Museumsobjekte in Sömmerda mit einer Geschichte verbinden

Sömmerda.  Hans-Diether Dörfler möchte die Sömmerdaer Schätze stärker ins Bewusstsein rücken und die Sammlungen digital öffnen.

Der neue Leiter des Historisch-Technischen Museums Hans-Diether Dörfler macht sich mit den Exponaten im Dreyse-Haus in Sömmerda vertraut. In seinen Händen hält er eine Rheinmetall-Reiseschreibmaschine.

Der neue Leiter des Historisch-Technischen Museums Hans-Diether Dörfler macht sich mit den Exponaten im Dreyse-Haus in Sömmerda vertraut. In seinen Händen hält er eine Rheinmetall-Reiseschreibmaschine.

Foto: Jens König

Im Historisch-Technischen Museum und im Stadtarchiv Sömmerda lagern wahre Schätze, ist Hans-Diether Dörfler überzeugt. Seit 17. August hat sich der neue Sachgebietsleiter Historisch-Technisches Museum/Stadtarchiv alle Einrichtungen angesehen, hat mit den Mitarbeitern gesprochen, sich einen ersten Überblick verschafft.

Für ihre Größe habe die Kreisstadt mit dem Museum tatsächlich ein Juwel, ein Glanzstück. Das sei vielen gar nicht bewusst. Deshalb ist es eines der Anliegen von Hans-Diether Dörfler, das Bewusstsein in der Bürgerschaft dafür zu stärken, was man in Sömmerda hat. Er wolle dafür sorgen, dass die Institutionen noch besser für die Öffentlichkeit zugänglich werden, die Sammlungen zum Beispiel für digitale Recherchen offen stehen.

Es gebe so viele tolle Objekte im Museum und im Schaudepot, doch deren Präsentation sei ganz stark auf die Technik, auf die Funktionen abgestellt, schätzt Hans-Diether Dörfler ein. Das sei eher die Museumsschule der 80er-Jahre.

Man erreiche Besucher viel stärker dadurch, dass sie die Objekte mit einer individuellen Geschichte verbinden. Diese will der neue Museumsleiter für die Schaustücke herausarbeiten. So habe er zum Beispiel auf einem Computer einen Antitreuhand-Aufkleber entdeckt.

Das sei ein tolles Zeitdokument von 1989/90, und als solches müsse es auch mit einer erzählbaren Geschichte dargestellt werden.

Museum und Archiv sieht der 49-Jährige dabei als eine Einheit. Beides seien Formen der Gedenkkultur und Erinnerung, die dingliche und die schriftliche.

Die „sensationelle Chance“, in beiden Formen zu arbeiten, sei einer der Gründe für ihn gewesen, sich für die Stelle in Sömmerda zu bewerben. Die ausgeprägte Ausrichtung auf Industriekultur und -geschichte habe zudem exakt zu seiner Ausbildung gepasst.

Hans-Diether Dörfler wurde in Kulmbach geboren und ist im fränkischen Bayreuth aufgewachsen. Er ist Historiker, studierte Landesgeschichte, Sprachwissenschaft und Didaktik der Geschichte.

Nach seiner Promotion über Straßennamen absolvierte er zwei weitere Ausbildungen, als Museologe und als Wirtschaftsarchivar. Er durchlief ein Volontariat im Haus der Geschichte Bonn, war Projektmitarbeiter bei verschiedenen Ausstellungen.

Für ein Unternehmen in Erlangen baute er Archive für Wirtschaftsunternehmen auf, so beim Herrenausstatter Hirmer in München, beim Automobilzulieferer Brose in Coburg und beim Schreibwarenhersteller Staedtler Mars in Nürnberg.

Bis vor wenigen Wochen pendelte Hans-Diether Dörfler nach Erlangen, seine Familie (er ist verheiratet und hat drei Kinder) wohnt seit 2006 in Weimar.

Immer schon sei es sein Wunsch gewesen, im Kommunalbereich zu arbeiten, in einem Stadtmuseum oder einem Stadtarchiv, erzählt der 49-Jährige.

In den letzten 12 Jahren seines Wirkens in den Unternehmen habe ihm die regionale Bindung, die Nähe vor Ort und zu den Menschen gefehlt, die Unmittelbarkeit der Tätigkeit. Das sei nun in Sömmerda anders. Und die Strahlkraft der Stadtgeschichte habe ihn angezogen. Sie reiche mit Dreyse und Rheinmetall/Robotron weit über Sömmerda hinaus.

Auf die neuen Aufgaben gehe er sehr offen zu, sagt Hans-Diether Dörfler. Erwartungen würden ihn nur einschränken. Er will vielmehr weiter erkunden, welche Rolle Museum und Archiv in der Wahrnehmung der Bürger und der Verwaltung spielt, will die Verknüpfung zur Stadtgeschichte verstärken, auch bei den Kommunalpolitikern.

Dabei müsse es durchaus erlaubt sein, nutzenorientierter und funktionaler zu denken und nicht nur zu dokumentieren, sondern Gegenwart und Zukunft aktiv zu gestalten. Zum Beispiel Prozesse und Veranstaltungen in der Stadt wie den Bauernmarkt mit einem begleitenden Programm zu unterstützen.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.