Sömmerdaer Polizei ermittelt: Busfahrer fordert Schüler auf, Masken abzulegen

Sömmerda.  Ein Busfahrer, der Schüler gefilmt, verängstigt und dazu aufgefordert hat, ihre Masken abzulegen, ist nun ein Fall, mit dem sich die Sömmerdaer Polizei aktuell beschäftigt.

So trage ich den Mundschutz richtig

Masken sind wegen des Coronavirus überall. Aber wie trage ich die Gesichtsmaske? Wir zeigen im Video, wie Atemschutz geht und wie nicht.

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Ein Video, das ein Busfahrer in einem Schulbus auf der Fahrt zwischen Rastenberg und Kölleda gedreht und auf einer Internetplattform hochgeladen hat, hat in den letzten Tagen für Verunsicherung in vielen Elternhäusern gesorgt. Der Fahrer fordert die Schüler auf, ihre Mund-Nase-Bedeckungen abzulegen und somit ein „bundesweites Zeichen“ zu setzen. In der Aufnahme ist zu hören, wie der Mann behauptet, dass das Tragen von Masken eine potenzielle Gefahr für Kinder sei. Er berichtet von zwei Kindern, die durch das Tragen einer Maske gestorben sind. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Liliane Meyer, Schulleiterin des Prof.-Hofmann-Gymnasiums Kölleda, spricht von einem „besonderen Vorkommnis“. Nach der Busfahrt am 29. September waren für sie die Schilderungen ihrer Schüler Anlass, unverzüglich die Polizei zu informieren und Anzeige zu erstatten. „Auch von Eltern gingen zum gleichen Vorfall Anzeigen ein. Kinder hatten sich bedroht und entführt gefühlt. Sie hatten richtig Angst“, informiert Michael Rothe, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Sömmerda, auf Anfrage unserer Zeitung.

Busfahrer erst Anfang September eingestellt

Liliane Meyer hat neben der Polizei auch Kontakt zum Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport aufgenommen. Gemeldet hat sie den Vorfall auch der Verwaltungsgesellschaft (VWG) des ÖPNV Sömmerda. Froh ist sie, dass das Unternehmen sofort reagiert hat. „Wir haben uns von dem Mitarbeiter getrennt. Er hat gegen unsere Vorschriften verstoßen, um sich zu profilieren. Er hat die Kinder in einen Zwiespalt gebracht. Solche komplexen Themen können nicht im Bus diskutiert werden. Dafür sind Busfahrer nicht da“, erklärt Wolfgang Kunz, der Geschäftsführer des Unternehmens. Wie er berichtet, war der Busfahrer erst Anfang September eingestellt worden.

Die Schulleiterin hofft und wünscht sich, dass der Busfahrer zur Rechenschaft gezogen wird. Alle Schüler und deren Eltern hat sie über die Geschehnisse informiert.

Das Video blieb im Internet nicht unbeachtet. Ende vergangener Woche hatte die Dortmunder Polizei vor dem Film gewarnt. Wie es in einer Veröffentlichung heißt, sind Hinweise zu dem Video an Polizeidienststellen in mehreren Städten gegangen. Wie die Dortmunder Beamten und auch Michael Rothe mitteilten, wurde das Video gesichert und die Kriminalpolizei eingeschaltet. Unterdessen hatten mehrere Medien über das Video berichtet.

Fahrgast schlägt auf Busfahrer ein

Beschäftigen musste sich Wolfgang Kunz am Donnerstag mit einem zweiten Fall, der mit der Maskenpflicht in Verbindung steht. Wie er sagt, sind alle Fahrer des Unternehmens dazu verpflichtet, die Maskenpflicht der Fahrgäste beim Einstieg und während der Fahrt zu kontrollieren. Aufgefordert wurde deshalb am Donnerstag gegen 6.15 Uhr am Sömmerdaer Busbahnhof ein Fahrgast, die Maske zu tragen. Nach dem Bezahlen habe dieser einen Schutz angelegt, ihn aber kurze Zeit später wieder abgenommen. Der Fahrer habe erneut auf die Regel aufmerksam gemacht. Daraufhin sei der Fahrgast nach vorn zum Fahrer gekommen, habe einen Disput angefangen und auf den Fahrer eingeschlagen. Dieser sei so stark verletzt worden, dass ein Krankenwagen kommen und der Fahrer wenig später ins Krankenhaus gebracht werden musste. Der Fahrgast sei aus dem Bus geflüchtet und gilt derzeit noch als unbekannt.

Informationen zu seiner Person erhofft sich Wolfgang Kunz aus Videomaterial, das der Polizei zur Sichtung übergeben wurde. Hoffnung hat die VWG, entstandene Kosten - neben einer 40-minütigen Verspätung mussten ein neuer Fahrer und ein neuer Bus beschafft werden - ersetzt zu bekommen. Außerdem können Fahrgäste noch Forderungen geltend machen, die aufgrund der Verspätung durch verpasste Anschlüsse entstanden sind, sagt Kunz.

Fahrer sind täglich Beschimpfungen ausgesetzt

Der Geschäftsführer spricht in der Schwere des Vorkommnisses von einem Einzelfall. Jedoch seien die Fahrer täglich Beschimpfungen ausgesetzt, die mit der Maskenpflicht in Bussen zu tun hätten. Eine Ausnahme für die Maskenpflicht gibt es nur, wenn ein Fahrgast aus gesundheitlichen Gründen keinen Mund-Nase-Schutz tragen kann. „In diesem Fall muss ein Attest vorgelegt werden. Dann wird eine Attestkarte ausgestellt. Das ist vollkommen unproblematisch“, erklärt der Geschäftsführer.

Landrat Harald Henning verurteilt den Angriff auf den Busfahrer. „Den mangelnden Respekt und die zunehmende Gewalt gegen Busfahrer, Zugbegleiter und Polizisten, aber auch gegen Feuerwehrleute und Rettungskräfte dürfen wir nicht akzeptieren. Ihre Arbeit dient unserem Schutz. Wer sie angreift, attackiert uns alle!“ Das Verhalten der Maskenverweigerer habe seiner Meinung nach nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.

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