Kommunen fordern Nachbesserung in Sachen Kita-Betreuung

Landkreis.  Bürgermeister des Landkreises Sömmerda richten Offenen Brief an Ministerpräsident und Minister. Räumliche und personelle Ressourcen zur Umsetzung der Vorgaben fehlen.

Lutz Riedel, Christian Karl, Beatrix Winter und Hendrik Blose (von links) unterzeichnen im Sömmerdaer Rathaus einen Offenen Brief und bitten um Überarbeitung der Vorgaben zur Betreuung in Kindergärten.

Lutz Riedel, Christian Karl, Beatrix Winter und Hendrik Blose (von links) unterzeichnen im Sömmerdaer Rathaus einen Offenen Brief und bitten um Überarbeitung der Vorgaben zur Betreuung in Kindergärten.

Foto: Jens König

Kurzfristige Nachjustierungen bei den aktuellen Vorgaben zur Betreuung von Mädchen und Jungen in Kindertagesstätten mit der Maßgabe konkreter Handlungsanweisungen sehen die Verantwortlichen der Städte Sömmerda, Rastenberg und Kölleda sowie der Landgemeinde Buttstädt als dringend erforderlich an und wenden sich in einem Offenen Brief an Ministerpräsident Bodo Ramelow, Sozialministerin Heike Werner und Bildungsminister Helmut Holter.

„Für uns als Kommunen ist es unter den vorgegebenen Auflagen ein nicht zu leistender Spagat, den geforderten Gesundheitsschutz für die Kinder sowie die Erzieherinnen und Erzieher zu berücksichtigen und zugleich den Bedürfnissen der Eltern nach einer adäquaten Betreuung ihrer Kinder zu entsprechen“, heißt es in dem Schreiben, das Sömmerdas 1. Beigeordneter Christian Karl (CDU), Rastenbergs Bürgermeisterin Beatrix Winter (Wählergemeinschaft Gemeinsam für Rastenberg), Kölledas Bürgermeister Lutz Riedel (SPD) und Hendrik Blose (CDU) als Bürgermeister der Landgemeinde Buttstädt am Montagnachmittag im Sömmerdaer Rathaus unterschrieben. Die Unterzeichner stehen in der Verantwortung für insgesamt 20 Kindergärten.

Um die Auflagen zu erfüllen, sei künftig die Einführung eines Wechselmodells in den Kindereinrichtungen notwendig, die Vorgaben des Landes zu Hygiene und Infektionsschutz ließen keine andere Wahl. Sowohl die geforderte Flächenbegrenzung als auch der damit verbundene Personaleinsatz stellten die Kommunen vor gewaltige Herausforderungen. Ein solches Modell sei für Kommunen wie auch Eltern mehr als schwierig: Eltern können ihre berufliche Tätigkeit nicht vollumfänglich wieder aufnehmen, und die pädagogische Arbeit sei unter diesen Bedingungen noch schwieriger, als sie es ohnehin seit Beginn der Corona-Krise bereits sei.

„Wir haben große Sorge, dass nun im Landkreis ein Flickenteppich entsteht, und bemühen uns um eine möglichst einheitliche Regelung“, so Christian Karl. Man dürfe Personal und Eltern nicht überfordern und müsse auch die Förderkinder im Blick behalten. In einem Gespräch über mögliche Betreuungsvarianten sei gemeinsam mit Hendrik Blose die Initiative zu dem Offenen Brief entstanden. Man wolle und müsse unbedingt auf die Probleme aufmerksam machen.

Mit dem Einstieg in den eingeschränkten Regelbetrieb ende zugleich der Anspruch auf die vollumfängliche Betreuung derjenigen Kinder, deren Eltern bis dahin Anspruch auf eine Notbetreuung hatten, verweist Hendrik Blose auf einen weiteren Umstand. Für diese Eltern verschärfe sich die Situation also. Und man müsse sich darauf einstellen, dass der eingeschränkte Regelbetrieb für einen längeren Zeitraum gilt, über die Sommerzeit hinaus. Idealerweise wolle man für alle Eltern ein Angebot unterbreiten, aber es sei unmöglich, allen gerecht zu werden.

Viele der Vorgaben seien gut gemeint, aber nicht umsetzbar. Wie wolle man einem Kindergartenkind etwa erklären, dass seine Gruppe nur auf der linken Seite des Spielplatzes spielen darf und die andere Gruppe rechts. Eine feste Zuordnung der Erzieher zu den möglichst klein zu haltenden Gruppen sei in ländlichen, kleinen Kindergärten mit drei Erziehern undenkbar.

Lutz Riedel verweist darauf, dass die Vorgaben oft widersprüchlich seien. Und die Flächenvorgabe von 6 Quadratmeter für Kinder bis vollendetem dritten Lebensjahr und vier Quadratmeter für Ältere sei angesichts der vorhandenen räumlichen Ausstattung problematisch.

Mehrfach mit dem Elternbeirat zusammengesessen hat Beatrix Winter. Die Eltern seien völlig verunsichert und jeden Tag gebe es etwas Neues, das sei ein unhaltbarer Zustand. In einigen Einrichtungen seien die Höchstgrenzen der Kapazität schon erreicht, und man arbeite ohnehin mit Sonderkonzept. Das in einem Schichtbetrieb notwendige Personal sei ein enormes Problem. Und es gab schon vor Corona einen Mangel an Erziehern...