Neues vom Leinefelder Professor Johannes Krause

Jena/Leinefelde. In seinem im März in seiner Heimatstadt Leinefelde gehaltenen Vortrag zur genetischen Herkunft der Europäer hatte Professor Johannes Krause, Gründungsdirektor des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, eine große, bisher unbekannte große Wanderungsbewegung noch nicht erwähnt, von der jetzt das renommierte Magazin „Nature“ in einer Studie berichtet.

Professor Johannes Krause im Gespräch mit einem Gymnasiasten nach seinem Vortrag im März in Leinefelde. Foto: Jürgen Backhaus/Archiv

Professor Johannes Krause im Gespräch mit einem Gymnasiasten nach seinem Vortrag im März in Leinefelde. Foto: Jürgen Backhaus/Archiv

Foto: zgt

An dieser waren Krause und einige seiner Jenaer Mitarbeiter, das Max-Planck-Institut Leipzig für evolutionäre Anthropologie, an dem der heute 35-jährige Eichsfelder seine wissenschaftliche Laufbahn begann, und die Universität Harvard in Cambridge/Massachusetts in den USA beteiligt waren.

Herausgefunden haben die Forscher bei der Untersuchung von Erbmaterial aus den Knochen frühzeitiger Menschen, dass seit 14.000 Jahren eine enge Verwandtschaft zwischen den Menschen in Europa und dem Nahen Osten besteht. Eine erste genetische Durchmischung fand also überraschenderweise schon rund 6000 Jahre vor der Einwanderung der Ackerbauern aus dem Nahen Osten statt. Dafür gibt es zwei Erklärungsvarianten. Entweder wanderten schon damals Menschen aus dem Nahen Osten nach Europa ein, oder Südosteuropäer zogen sowohl nach Mitteleuropa als auch in den Nahen Osten um.

Wie Krause berichtet, sind die heutigen Europäer fast gar nicht mehr mit den ersten modernen Menschen verwandt, die vor rund 45.000 Jahren Europa besiedelt und den Neandertalern das Gelände streitig gemacht hatten. Aber alle Menschen, die ab 37.000 vor heute in Europa lebten, seien zumindest teilweise Vorfahren der heutigen Europäer.

Und er fügt hinzu: „Trotz dramatischer Klimaschwankungen gibt es eine genetische Kontinuität von vor der Eiszeit zu den 19.000 bis 14.500 Jahre alten Individuen, die nach der Hochphase der letzten Eiszeit Mitteleuropa wieder besiedelten.“ Zu vermuten sei, dass sich die ursprüngliche Bevölkerung während des Maximums der letzten Eiszeit nach Süd-Westeuropa zurückgezogen hatte.

Die Aufbereitung und Auswertung der DNA-Daten von mehreren Dutzend Menschen, die während der letzten 40 000 Jahre in Europa gelebte hatten, erfolgte in den Laboratorien der Institute in Jena und Leipzig und dem in Cambridge. Die dafür benötigten hochempfindlichen Techniken waren maßgeblich in Deutschland entwickelt worden, unter Mitwirkung von Johannes Krause.

Die ausgewerteten genetischen Daten lieferten noch eine Überraschung. Der Anteil von Neandertaler-DNA, den die frühen Einwanderer bereits mitgebracht hatten, ist im Lauf von etwa 30.000 Jahren gesunken, ohne Vermischung mit Menschen ohne Neandertaler-Anteil. Die Forscher vermuten, dass dies durch natürliche Evolution geschah. „Es scheint, dass viele genetische Varianten, die in den Neandertalern vorkamen, für den prähistorischen modernen Menschen nachteilig waren“, sagt Krauses ehemaliger Leipziger Chef Svante Pääbo.

Zu den Kommentaren