Neue Hoffnung für Kalisalzabbau in Roßleben

Kyffhäuserkreis  Geld von der Börse als Startkapital : Angelsächsisches Modell einer „Junior Mining Company“ könnte die Hoffnung auf Kalisalzabbau im Kyffhäuserkreis steigern.

Heiner Marx ist der Vorstandsvorsitzende der K-UTEC Salt Technologies mit Sitz in Sondershausen.

Heiner Marx ist der Vorstandsvorsitzende der K-UTEC Salt Technologies mit Sitz in Sondershausen.

Foto: Patrick Weisheit

Die Geschichte Nordthüringens ist im 20. Jahrhundert untrennbar mit dem Kalisalz-Bergbau verbunden. Größere Bergbaugebiete gab es im Kyffhäuserkreis in der Region Sondershausen und in der Region Roßleben. Während es in Sondershausen neben dem touristischen Schaubergwerk noch immer etwas Kalisalz-Bergbau gibt, ist die Industrie in der Region Roßleben kurz nach der politischen Wende 1990 vollständig zum Erliegen gekommen.

Gerade in Roßleben und Umgebung flammte in den vergangenen Jahren immer mal wieder die Hoffnung auf, dass etwas passieren könnte und der Bergbau in ein paar Jahren wieder aufgenommen werden könnte. Als Zünglein an der Waage galt zuletzt ein australisches Entwicklungsbüro. Auf diesem liegen die Hoffungen einer ganzen Region auf Hunderte Primär- und Sekundärarbeitsplätze aufgrund eines neuerlichen Bergbaus. Aber wer ist dieses australische Unternehmen? Und wie ist es auf die Bergbauregion Roßleben aufmerksam geworden?

Unsere Zeitung hat nachgefragt – bei Heiner Marx, dem Vorstandsvorsitzenden der K-UTEC Salt Technologies, einem Dienstleister der Kali-Industrie mit Sitz in Sondershausen.

Bei dem australischen Unternehmen handelt es sich um „Davenport Ressources“. Dieses unterhält ein deutsches Tochterunternehmen namens „East Exploration“ mit Sitz in München. „Auf unsere Region sind sie aufmerksam geworden wegen der Lagerstätten bei Mühlhausen-Keula-Küllstedt, Ebeleben, Nohra-Elende und dem Ohmgebirge. Wir haben sie dann darauf hingewiesen, dass es auch in der Region Roßleben Kalisalz-Vorkommen gibt, woraufhin sie sich auch dies angeschaut und für interessant befunden haben“, berichtet Heiner Marx.

Der Hintergrund dessen sei, dass die Kalisalz-Vorkommen in Südthüringen, mit denen vor allem Düngemittel hergestellt werden, vermutlich etwa im Jahr 2030 erschöpft sein werden.

Verantwortlich für den Abbau zeichnet sich die K+S AG, die ein börsennotiertes deutsches Bergbauunternehmen mit den Schwerpunkten Kali- und Salzförderung ist. „K+S ist noch immer mit einem großen Bergbauprojekt in Kanada beschäftigt und hat dafür immense Kredite aufgenommen. Bis dieses kanadische Projekt nicht abgeschlossen ist, stehen die Chancen schlecht, dass K+S Kredite für weitere Vorhaben auf nehmen kann“, erklärt Marx.

Hier kommt „Davenport Ressources“ ins Spiel. Die Firma hat bereits die Bergbaurechte für die Kalisalz-Vorkommen im Bereich Küllstedt-Ebeleben erworben. Aus diesem Grund hat K-UTEC zusammen mit Davenport und K+S Gespräche über die Gründung einer „Junior Mining Company“ geführt.

„Das Prinzip einer Junior Mining Company ist im deutschen Sprachraum noch ziemlich unbekannt, im angelsächsischen Sprachraum aber schon seit Jahrhunderten gang und gäbe“, sagt Marx.

Eine „Junior Mining Company“ geht mit ihrer Idee, im konkreten Falle mit dem Kali-Bergbau im Kyffhäuserkreis, an die Börse und sammelt Geld von Investoren ein. Dabei kommen schnell mehrere Hundert Millionen Euro zusammen.

Dieses Geld wird dann dafür verwendet, das Projekt zu entwickeln. Wenn dies geschehen ist, verkauft die „Junior Mining Company“ das fertige Projekt, in dem dann auch sämtliche Genehmigungen eingeholt sind, zum Beispiel an K+S, die dieses dann realisiert, also den Bergbau aufnimmt. Ähnlich hat K+S auch das Legacy-Projekt zum Abbau von Kalisalzen in Kanada umsetzen können.

„Die Grundstücke, auf denen Bergbau in Roßleben stattfinden könnte, gehören noch der staatlichen Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die den Verkauf dieser Flächen erst einmal ausschreiben müsste“, erklärt Marx. Die LMBV warte nun darauf, ob „Davenport Ressources“ das notwendige Geld auftreiben kann. „Meines Wissens nach soll es zwischen Davenport und der LMBV noch im April weitere Gespräche zum Thema geben“, schildert Marx.

Er hoffe sehr, dass das Modell der „Junior Mining Company“ erfolgreich sein werde und die LMBV überzeugt. „Es wäre ein enormer Schub für die gesamte Region“, meint Marx. Insgesamt spiel der Bergbau in Nordthüringen derzeit eine gute Rolle, diese könne aber noch deutlich vergrößert werden. Auch für die Facharbeiter, die in den kommenden Jahren ihren Arbeitsplatz im Braunkohlebau verlieren, sieht Marx gute Chancen: „Es sind Bergmänner, sie müssten sich allerdings vom Tagebau an den Untertagebau gewöhnen. Ob allerdings Tausende Fachkräfte dann aus der Region Leipzig wegen des Jobs nach Nordthüringen ziehen, hängt natürlich auch von weiteren Rahmenbedingungen ab, für die dann die Städte, Gemeinden und Landkreise sorgen müssen“, so Marx.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.