Nabu schlägt in Dachwig Alarm: plötzlich abgeholzt

Dachwig  Nach Baumfäll-Aktion auf der Insel des Speicher Dachwig schlägt der Nabu Alarm und prüft rechtliche Schritte

Über Jahrzehnte war die kleine Insel mitten im Speicher Dachwig, ein Hingucker – und ein bevorzugter Ort für die Vogelrast. Sie verlieh dem Gewässer ein ganz besonderes Flair und war ein beliebtes Fotomotiv.

Über Jahrzehnte war die kleine Insel mitten im Speicher Dachwig, ein Hingucker – und ein bevorzugter Ort für die Vogelrast. Sie verlieh dem Gewässer ein ganz besonderes Flair und war ein beliebtes Fotomotiv.

Foto: Hartmut Schwarz

„Der Speicher Dachwig wird zum Buga-Projekt!“, vergleicht Tino Sauer die kleine Insel im Speicher von Dachwig mit den großen Landschaftsgestaltungen in der Landeshauptstadt. Seit vergangener Woche teilt die Vogelinsel das gleiche Schicksal wie viele Baumflächen in Erfurt, bedauert der Leiter der Nabu-Ortsgruppe Großfahner: Sie sind komplett abgeholzt worden.

Dafür sorgte offenbar ein motorsägender Angler-Arbeitstrupp. Innerhalb von zwei Tagen legte man alle Bäume um. Die Fällung erfolgte mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Gotha. Allerdings informierte man vor den Arbeiten weder die Thüringer Fernwasserversorgung als Eigentümer, noch den Nabu Großfahner als Vogelschutzgebietsbetreuer, noch die Gemeinde Großfahner und auch nicht den Naturschutzbeauftragten der Verwaltungsgemeinschaft.

Tino Sauer ist sauer – er erinnert sich: Bei der Anlage der Talsperre wurden zwischen 1976/77 auch Baumpflanzungen auf der damals einzigen Insel durch die Mühlhäuser Landschaftsbauer umgesetzt. Diese Bäume wuchsen und gediehen die letzten 40 Jahre auf der aus ästhetischen Gründen im Speicher aufgeschobenen Insel und entwickelten sich zu einem dichten Wäldchen. Ahorn, Eschen und andere Gehölze boten vor allem den Zugvögeln Schutz. In allen bisherigen Konzepten und Vorhaben zum Speicher Dachwig gab es nie eine Option, dass ausgerechnet diese Gehölze auf der Insel zu fällen sind, erklärt Sauer.

Umso mehr ist der Nabu Großfahner verwundert, weshalb nun diese winterliche Hauruck-Aktion stattfand. Von Seiten des Landratsamtes Gotha gab es bisher keine Erklärungen, hier erwarten die Naturschützer vom Landrat als Leiter der Unteren Naturschutzbehörde zeitnah ein umfassendes Statement und Einblick in die Begründung für diese Aktion.

Auch prüft der Nabu rechtliche Schritte, da mit der Fällung eine Verschlechterung des Kernbereiches im EU-Vogelschutzgebiet Nr. 16, eingetreten ist. Aktuell gibt es für den Nabu Großfahner nur eine Erklärung, weshalb die Angler diese unsinnige Aktion durchgezogen haben: Konnten sie den Anblick der sich dort in den Bäumen trocknenden Kormorane nicht länger ertragen? Die Insel liegt außerhalb des Anglergewässers, erklärt der Nabu, und müsste deswegen auch außerhalb ihres Einflusses liegen. Die Insel war bisher der natürliche Ruhe- und Schutzbereich von bis zu 200 Kormoranen. Von dort aus jagten sie nicht nur Fische im Speicher, sondern auch an Unstrut und Gera. Die Vertreibung dort ruhender Gänse und Enten nahm man in Kauf, Hauptsache die Fischräuber sind weg! Mit dieser Aktion haben die dafür Verantwortlichen auch gezeigt, dass man als in Thüringen anerkannter Naturschutzverband durchaus mit der Motorsäge ungeliebte Vogelarten vertreiben kann.

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