Nachbarschaftsstreit mit Asylbewerberheim in Ohrdruf: Warten auf Vermittlungsgespräch

Ohrdruf  Eine Familie aus Ohrdruf beklagt ein Versagen der Behörden und erstattet Anzeige.

Eine Videokamera ist zwischen Asylbewerberheim und Grundstück der Familie Hanf installiert. Hanfs fordern einen Zaun auch im hinteren Gelände und den vor Eröffnung des Heims geforderten Sichtschutz ihrer Fenster.

Eine Videokamera ist zwischen Asylbewerberheim und Grundstück der Familie Hanf installiert. Hanfs fordern einen Zaun auch im hinteren Gelände und den vor Eröffnung des Heims geforderten Sichtschutz ihrer Fenster.

Foto: Wieland Fischer

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Marina und Jochen Hanf sind verzweifelt und verärgert zugleich. Seit dem Runden Tisch zum Nachbarschaftsstreit zwischen Asylbewerberheim und ihnen am 14. Juni habe sich nichts bewegt. Weder das damals zugesagte Mediationsgespräch kam bis dato zustande, noch der Bau eines durchgängigen Zauns zwischen beiden Grundstücken. Hanfs beklagen Versagen der Behörden.

Im Zuge des Flüchtlingswelle 2015 hatte der Landkreis das ehemalige Heim der Lehrlinge der Berufsschule für Orthopädie-Schuhmacher als Unterkunft für Asylbewerber von der Stadt Ohrdruf gepachtet. Derzeit sind dort etwa 85 Flüchtlinge untergebracht. Mit deren Betreuung ist ein Bremer Unternehmen betraut. Nebenan wohnt Familie Hanf seit Generationen in einer Villa. In diesem Frühjahr war es zu mehreren Übergriffen gekommen (wir berichteten, Ausgabe 9. Juni). Hanfs fühlen sich weiterhin von zwei Heimbewohnern bedroht.

Hoffnung ruht auf Mediation

Beim Runden Tisch habe es unterschiedliche Aussagen beider Konfliktparteien gegeben, berichtet Adrian Weber, Sprecher des Landratsamts. Kreisbeigeordneter Thomas Fröhlich (CDU) hatte an dem Gespräch teilgenommen. Es sei eine Mediation vorgeschlagen worden, um zu einem Miteinander zu finden. Dem sei „die Beschwerde führende Seite“, sprich Hanfs, durchaus zugeneigt. Aus Sicht der Kreisbehörde führe aber die eine oder andere Forderung zu weit, wenn es etwa um nachbarschaftlichen Einfluss auf die Hausordnung im Heim gehe.

Das sollte an Ort und Stelle geklärt werden. Wichtig sei, dass man im Gespräch bleibe. Weber: „Wir setzen erst einmal Hoffnung in die Mediation.“ Ohrdrufs Hauptamtsleiter Hans-Joachim Kunath hatte sich bereit erklärt, die Rolle des Mediators zu übernehmen. Es gehe jetzt noch um eine Terminabstimmung dazu, sagt Weber.

„Wir warten dazu auf eine offizielle Beauftragung von Seiten des Landratsamts“, sagt Ohrdrufs neuer Bürgermeister Stefan Schambach (SPD), seit 1. Juli im Amt. Er halte die Mediation für ein geeignetes Mittel, um den Konflikt beizulegen. Er selbst wolle zeitnah das Gespräch mit beiden Seiten suchen.

Mehrere Strafanzeigen gegen Familie

Hanfs haben mittlerweile erfahren, dass gegen sie eine ganze Reihe von Strafanzeigen erstattet wurde. Sie haben inzwischen selbst Anzeige erstattet gegen alle Personen, die „uns mit ihren Strafanzeigen verleumdet haben könnten oder übel nachreden.“ Sie sehen sich zu unrecht in die rechte Ecke gedrängt. Marina Hanf ist seit zehn Jahren Schatzmeisterin eines Vereins, der sich für bosnische Kriegsopfer einsetzt. Die Eheleute bringen sich im Sozialladen „Manna Manna“ in Ohrdruf ein, der sich auch um die Versorgung von Flüchtlingen kümmert.

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