Lebenshilfe in Erfurt will Defensionskaserne mit offenen Angeboten beleben

Erfurt. Im Konzept-Streit um die Defensionskaserne auf dem Petersberg hat der Paritätische Wohlfahrtsverband (Parität) die Rolle des Lebenshilfe-Vereins in seinem Konzept betont. Der Verein und sein Integrationsunternehmen, die Lebenshilfe Service gGmbH, würden die Kaserne bewirtschaften und beleben, sagte der Paritäts-Sprecher Stefan Werner.

Lebenshilfe-Chef Uwe Kintscher (links) und Parität-Sprecher Stefan Werner stehen vor ihren Plänen für die Defensionskaserne. Foto: Holger Wetzel

Lebenshilfe-Chef Uwe Kintscher (links) und Parität-Sprecher Stefan Werner stehen vor ihren Plänen für die Defensionskaserne. Foto: Holger Wetzel

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Bei Kauf und Nutzung des Gebäudes konkurriert das gemeinsame Konzept von Parität und Landesmedienanstalt (TLM) mit den Plänen des Vereins Kulturquartier, der die Kaserne für freie Künstler, Architekten, und andere Tätige der Kreativwirtschaft öffnen will. Bei den bisherigen Diskussionen fand das Konzept des Kulturquartiers mehr Anklang, weil es vermeintlich mehr zu der erwünschten Belebung des Petersberges beitragen könnte. Die Mehrheit sah jedoch im Modell der Parität die solidere Finanzierung.

Werner wandte sich nun gegen diese Darstellung. Die Parität mit 80 Mitarbeitern und die TLM mit 30 Mitarbeitern wollten die Kaserne zwar vorrangig für Büronutzung erwerben. Die Lebenshilfe aber, die ein fester Bestandteil des Konzeptes sei, könne sehr wohl mit ihren Angeboten den Petersberg beleben.

25 neue Arbeitsplätze für die Bewirtschaftung

Im Zentrum dieser Pläne steht das inklusive Restaurant auf der verglasten Dachetage. "Gerade in den Abend- und Nachtstunden wird es als Attraktion Erfurter und Touristen anziehen", sagte der Chef der Erfurter Lebenshilfe, Uwe Kintscher. Für die Bewirtschaftung der Kaserne, wozu auch die Mitarbeiterkantine gehört, würden bis zu 25 Menschen neu angestellt, darunter bis zu 15 Menschen mit Behinderung.

Die Lebenshilfe würde aber auch einen Großteil ihrer bisherigen Kultur- und Freizeitangebote auf den Petersberg verlagern und verstärkt für die breite Öffentlichkeit anbieten, betonte Kintscher. Dazu gehörten die Lebenshilfe-Disco, die derzeit in einer Kita stattfindet, sowie zahlreiche Bildungskurse, Vorträge oder Sportangebote "für jedermann". Das Theater "Inklusiv" könne in der Kaserne seine dauerhafte Proben- und Spielstätte finden. Die Veranstaltungen sollen in dem nicht vom Restaurant genutzten Teil des Glas-Daches stattfinden, für den Seminarräume mit flexiblen Wänden geplant sind.

Auch die jährlich 10"000 Übernachtungsgäste der von der Lebenshilfe betriebenen Bildungs- und Begegnungsstätte im Luisenpark könnten ihre Veranstaltungen auf dem Petersberg abhalten. Die Parität selbst verspricht zudem Filmabende, öffentliche Veranstaltungen weiterer ihrer rund 70 Mitgliedsorganisationen sowie der TLM.

Die schwierige Erreichbarkeit des Petersberges sieht Lebenshilfe-Chef Uwe Kintscher nicht als Problem. Öffentliche Verkehrsmittel und - im Fall mobilitätseingeschränkter Besucher - spezielle Busse der Lebenshilfe würden den Petersberg anfahren. Zudem plane die Stadt, in Vorbereitung auf die Buga im Jahr 2021 den Petersberg für die Besucher besser zu erschließen.

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