Klare Vorstellungen für Nordhausen Nord

Nordhausen  Eine Woche sind junge Stadtplaner in den früheren Rentnerblock in der Semmelweisstraße eingezogen. Eine leere Wohnung der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, das ist derzeit ihr Hauptquartier. Von hier aus wollen Andreas Krauth, Marius Gantert und Luc Knödler aus eigener Anschauung erfahren, was in Nordhausen-Nord noch nicht perfekt ist.

Foto: Thomas Müller

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In den nächsten Jahren steht eine Sanierungswelle für die in den 70er und 80er Jahren entstandenen Neubaublöcke an. Deshalb wollen Wohnungsbaugesellschaft und -genossenschaft genauer wissen, was dabei zu beachten ist. Und zwar nicht nur von den Planern, sondern vor allem von den Bewohnern.

Mitten in der Wohnwoche haben die Planer für Samstag ins „Nordhaus“ eingeladen. Große Pläne hängen an der Wand, liegen auf den Tischen. Und weil es recht ungezwungen zugeht, verweilen die Bürger tatsächlich etwas länger, trauen sich, wirklich einmal zu reden.

Viele sind offen für Neuerungen. So stößt der Vorschlag, künftig die Wegebeziehungen zwischen den Supermärkten und Geschäften günstiger zu gestalten, dabei auch Stolperstellen zu entfernen, auf offene Ohren. Das Deutsche Rote Kreuz will sein Altenheim wie auch Aldi seinen Markt umbauen. Geht es nach den Planern, würde der Discounter seinen Eingang zum Kreisverkehr hin verlegen, sich also nicht abwenden vom Wohngebiet. Ob die Zentrale das mitmacht, ist unklar.

Auch ein grüner Ring um den Stadtteil kommt gut an. Den gibt es schon, allerdings in recht verwilderter Form, haben die Drei mit dem Blick von außen festgestellt. „Vieles ist zugewachsen“, stellt Luc Knödler vom Büro HWK aus Ratingen fest. Und Andreas Krauth vom „Tele-Internet-Café“ aus Berlin fällt auf, dass das jüngste Wohngebiet am Heidelbergblick überhaupt nicht fußläufig angebunden ist – trotz der Nähe.

Die Fachleute haben eines begriffen: Sie können das Areal nicht wie mit dem Rasenmäher überplanen. „Wir haben Respekt vor der bestehenden Situation“, meint Krauth. So fallen ihnen schnell die Herzen zu mit der Meinung, die Garagenkomplexe müssten nicht weichen. Im Gegenteil: Sie sollen als Hobby- und Bastel-Himmel erhalten bleiben. Mit wenigen Eingriffen könnte allerdings die lineare Struktur verändert werden. So entstünden Höfe mit einer gewissen Lebensqualität.

„Hört sich nicht schlecht an“, sagt eine Dame. Ihr Sohn möchte wie etliche andere, die im Laufe des Tages ins Nordhaus kommen, genauer wissen, wie es mit Parkplätzen weitergeht. Die Pläne nämlich zeigen eine angenehme grüne Landschaft beispielsweise im Hof der Ossietzky-Straße. Bisher ist der zugeparkt.

Karree Ossietzkystraße wird Vorbild für andere

Luc Knödler räumt ein, dass die Parkplätze nicht von heute auf morgen verschwinden könnten. Sollten sich allerdings die angedachten Optionen greifen, sich das Auto zu teilen (Carsharing), dann könnte auf Dauer weniger Bedarf an Parkraum entstehen. Auch regen einige Bürger an, Boxen für Fahrräder zu schaffen, ähnlich wie für die Mülltonnen. Dann würden die Räder oder E-Bikes vielleicht öfter genutzt. Bisher müssen die Anwohner sie aus dem Keller oder gar der Garage holen.

„Vielleicht beginnen wir, die Hälfte des Hofes zu begrünen“, strebt die Runde einem Kompromiss entgegen. Anfang 2018 sollen die Planer ein Strategiepapier vorlegen. An dem könnten sich SWG und WBG entlang hangeln. Mit Hilfe der Internationalen Bauausstellung (Iba) soll 2019/2020 zunächst das Karree Ossietzkystraße erneuert werden – als Vorbild vielleicht für weitere Sanierungen.

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