Neuer Kindergarten in Oehrenstock soll ein Modell der Zukunft werden

Oehrenstock  Katrin und Jens Liebermann wollen, dass sich Kinder frei entfalten. Die Bauvoranfrage für die Einrichtung mit 40 Plätzen läuft.

Sie wollen in Oehrenstock den Kindergarten der Zukunft aufbauen: Sarah Kepplinger, Jens und Katrin Liebermann (von links) . Die Einrichtung für die "WolfsKids" soll im nächsten Jahr öffnen.

Sie wollen in Oehrenstock den Kindergarten der Zukunft aufbauen: Sarah Kepplinger, Jens und Katrin Liebermann (von links) . Die Einrichtung für die "WolfsKids" soll im nächsten Jahr öffnen.

Foto: Ralf Ehrlich

Von einem Kindergarten haben Katrin und Jens Liebermann aus Ilmenau konkrete Vorstellungen: Die Mädchen und Jungen sollten selbst entscheiden, womit sie sich gerade beschäftigen wollen. Sie sollen ermutigt werden, sich an Herausforderungen zu wagen, den Umgang mit digitalen Medien spielerisch lernen und – ein Bewusstsein für die Natur und ihre begrenzten Ressourcen entwickeln.

Das alles hat das Ehepaar, selbst Eltern von drei Kindern, in ein Konzept gegossen, das womöglich schon bald Wirklichkeit wird: In Oehrenstock wollen sie im nächsten Jahr ihre Vorstellungen von Kinderbetreuung verwirklichen – in einer Einrichtung, in der sie nichts weniger als einen "Kindergarten der Zukunft" sehen. Für ihr Pilotprojekt haben sie das ehemalige Festplatzcafé im Langewiesener Ortsteil ins Auge gefasst und dafür schon die erste Hürde genommen. Der Stadtrat gab Anfang Mai grünes Licht für den Verkauf des Grundstücks für den Bau des Kindergartens "WolfsKids". Inzwischen wurde von den Gründern die Bauvoranfrage eingereicht.

Die Wölfe als Symbol haben Katrin und Jens Liebermann gewählt, weil die Tiere im Rudel eine starke Gemeinschaft bilden. Ganz so, wie es auch in Oehrenstock gelebt werden soll. "Die Kinder sollen sich frei entfalten können. Das hat aber nichts mit antiautoritärer Erziehung zu tun, denn natürlich wird es bei uns Regeln geben", erklärt Jens Liebermann.

Doch ob ein Kind zum Beispiel den Mittagsschlaf annimmt, soll es selbst entscheiden. Zu viele Zwänge über den Thüringer Bildungsplan hinaus wollen die Initiatoren den Kindern nicht auferlegen, "sie sollen ermutigt werden, ihren eigenen Weg zu gehen", sagen sie. Statt Erziehern werden bis zu vier Entwicklungsbegleiter in Oehrenstock ihre Arbeit aufnehmen. Möglichst energieautark soll die Einrichtung gebaut werden, um den kleinen Besuchern ein Bewusstsein für Ressourcen zu vermitteln.

Ein elektrischer Kleinbus, der die Kinder zwischen Ilmenau, Langewiesen und Oehrenstock chauffiert, schwebt den künftigen Betreibern vor. Versorgt werden die Mädchen und Jungen zu 100 Prozent mit Biokost, so der Plan.

40 Betreuungsplätze sollen auf dem Festplatzgelände entstehen, das nach Einschätzung der Liebermanns die ideale Lage hat. Die Nähe zur Natur spielt ihrem Konzept in die Hand – der erste Kontakt mit dem Forstamt für Projekte ist schon geknüpft, freuen sich die Gründer.

In Sara Kepplinger haben sie eine Mitstreiterin gefunden, die sich auch beruflich mit digitalen Medien beschäftigt.

Wie digitale Medien den Kindern nützen

Von einer Verteufelung der Möglichkeiten im Internet hält sie nichts: "Man sollte sich besser Gedanken darüber machen, wie man digitale Medien sinnvoll nutzt", findet die Mutter eines zweijährigen Sohns. Sara Kepplinger hat dazu ihr eigenes Unternehmen namens "snipin" gegründet.

Damit sollen Eltern eine Anwendung erhalten, mit der kleine Alltagsszenen im Video festgehalten und unkompliziert bearbeitet werden können. Lernt ein Kind Fahrrad fahren, ist es ein Erfolgserlebnis, wenn das Gefährt beherrscht wird. Zeigt man dem Kind noch dazu den Weg, den es bis zu diesem Ergebnis zurückgelegt hat, kann das Mut machen für die nächsten Herausforderungen, ist Sara Kepplinger überzeugt.

Bis der Kindergarten in Oehrenstock tatsächlich öffnet, liegt vor Katrin und Jens Liebermann noch ein langer Weg. Sobald der Bauantrag genehmigt ist , wollen sie Unternehmen der Region ansprechen. Die Idee: Eine Firma kauft sich mit einem Kontingent an Plätzen ein, die sie wiederum ihren Mitarbeitern anbietet. "Fachkräftemangel ist ein großes Thema. Und einen Kindergartenplatz anbieten zu können, ist meiner Meinung nach ein schlagkräftiges Argument", sagt Jens Liebermann. Darüber hinaus musste das Vorhaben auch mit Ilmenau abgesprochen werden, denn nach dem Vollzug der Gebietsreform ist die Stadt für die Einrichtung zuständig. Einen Bauplaner, der sich auf Kindergärten versteht, haben sie bereits gefunden.

Die Ausrichtung von Firmen ist Jens Liebermann vertraut: Nach sieben Jahren Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Ilmenau ist er seit 2014 Berater für Strategie- und Unternehmensentwicklung. Seine Frau Katrin hat als staatlich anerkannte Erzieherin fünf Jahre als Gruppenleiterin in einem Kindergarten gearbeitet.

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