Kinderhospiz Mitteldeutschland braucht die Unterstützung der Eichsfelder

Leinefelde (Eichsfeld)  Das Kind hat eine tödliche Krankheit. Für eine Familie ist das die schlimmste Diagnose. Alles verändert sich – für alle.

In Tambach-Dietharz befinden sich das Kinderhospiz Mitteldeutschland und das Sternstundenhaus. Foto: Guido Werner

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Fast ein Jahr ist es her, dass das „Sternstundenhaus“, ein Anbau mit großem Gemeinschaftsbereich und Küchentrakt im Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz eingeweiht wurde. Aus finanziellen Gründen konnte das Vorhaben 2011 mit dem Bau des Hospizes nicht realisiert werden. Obwohl es schon damals wichtig gewesen wäre.

Staatliche Unterstützung gab es nicht, doch dank vieler Spenden konnte das Projekt umgesetzt werden, sagt Stephan Masch, Leiter für Kommunikation des Trägervereins. Das Haus steht den Familien offen, die Kraft tanken müssen. Hier können sie „Luft holen“, etwas Abstand gewinnen von der belastenden Alltagssituation.

Auch Eichsfelder haben das Angebot schon genutzt, erzählt Stephan Masch. Während des Aufenthaltes wird das kranke Kind betreut, die Geschwister können nun einmal die Aufmerksamkeit der Eltern genießen. Und die Mütter und Väter – sie haben Zeit, auch mal ein Buch zu lesen oder ins Kino zu gehen, Dinge zu tun, die für andere ganz selbstverständlich sind.

Unbeschwerte Momente haben sie kaum, daher sollen sie die in Tambach-Dietharz genießen. „Die 500. Familie werden wir bald begrüßen“, so Masch. Bei der Gestaltung des Hauses, das 70 Personen aufnehmen kann, wurde viel Wert auf eine Wohlfühlatmosphäre gelegt. Da gibt es zum Beispiel einen Kamin und ein Aquarium. Auf knisterndes Feuer oder kleine Fische können die Hausgäste schauen und die Seele baumeln lassen. Ein Gefühl, das im Alltag der Familien untergegangen ist.

Zu den Eichsfeldern, die das Kinder- und Jugendhospiz unterstützen, gehört Christian Hunold, Chef der Leinefelder Firma Ladenbau Hunold. Sie sorgte 2013 für die Profiküche. Schnell stand allerdings für den Unternehmer fest: Hier geht es um mehr, als eine Einrichtung. Die Eindrücke in Tambach-Dietharz haben Christian Hunold nicht mehr losgelassen. „Beruflich“, sagt er, „geht es bei uns darum, Wohlfühlbereiche zu schaffen“. Gearbeitet wird unter anderem in Hotels, bei Bäckern oder Fleischern.

Eltern und Geschwister können Kraft tanken

Die Arbeiten in Tambach-Dietharz waren jedoch etwas Besonderes. „Es ist enorm wichtig, dass schwerkranke Kinder und ihre Familien einen Ort haben, an dem sie sich wohl- und gut aufgehoben fühlen. Ich habe drei gesunde Kinder und bin dankbar dafür. Nichts ist selbstverständlich“, sagt der Unternehmer, der sehr schätzt, was die Mitarbeiter des Hospizes „mit so viel Hingabe“ leisten. Hunold hält bis heute den Kontakt zu der Thüringer Einrichtung und unterstützt sie.

„Das sind nicht die großen Summen“, sagt er. Doch für Stephan Masch sind die Spenden wichtig. Er ist froh, dass die Unterstützung des Eichsfelder Unternehmens keine Eintagsfliege ist. Denn rund 820.000 Euro im Jahr braucht das Hospiz, um sich finanzieren zu können.

Und Christian Hunold – er machte sein Versprechen, sich zu engagieren, wahr, sammelte Geld beim Tag der offenen Tür oder wies Freunde und Partner beim Geburtstag darauf hin, dass es Wichtigeres gibt, als ein Geschenk für ihn. „Andere glücklich machen, das gehört auch zu unserer Firmenphilosophie“, meint er. Mitarbeiter konnte er für den guten Zweck ebenfalls schon begeistern.

Einiges hat der Trägerverein in Tambach-Dietharz noch vor. Geplant sind 2016 unter anderem die Schaffung weiterer Elternzimmer und Therapieräume. 600.000 bis 700.000 Euro werden laut Masch gebraucht. Schon heute kommt das Haus in den Ferien auf eine Auslastung von 120 Prozent.

„Für die Familien ist eine Entlastung unendlich wichtig – für die Geschwister wie die Eltern“, erklärt Stephan Masch, der die Eichsfelder um Unterstützung für das Haus bittet und sich gleichzeitig bei den Privatpersonen, Firmen, Vereinen oder Kindertagesstätten im Landkreis bedankt, die nicht nur ein offenes Ohr haben, sondern handeln.

„Wir sind stolz, solche Partner im Eichsfeld zu haben“, meint er auch im Namen der 27 Mitarbeiter, die sich im Hospiz um die Familien und todkranken Kinder kümmern und deren Gehälter auch aus Spenden finanziert werden müssen. „Es geht wirklich um jeden Schein, jeden kleinen Schritt“, sagt der Unternehmer, der weiß, dass einige Thüringer Einrichtungen dringend Unterstützung brauchen. Über das Kinder- und Jugendhospiz und die Arbeit berichtet Stephan Masch gern. „Es geht um Menschen in Ausnahmesituationen“, betont er. Ob Schule, Verein oder Firma – gern nimmt er Einladungen an, um über das Haus zu informieren.

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