Nach AfD-Kundgebung in Jena: Linke-Abgeordnete und Journalist stellen Anzeige

Jena  Nach den Attacken gegen einen Journalisten, einen Polizisten und eine Linke-Abgeordnete am Rande der AfD-Kundgebung in Jena wurden Anzeigen erstattet, darunter zwei wegen Körperverletzung.

12.09.2017 Die Polizei sichert mit einem Großaufgebot die AfD-Kundgebung in Jena.

12.09.2017 Die Polizei sichert mit einem Großaufgebot die AfD-Kundgebung in Jena.

Foto: Thorsten Büker

Die AfD-Kundgebung auf dem Jenaer Holzmarkt sorgt am Tag danach für Gesprächsstoff.

Zunächst steht im Fokus: der Thüringer Spitzenkandidat Stephan Brandner. Der hatte eine Schimpf- und Wuttirade abgelassen, wie es in der jungen Parteihistorie wohl nicht so oft vorgekommen ist. Und mit der Forderung, einen Polizeihubschrauber abzuschießen, weil dieser so viel Krach mache den Bogen überspannt – und das wohl selbst erkannt. In Parteikreisen ist er dafür schon am Veranstaltungsabend kritisiert worden.

Eigentlich hebt die AfD stets die gute Arbeit der Polizeibeamten hervor. Viel Arbeit indes kam, verglichen mit anderen Demos in Jena, auf sie diesmal nicht zu. Vereinzelte Personenfeststellungen, Ordnungswidrigkeiten gab es – aber eben Anzeigen wegen Körperverletzung. Derer zwei gab es nach Attacken gegen Personen, die in Jena zwangsweise ihre Arbeit machen mussten: ein Polizist und ein Journalist.

Ein Versammlungsteilnehmer aus den Reihen der etwa 1000 Gegendemonstranten fügte einem Polizeibeamten eine Prellung im Gesicht zu. Anzeige.

Zwei Teilnehmer bei der AfD-Veranstaltung gingen gegen einen Reporter des Internetportals Thüringen24 vor. Jan-Henrik Wiebe, der betroffene Kollege, erklärte gegenüber dieser Zeitung, er werde beide wegen Körperverletzung anzeigen.

Zudem hat die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König Anzeige gestellt – wegen versuchten Raubes, Beleidigung und Nötigung. Ein Teilnehmer soll versucht haben, unter Gewalt ihr das Handy zu entwenden und sie beleidigt haben.

In der AfD gab es unterschiedliche Reaktionen auf den Vorfall. Während die Landtagsabgeordnete Wiebke Muhsal ihn verurteilte, schrieb der Landessprecher der Partei, Stefan Möller, auf seiner Facebook-Seite als Reaktion auf den Angriff, dass es sich bei dem Journalisten um einen „AfD-Hasser“ handele.

Gestern dann folgte die Distanzierung des Landesvorstandes, an der auch Möller mitgearbeitet haben soll, wie unsere Zeitung erfuhr. Darin heißt es: „Die AfD Thüringen möchte unmissverständlich klarstellen, dass sie jede Form der Gewalt – insbesondere gegen Journalisten, die unsere Veranstaltungen in Ausübung ihres Berufs begleiten – verurteilt.“

Parteisprecher Torben Braga verweist aber auch darauf, dass in der Vergangenheit „die Pressefreiheit von einzelnen Personen missbraucht wurde“. Porträt-Bildaufnahmen einzelner Teilnehmer seien auf linksextremen Plattformen erschienen und würden politisch motivierte Gewalt gegen AfD-Anhänger erst ermöglichen. Er sagt aber auch: „Dennoch sind auch vor diesem Hintergrund, Überreaktionen einzelner Versammlungsteilnehmer nicht zu rechtfertigen und werden vom Landesvorstand bedauert.“

Zum Kommentar: Was muss erst passieren?

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