Neue Picknickhütte am Radweg Wahlhausen-Lindewerra

Wahlhausen  Mit seinem Traktor der Marke Fendt, Baujahr 1960, chauffierte am Dienstag Wahlhausens Ortschronist Horst Zbierski Bürgermeisterin Gabriele Stellknecht und ihren Stellvertreter Günter Seiler, den CDU-Landtagsabgeordneten Gerold Wucherpfennig und dessen Praktikantin Christiane Rittmeier aus Steinbach sowie den Autor dieser Zeilen rund einen Kilometer auf dem neuen Radweg in Richtung Lindewerra.

Ein stürmischer Regenschauer ging am Dienstag nieder, als Horst Zbierski, unterstützt vom Landtagsabgeordneten Gerold Wucherpfennig, gerade das Namensschild an der Werra-Hütte Wahlhausen am Radweg Wahlhausen-Lindewerra. Foto: Jürgen Backhaus

Ein stürmischer Regenschauer ging am Dienstag nieder, als Horst Zbierski, unterstützt vom Landtagsabgeordneten Gerold Wucherpfennig, gerade das Namensschild an der Werra-Hütte Wahlhausen am Radweg Wahlhausen-Lindewerra. Foto: Jürgen Backhaus

Foto: zgt

Zbierski hatte zwei Gartenbänke auf seinen Hänger gestellt – und die Bürgermeisterin eine komplette Picknickausrüstung. So musste nur ein einziges Fahrzeug den Radweg befahren, der ja für Kraftfahrzeuge gesperrt ist.

Das Ziel war die gerade fertig gewordene Schutz- und Picknickhütte, die nun mit einem Schild ihren Namen „Werra-Hütte Wahlhausen“ erhalten und offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden sollte. Auf ihren Fahrrädern waren Gabriele Stallknechts Enkel Lena und Marvin gefolgt, und bei der Hütte warteten bereits die Radlersenioren Kurt Becker und Klaus Stadolka.

Als Horst Zbierski gerade die Leiter angestellt hatte, um das Schild außen anzubringen, wobei Wucherpfennig innen die Muttern festhielt, ging ein starker Regenguss nieder. Aber Zbierski hielt durch – und wurde als einziger richtig nass. Alle anderen waren bereits in die schmucke grün-weiße Hütte geflüchtet. Sie konnten sich davon überzeugen, dass für Regen von Südwest die beiden Fenster genau richtig platziert sind.

Der Eingang und die Seite in Richtung Lindewerra wurden nämlich offen gelassen. „Wir wünschen uns, dass die Hütte gut angenommen wird und so schön bleibt, wie sie ist“, hatte die Bürgermeisterin vor dem Regenguss gerade noch sagen können. Aber nach einer halben Stunde regnete es nicht mehr, sodass das Gruppenbild nachgeholt werden konnte.

Im März dieses Jahres, gleich nach der Eröffnung des Radweges, der zumeist auf dem Kolonnenweg der einstigen Grenze entlang der Werra verläuft, hatte Zbierski die Idee, eine Hütte zum Schutz bei schlechtem Wetter und zum Rasten für die Radler zu bauen. Denn der Radweg-Lückenschluss auf der thüringischen Werraseite hatte sofort für einen Ansturm von Radlern aus Hessen und Thüringen gesorgt, war doch nun zum Beispiel von Bad Sooden-Allendorf aus eine richtige Werra-Runde bis nach Witzenhausen oder Hann-Münden möglich geworden. Dem Aufruf zum Mitarbeiten folgten 13 Einwohner, darunter auch einige Jugendliche.

Auserkoren wurde eine wild bewachsene kleine Anhöhe gegenüber von Ellershausen. „Leider befanden sich an dieser Stelle noch viele Betonteile, 30 Erdkabel und andere Relikte der Grenzanlagen“, berichtete Zbierski am Dienstag. Um ein ordentliches Fundament zu erstellen, mussten sich die freiwilligen Helfer, die ab Ende März dort arbeiteten, deshalb „in reiner Handarbeit ganz schön quälen“.

450 freiwillige Arbeitsstunden

Eine erste Abstimmung mit der Gemeinde sah eine einfache Ausführung der Hütte vor. Doch wegen der immer stärkeren Frequentierung des Radweges entschlossen sich die Beteiligten zu einer schöneren und natürlich teureren Variante. Die Gemeinde stellte einen festen Betrag für das Material und die Anfertigung der Balkenkonstruktion durch die Rustenfelder Zimmerei Degenhardt zur Verfügung. Alle anderen Arbeitsleistungen wurden von den 13 Freiwilligen geleistet, wobei von den insgesamt 450 Stunden jeweils mehr als 100 von Horst Zbierski und Günter Seiler geleistet wurden.

Der Stockfabrikant Erhard Gastrock aus Oberrieden sponserte das Material für die beiden fest eingebauten Bänke und den Tisch. Und Wucherpfennig setzte sich für einen Zuschuss in Höhe von 1500 Euro aus Lottomitteln des Freistaates Thüringen ein. Mit angefahrener Erde wurde das Umfeld der Hütte ansehnlich gestaltet.

Da viele Radfahrer das Baugeschehen mit großem Interesse verfolgten und Fragen zum ehemaligen Grenzverlauf stellten, soll der Standort noch im September mit einer Tafel ergänzt werden, die in Wort und Bild über das Leben im einstigen Sperrgebiet informiert und darüber, wie es an dieser Stelle noch vor 25 Jahren ausgesehen hat.

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