„Kein Weihnachtsgeschenk“: Neues Jagdschloss Hummelshain ist abbezahlt

Hummelshain  Der Förderverein Schloss Hummelshain glaubt nicht an weitere Investitionen des Geldgebers

Luftbild vom Neuen Jagdschloss Hummelshain von Süden.

Luftbild vom Neuen Jagdschloss Hummelshain von Süden.

Foto: Förderverein

Das Neue Jagdschloss Hummelshain bleibt in den Händen des umstrittenen Eigentümers. Die verbliebene Kaufsumme mit Zinsen ist an die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) überwiesen worden. „Der Betrag ist eingegangen“, bestätigt Frank Krätzschmar, scheidender Geschäftsführer der LEG.

Damit erübrige sich die Zwangsversteigerung, die im Herbst gegen den seit über 20 Jahren säumigen Schlossbesitzer Lutz Rothe eingeleitet wurde. Die LEG wolle allerdings noch auf die Zahlung von Verzugszinsen beharren – die vermutlich im niedrigen Bereich liegen – sowie auf die Kosten für das Verfahren der Zwangsversteigerung.

Frank Krätzschmar wollte den Zahlungseingang nicht weiter bewerten. Nur so viel: „Wenn es jemanden gibt, der Geld für den Erhalt gibt, ist es gelungen“, sagt er.

Damit spielt er auf den Investor aus dem Weimarer Land an, der dem Schlosseigentümer jetzt unter die Arme griff und offenbar allein gut 550 000 Euro an die LEG transferierte. Welche Pläne er verfolgt, ist unklar. Er reagierte bislang auf keine Anfrage dieser Zeitung. Allerdings muss es sich bei ihm um eine länger bestehende und offenbar nicht erfolgreiche Geschäftsbeziehung mit Lutz Rothe handeln. Er steht seit 2014 mit einer Grundschuld von 40 000 Euro im Grundbuch des Schlosses.

Dass es mit diesem neuen Geldgeber nun bergauf geht für das Jagdschloss, das bezweifelt Rainer Hohberg, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Hummelshain. „Es ist unwahrscheinlich, dass weitere Summen hineinfließen“, erklärt er. Die Nachricht von der Abbezahlung des Schlosses sei für ihn daher „wirklich kein Weihnachtsgeschenk“. Schließlich kam von privater Hand eine gute halbe Million, „aber das notleidende Schloss hat nichts davon“.

Derzeit ist der Verein froh, mit den bewilligten Fördermitteln von Bund und Land die gravierendsten Löcher im Schloss zu stopfen, zuvorderst das Dach. In der zweiten Kalenderwoche 2018 werde das Gerüst am Westflügel stehen. Möglich wurden die Mittel durch das beharrliche Werben der Vereinsmitglieder. Ein Vertrag, abgeschlossen mit dem Eigner, ermöglicht es ihnen, die 1,53 Millionen Euro in sieben Jahren zu verbauen.

In Sack und Tüten sieht Vereinsvorsitzender Hohberg die Eigentumsverhältnisse trotz Abbezahlung noch nicht. Er verweist auf den Bericht des MDR in dieser Woche. Der Insolvenzverwalter der Alphasat Communication GmbH von Lutz Rothe, auf die bis 2008 das Schloss lief, wolle versuchen, den Kaufvertrag mit der LEG annullieren zu lassen. Einen Gerichtstermin gebe es dazu noch nicht.

1998 hatte die LEG das Jagdschloss für etwa zwei Millionen D-Mark an Rothe und seine Alphasat verkauft. Die weiteren versprochenen Millionen flossen nie, Rothe stand dagegen vor Gericht wegen Insolvenzverschleppung und Anlagenbetrug.

Im Nachhinein betrachtet LEG-Chef Krätzschmar das Geschehene kritisch. „Der Verkauf war kein Glücksgriff“, sagt er, an manchen Stellen sei man zu optimistisch gewesen. Rothe präsentierte sich damals als potenter Unternehmer mit millionenschweren Patenten. 2008, als ihm die LEG schließlich das Schloss übertrug, fehlten der Landesgesellschaft die finanziellen Mittel für eine Zwangsversteigerung sowie ein Interessent für das Schloss. Beides hat die LEG nun, es nützt ihr aber nichts mehr.