Mountainbiker kritisieren massiv Äußerungen aus dem Ausschuss

Ilmenau  Ilmenauer Freizeitsportler wehren sich gegen Versuche „Feindbilder aufzubauen“. Konzeption für Lindenberg hinterfragt

Unter anderem mit den Möglichkeiten zum Mountainbikefahren wirbt die Technische Universität für ein Studium in Ilmenau.Foto: TU Ilmenau

Unter anderem mit den Möglichkeiten zum Mountainbikefahren wirbt die Technische Universität für ein Studium in Ilmenau.Foto: TU Ilmenau

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Auf Empörung sind in Teilen der Ilmenauer Mountainbikeszene Äußerungen aus dem Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsausschuss in dieser Woche gestoßen. In der Sitzung wurde von elf illegal angelegten Abfahrten im Stadtwald gesprochen – und von einem Reh, das schlafend auf dem Weg lag und dabei von einem Radfahrer getötet worden sein soll.

Um ein Gespräch baten unsere Zeitung am Donnerstag nicht in Vereinen organisierte Mountainbikefahrer, um ihre Sicht auf die Dinge darzulegen. Vieles von dem, was da im Ausschuss erzählt wurde, sei „völlig absurd und an den Haaren herbei gezogen“, ärgerten sich die Freizeitfahrer. „Ich weiß nicht, warum auf einmal so ein Feindbild aufgebaut wird“, sagte Frank Hedwig als Sprecher der Gruppe.

Die einzige Strecke, die in Ilmenau künstlich angelegt wurde, sei die Downhillabfahrt am Lindenberg. Wie im Ausschuss die Zahl von insgesamt elf „wilden Abfahrten“ zustande kam, könne er sich nicht erklären. Womöglich sind damit die seit Mitte der 1990er-Jahre von Kindern und Jugendlichen befahrenen Trampelpfade unterhalb des Berggrabenwegs gemeint, schätzten die Radfahrer ein.

Anstatt froh darüber zu sein, dass sich junge Leute sportlich in der Natur bewegen, wolle die Stadtverwaltung nun mit dem Aushängen von Verboten arbeiten, kritisierten die Mountainbiker. „Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, meinte Frank Hedwig. Dass die Verbote im Verkehrsausschuss damit begründet wurden, dass für den Lindenberg an einem Mountainbike-Konzept gearbeitet werde, ist für die Hobbyfahrer kein wirkliches Argument.

Zum einen fragen sich die Freizeitsportler, warum in Ilmenau ein gutes Jahrzehnt später als in anderen Regionen Deutschlands das Thema erkannt wurde – zum anderen gibt es Zweifel daran, dass ein solches Konzept überhaupt zeitnah zu erwarten ist. Denn nach der Verbotsdebatte im Ausschuss hat bereits der Ilmenauer Radsportclub als wichtigster Partner der Stadt auf diesem Gebiet angekündigt, die Zusammenarbeit „neu zu bewerten“ – gleichzeitig aber auch weiterhin eine Dialogbereitschaft angekündigt (wir berichteten am 26. April).

Keine Diskussion zu zerfahrenen Waldwegen

Aus Sicht der Mountainbiker ist die Umgebung von Ilmenau wie geschaffen für den Freizeitsport. Das habe übrigens auch die Technische Universität (TU) längst erkannt, zog beim gestrigen Gespräch ein Teilnehmer eine Karte aus der Tasche: Unter der Überschrift „Studieren mit besten Aussichten“ bewirbt die Bildungseinrichtung die Vorzüge der Ilmenauer Natur – mit einem Radfahrer mitten im Wald.

Für Studenten seien die Möglichkeiten zum Mountainbikefahren sicher nicht das entscheidende Kriterium bei der Auswahl des Studienorts, räumte Frank Hedwig ein – sie seien aber ebenso ein Mosaikstein wie etwa die Eishalle. Seiner Einschätzung nach besteht die nicht organisierte Mountainbikeszene in Ilmenau aus 200 bis 300 Personen. Hinzu kommen Radfahrer aus dem Umland. Von ihnen würden nicht zuletzt auch die Berggasthäuser profitieren.

„Aus meiner Sicht wird hier mit zweierlei Maß gemessen“, fand Hedwig. Während der Forst mit schweren Maschinen im Wald unterwegs ist, entzünde sich die Debatte nun an Radfahrern im Wald. Dass hingegen der bei Rücke-Arbeiten zerfahrene Weg bei Manebach im vergangenen Jahr keine ihm bekannte Diskussion in den öffentlichen Ausschüssen der Stadt hervorrief, ist für ihn bezeichnend.

Den mutmaßlichen Vorfall mit dem überfahrenen Reh fanden die Teilnehmer des Gesprächs wenig glaubhaft. „Wenn solche massiven Anschuldigungen in der Öffentlichkeit geäußert werden, sollten dann aber auch Beweise vorgelegt werden“, meinte Frank Hedwig.

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