Kleine Walli wird mit vielen Streicheleinheiten verwöhnt

Eisenach  Waldjugendspiele locken rund 300 Grundschulkinder auf einen Drei-Kilometer-Parcours rund um die Sängerwiese

Waldarbeiter Uwe Bücher zeigt den Kindern der Stammgruppe Wildpferde der Evangelischen Grundschule Eisenach, welche Arbeitsgeräte Forstarbeiter im Wald benötigen. Insgesamt 300 Kinder aus 15 Grundschulklassen beteiligten sich an den Waldjugendspielen.Fotos: Norman Meißner (3)

Foto: Norman Meißner (3)

Obwohl die Waldjugendspiele am Donnerstagvormittag wieder ohne Punkte-Wertung rund um die Sängerwiese über die Bühne gingen, strengten sich die rund 300 teilnehmenden Schüler aus 15 Grundschulklassen der Wartburgregion auf dem mit zwölf, teils recht kniffligen Stationen gespickten Drei-Kilometer-Rundkurs mächtig an. Es ging um die richtigen Antworten zu Tierkunde, Botanik, Umwelt und Jagd. Denn: „Für jeden erkämpften Punkt spendet das Forstamt Marksuhl wieder einen halben Euro zur Ausrichtung der Kinderkulturnacht“, sagte Antje Jarski. „Da haben alle Kinder etwas davon.“ Sie freut sich über die Leistung der Schüler – immerhin können 343,50 Euro gespendet werden.

Seit mehreren Jahren organisiert sie diesen besonderen Lernspaß im Wald, der erstmals 1992 stattfand.

„Ohne die Waldarbeiter im Revier wäre ich aufgeschmissen“, gibt die Funktionsbeamtin des Forstamtes unumwunden zu. Sie freut sich, dass unter den rund 30 Helfern nicht nur aktive Förster, sondern auch pensionierte Forstfachleute die Waldjugendspiele mit zum Erfolg führen. Auch die benachbarten Forstämter entsenden personelle Unterstützung. Als besonders knifflig erwies sich für die jungen Walderforscher die Station, die Forstwirtschaftsmeister Thomas Abe betreute. Während das Gezwitscher der Amsel nahezu alle Klassen auf Anhieb errieten, wussten vielfach die Schüler bei den „Liedern“, die Eichelhäher und Goldammer trällern, nicht die Antwort.

Mit hervorragendem Wissen überzeugte ein Großteil der Klassen am Stand von Pensionär Manfred Jarski. Die Schüler vermochten schnell, die Namen zu Blindschleiche, Ringelnatter, Molche und Kaulquappen zuzuordnen. „Lebende Tiere haben bei den Kindern eine viel höhere Anziehungskraft als Bilder auf Schautafeln“, erzählt der Ruhestandsförster. Die gezeigten Exemplare sucht er eigens für die Waldjugendspiele selbst im Unterholz und an Ufern. „Mit einem Frosch hat es leider nicht geklappt – der ist mir immer wieder ins Wasser entwischt“, schmunzelt der Tierfreund.

Waldohreule ist erst fünf Wochen alt

„Oh, süß, schön“, begrüßten die Grundschüler Walli. Die nur fünf Wochen alte Waldohreule bekam an der Station „Greifvögel“, die die Geschwister Lisa und Elias Schubach von der Greifenwarte „Falknerei am Rennsteig“ betreuten, ganz viele zarte Streicheleinheiten ab. Dies honorierte Walli immer wieder mit genüsslichem Räkeln in der Sonne oder keckem Gähnen. Aber auch Paul, einen sechs Jahre alten europäischen Uhu, sowie einen Wander- und einen Sakerfalke schlossen die Kinder in ihre Herzen. Sie waren erstaunt, wie gut sich die Greifvögel im dunklen Wald orientieren können. „Wir feiern am 2. Juli unser Kinderfest“, lud Lisa Schubach zur Falknerei ein.

„Ich versuche zu retten, was zu retten ist“, beschreibt Fledermausexperte Alexander Claußen mit einem Schuss Sarkasmus sein Tun an seiner Station. Seit der Veröffentlichung des Vampir-Horrorfilms „Bram Stoker’s Dracula“ im Jahr 1992 fürchte sich Mann und Maus vor jeder Fledermaus. „Unsere Fledermäuse haben unter dieser Phobie zu leiden“, so Claußen. Bei ihm erfuhren die Kinder, dass Fledermäuse hierzulande ganz ungefährlich sind.

Jedes Kind erhielt zu Schluss als Erinnerung ein Klassenfoto und jede Klasse dazu einen „Baum des Jahres 2017“. „Diesmal ist es die Fichte, die auf den Schulgelände eingepflanzt werden kann“, sagt Antje Jarski. Sie hofft, dass die Grundschulkinder mit Foto und Baum an die Waldjugendspiele erinnert werden und so den Tag als Erlebnis lange im Kopf behalten.

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