalsozialismus vernichtet wurden. Beide Werke führte die Staatskapelle unter Leitung von Kirill Karabits auf. Markus Stockhausen nahm das Publikum mit auf eindrucksvolle meditative Klangreisen. Nicht zuletzt erklangen zwei Auftragskompositionen von Studenten der Weimarer Musikhochschule nach Texten des Buchenwald-Häftlings Karl Schnog.

Im interreligiösen Gedenken verlasen Landesrabbiner Alexander Nachama und Superintendent Henrich Herbst stellvertretend Namen der Toten. Das Grußwort des erkrankten Romani Rose wurde verlesen.

Die Rolle des Krematoriums auf dem Hauptfriedhof in den ersten Jahren des KZ wurde inzwischen von verschiedener Seite ins Blickfeld gerückt. Zunächst von Studenten der Bauhaus-Universität, die nicht locker ließen, bis sich der Stadtrat und die Verwaltung des Themas annahmen. Jens Riederer, der Leiter des Stadtarchivs, zeichnete „das Geflecht der alltäglichen Mittäterschaft zur Vernichtung der Spuren der NS-Verbrechen“ akribisch nach, erinnerte Rikola Gunner Lüttgenau von der Gedenkstätte Buchenwald. Veröffentlicht wurde Riederers Aufarbeitung 2018 im Band zur Geschichte des Hauptfriedhofes durch den Verein „Grüne Wahlverwandtschaften“.

Geht es nach Professorin Myriam Eichberger, der Vorsitzenden des Vereins Bach in Weimar, und Oberbürgermeister a.D. Klaus Büttner, dann war das Gedenkkonzert erst ein Auftakt. Bürgermeister Ralf Kirsten jedenfalls will sich dafür einsetzen, dass die 3500 Deutschen, Polen, Österreicher und Tschechen, von denen 1500 als Juden und mehr als 300 als Sinti und Roma verfolgt wurden, künftig auch mit einer Gedenkstele im Gedächtnis gehalten werden.

Mehr Bilder: ta-weimar.de

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