Mehr als 100 Jahre Stotternheim

Stotternheim  Eröffnung am Sonntag: Verein hat unter dem Dach der Ortschaftsverwaltung viel Platz für ein Heimatmuseum

Ein Bauernhof gehörte einst in jedes Kinderzimmer, können sich Joachim Nolze und Kurt Götze noch an ihre eigene Kindheit erinnern. Meist spielten mehrere Generationen damit – die Kinder lernten so schon früh, wie sich ihr künftiges Berufsleben gestalten würde.

Ein Bauernhof gehörte einst in jedes Kinderzimmer, können sich Joachim Nolze und Kurt Götze noch an ihre eigene Kindheit erinnern. Meist spielten mehrere Generationen damit – die Kinder lernten so schon früh, wie sich ihr künftiges Berufsleben gestalten würde.

Foto: Hartmut Schwarz

Wenn der Tag des offenen Denkmals vor der Tür steht, sind die Stotternheimer seit einiger Zeit immer mit dabei, finden sie immer einen Grund, um an diesem Tag auch einmal vor die Tore der Stadt zu fahren. Vor einem Jahr war es Luther, der sich mit seinem Stein in die Chronik des Ortes zementierte, davor war es der geheimnisvolle Felsenkeller – in diesem Jahr wird zu einer Neueröffnung eingeladen. Was seit Wochen im Ort gemunkelt wurde stimmt, aus dem bisherigen Lager des Heimat-, Gewerbe- und Geschichtsvereins wurde ein Heimatmuseum.

Noch bevor aus der ehemaligen Schule das Stotternheimer Rathaus wurde, dienten die Räume unter den Dach als Lagerplatz – bis zur Gebietsreform für die Akten der Gemeinde. Nachdem diese im Fundus der Landeshauptstadt einsortiert wurden, wurden sie vom Stotternheimer Heimatverein als Ar- chivraum genutzt. Und dieser wird jetzt Schritt für Schritt sortiert, für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht.

Noch soll es bei Heimatstube bleiben, zeigt sich Vereinsmitglied Kurt Götze bescheiden. Denn das Museum ist noch im Aufbau. Die Exponate füllen momentan nur ein Zimmer, in dem sich u.a, an Haushaltsgegenstände und Spielzeug aus den Kindertagen erinnert werden kann. Bis zu 100 Jahre haben einige der Gegenstände bereits überlebt – der Großteil davon stammt aus der Sammlung von Joachim Nolze , der es nicht übers Herz brachte, die Spielzeuge seiner Kinder oder andere einst liebgewonnene Dinge zu entsorgen. Zum Glück! Denn wenn das Museum am Sonntag eröffnet wird, werden mit Sicherheit wieder viele in ihre Kindheit versetzt, in Zeiten, in der noch eine kupferne Wärmeflasche unter die Bettdecke geschoben wurde, in denen noch mit Blechspielzeug gespielt wurde.

Wetterfahne ist das größte Exponat

Größtes Exponat der kleinen Ausstellung ist die Wetterfahne des Kirchturmes, der 2002 einem Sturm zum Opfer fiel und kopfüber ins Kirchenschiff krachte. Dieses Ereignis wurde zudem noch mit zahlreichen Fotos dokumentiert, wie auch andere Begebenheiten der Stotternheimer Ortsgeschichte: Felsenkeller, Saline, Freibad, Partnergemeinde,... Das Gästebuch ist längst nicht mehr jungfräulich. Es gab bereits einige Vorbesichtigungen, auch von Vertretern der Partnergemeine Gau-Algesheim.

Nur eine kleine Ecke ist es bisher, die sich mit der Landwirtschaft beschäftigt, auch nur eine Vitrine mit dem Solebergbau. Das Potenzial Geschichte zu schreiben sei in Stotternheim hoch. Deswegen will Kurz Götze die „Heimatstube“ lediglich als Initialzündung verstanden wissen, als Anreiz der Stotternheimer gemeinsam für die kommenden Generationen ein Stück ihrer Geschichte zu bewahren. Im Verein ist man sich sicher (und hofft es), dass nach dem Tag des offenen Denkmals weitere für den Ort typische Exponate „hereingereicht“ werden. In naher Zukunft schon soll zu thematischen Ausstellungen eingeladen werden. Die Räumlichkeiten bieten sich dafür regelrecht an. Vorerst wird erst einmal Appetit gemacht.

Von 11 bis 17 Uhr kann das kleine Museum am Sonntag besichtigt werden, Vereinsmitglieder stehen Rede und Antwort. Außerdem wird ab 11 Uhr zu Führungen durch die historischen Grabmale hinter der Kirche St. Peter und Paul eingeladen. Einmalig gibt es 11 Uhr auch eine Führung ins Innere der Orgel.