Leser fragen - Experten antworten: Darf der Chef das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel verbieten?

Erfurt.  Wichtige Fragen und Antworten rund um den Alltag in Zeiten von Corona. Stellen auch Sie ihre Fragen!

Der Chef darf das fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch in Zeiten von Corona nicht verbieten.

Der Chef darf das fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch in Zeiten von Corona nicht verbieten.

Foto: Sylvia Eigenrauch

Viele Berufstätige kommen nicht um Bus und Bahn herum, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Aber im Berufsverkehr kann die Abstandsregel kaum eingehalten werden. Wir haben Experten ihren Empfehlungen gefragt. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Kann der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel wegen Ansteckungsgefahr verbieten?

Kerstin Lange, Expertin für Arbeits- und Sozialrecht beim Verband der Wirtschaft Thüringen: Nein. Er kann ihn natürlich auf das große Risiko der Ansteckung hinweisen, letztlich ist es aber die persönliche Entscheidung eines jeden Arbeitnehmers. Er trägt das sogenannte Wegerisiko. Das gilt selbst für den Fall, dass wegen allgemein angeordneter Maßnahmen, weil etwa die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mehr oder nur noch seltener fahren, er seinen Arbeitsplatz nicht pünktlich oder gar nicht erreichen kann. Der Arbeitnehmer hat in diesem Fall Fall keinen Anspruch auf Entgelt. Dem Arbeitnehmer ist in diesen Fällen angeraten, sich mit dem Arbeitgeber in Verbindung zu setzen und über die Situation aufzuklären. Er sollte in jedem Fall versuchen, den Arbeitsort zu erreichen.

Infektiologe Rainer Lundershausen aus Erfurt: Wenn möglich, sollten Bus und Bahn gemieden werden. Eine kurze Strecke kann man eventuell auch zu Fuß gehen. Natürlich ist die Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs besonders in ländlichen Regionen notwendig. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollten aber nur bei dringender Notwendigkeit benutzt werden. Die Fahrzeugführer sollten nur so vielen Fahrgästen den Zutritt gewähren, wie die Einhaltung der Abstandsregel es vorgibt.

Antje Hellmann aus dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft: Ohne Nahverkehr können viele Personen, die etwa im Gesundheitswesen, in der Lebensmittelversorgung oder bei der Polizei arbeiten, ihren Arbeitsplatz nicht erreichen. Zudem sind derzeit signifikant weniger Menschen im Nahverkehr unterwegs. Auch in Bus und Bahn gilt das, was immer gilt: Abstand halten, nach dem Kontakt mit Türen und Griffen Hände waschen und möglichst desinfizieren. Die Nahverkehrsunternehmen haben ihrerseits Reinigung und Desinfektion der Fahrzeuge intensiviert.

War es eine richtige Entscheidung, Wochenmärkte nicht zu verbieten? Gerade die älteren Risikopatienten sind dort unterwegs, ohne den nötigen Abstand.

Frank Schenker aus dem Thüringer Gesundheitsministerium: Wochenmärkte sind ein wichtiger Beitrag zur Versorgung. Es ist aber wichtig, dass jede und jeder Einzelne seine Verantwortung erkennt. Abstand halten rettet Leben – so einfach ist das. Deswegen sollten Händler darauf achten, dass die Kunden an ihren Verkaufsständen Abstand halten. Aber auch die Kunden sind in der Pflicht, aufzupassen und voneinander Abstand zu halten.

Infektiologe Rainer Lundershausen aus Erfurt: „Wochenmärkte bergen nicht mehr Risiken als der Supermarkt -- zumal er meist im Freien stattfindet. Voraussetzung in beiden muss ein vernünftiges Handeln sein (Abstandsregel beachten, Hände waschen). Hier sehe ich die meisten Defizite.“

Auch Sie haben Fragen? chefredaktion@thueringer-allgemeinde.de