Leinenzwang ohne Folgen

Kyffhäuserkreis  Während die Parkbesucher über unangeleinte Hunde klagen, sehen die meisten Ordnungsämter im Kreis keine Probleme.

Für Hund ist der Botanische Garten in Bad Frankenhausen tabu.

Für Hund ist der Botanische Garten in Bad Frankenhausen tabu.

Foto: Ingolf Gläser

Neulich kam eine Leserin ganz außer Atem in die Sondershäuser Lokalredaktion. Schuld an ihrer Atemlosigkeit waren nicht die Treppenstufen, sondern eine unangenehme Begegnung . Ein Hund, nicht angeleint, kam der Frau in hohem Tempo im Sondershäuser Schlosspark entgegengewetzt. Das Pfeifen seines Herrchens interessierte ihn nicht.

„Diese Szene versetzt einen erst recht in die höheren Pulsfrequenzen mit Angst und Schrecken, wenn man mit Kinderwagen unterwegs ist“, so die Leserin mit dem Kleinkind auf dem Arm. Sie wünscht sich endlich konsequentere Kontrollen des Ordnungsamtes.

Hundebesitzer erkennen die Kontrolleure sofort

„Unsere Mitarbeiter sind auch im Park regelmäßig unterwegs und kontrollieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, sagt Sven Seidel von der Sondershäuser Ordnungsbehörde. Wer mit Hund ohne Leine erwischt werde, hätte bei einem Erstvergehen mit einer Ordnungswidrigkeitsbuße ab 25 Euro zu rechnen.

Seidel gibt aber zu, dass nur zwei Mitarbeiter im Außendienst unterwegs und diese den Hundebesitzern wohl bekannt sind. „Wenn sie gesehen werden, dann sind die Hunde natürlich angeleint“, erklärt Seidel und weist darauf hin, dass die Kollegen auch regelmäßig gemeinsam mit der Polizei auf Ordnungsstreife gehen. Den Hinweis der Leserin, mehr Schilder mit Hinweisen auf die Leinenpflicht anzubringen, hält Seidel nicht für zielführend.

Bei mehreren Besuchen im Park waren in den letzten Tagen nur wenige frei laufende Hunde zu sehen. Ein Mann mittleren Alters durchquert den Park, an seiner Leine führt er einen quirligen Eurasier mit. „Meinen Hund leine ich in Gebieten, wo Menschen sind, immer an, austoben kann er sich auf unserem eigenen Grundstück“, so die Auskunft des Hundebesitzers, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Eine Dame auf einer Parkbank berichtet, dass sie selber einen Spitz besessen und auf die Leinenpflicht in der Stadt stets geachtet habe. „Die Kleinen sind meist angeleint, die Großen laufen frei rum“, so ihre Erfahrung. Sie findet, dass Hunde wegen des großen Tierbestands im Park stets angeleint sein sollten.

Grundsätzlich gibt es in Deutschland beim Thema Leinenzwang kein einheitliches Gesetz, da jedes Bundesland und jede Kommune die Hundeanleinpflicht für sich individuell regeln kann.

In Artern muss das Ordnungsamt aber selten jemand maßregeln, der seinen Vierbeiner auf öffentlichen Straßen und Plätzen der Stadt frei herumlaufen lasse. „Das war mal eine zeitlang ein Problem“, sagt Ordnungsamtsleiterin Antje Große, „aber das ist schon ein paar Jahre her.“

Hundehalter sind halt lernfähig. Auch in den Nachrichten ist nur noch gelegentlich von Hundeattacken auf Menschen zu hören. Und wer will schon die Hand für seinen Vierbeiner ins Feuer legen, wenn er unangeleint neben Herrchen oder Frauchen durch die Stadt spaziert.

Heute komme es nur noch selten vor, dass ein Hundebesitzer sein Tier in der Stadt frei herumlaufen lässt, berichtet Arterns Ordnungsamtsleiterin, die auch nichts von Beschwerden über derartige Vorkommnisse berichten kann. Und werde doch mal einer erwischt, der „Struppi“ von der Leine gelassen habe, werde er von den Außendienstmitarbeitern auf sein Vergehen hingewiesen. „Das hat bisher immer geklappt“, kann sich Antje Große gar nicht erinnern, wann zuletzt mal ein Ordnungsgeld erhoben wurde. Wo ein Hund nicht nur leinen-, sondern auch noch herrenlos umherstreunte, „haben wir ihn auch schon mal ins Tierheim gebracht“, so Große weiter.

„In der Stadt sieht man alle Hunde angeleint“, bestätigt Julia Scharf im Ordnungsamt der Stadt Wiehe, die im Außendienst ein waches Auge auch auf solche Dinge hat. In den Schlosspark komme man nur zu besonderen Anlässen hinein – auch hier hätten Hundehalter keine Möglichkeit, ihren vierbeinigen Freund mal von der Leine zu lassen.

Thekla Lottermoser belässt es in Roßleben zunächst bei einer Verwarnung, sollte ein Hundehalter seinen Vierbeiner in der Stadt nicht an der Leine führen. „Aber sowas kommt nur vereinzelt vor“, sagt die Sachgebietsleiterin im Ordnungsamt der Stadt. Verletzung der Leinenpflicht sei immerhin eine Ordnungswidrigkeit. Diese könne, je nach der Einzelfallentscheidung, mit einem Bußgeld belegt werden.

Wiederholungstäter bekommen Post

Wiederholungstäter bekämen allerdings einen Brief der Ordnungsbehörde zugeschickt, in dem sie zu einem Gespräch vorgeladen würden. Lediglich am Ufer der Unstrut würden gelegentlich freilaufende Hunde beobachtet. Doch hier lasse die Verordnung ein bisschen Spielraum, so lange der Hund auf‘s Wort gehorche und niemand anderen belästige, gibt Thekla Lottermoser zu verstehen.

Ähnlich die Auskunft in der Gemeinde Kyffhäuserland, wo sich nach Einschätzung der Mitarbeiter im Ordnungsamt „der überwiegende Teil der Hundehalter“ jedoch an die Leinenpflicht halte.