Nitrat bereitet Sorge: Trinkwasser im Kyffhäuserkreis unter der Lupe

Kyffhäuserkreis.Als Marion Ziprian vom Verein „Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie“ Anfang der Woche mit ihrer Messstation in der Volkshochschule Artern aufschlug, traf sie auf einen alten Bekannten.

Wenn die Nitratbelastung im Grundwasser (Grafik Jahre 2013-2015) hoch ist, führt das auch zur Belastung des Trinkwassers. So bezieht Sondershausen sein Trinkwasser zum großen Teil aus der Ferne, weil das Grundwasser dort teils relativ stark belastet ist. Artern bezieht sein Trinkwasser aus einem Brunnen im benachbarten Bretleben, der in der belasteten Zone liegt.

Wenn die Nitratbelastung im Grundwasser (Grafik Jahre 2013-2015) hoch ist, führt das auch zur Belastung des Trinkwassers. So bezieht Sondershausen sein Trinkwasser zum großen Teil aus der Ferne, weil das Grundwasser dort teils relativ stark belastet ist. Artern bezieht sein Trinkwasser aus einem Brunnen im benachbarten Bretleben, der in der belasteten Zone liegt.

Foto: Peter Billeb

Der äußerte sich erneut zutiefst erbost über die Nitratwerte in seinem Trinkwasser.

Günther Schüttenhelm hatte zum ersten Mal im Oktober 2014 sein Trinkwasser aus der Magdalenenstraße untersuchen lassen. Damals lag das Ergebnis des Schnelltests schon bei 58,8 Milligramm pro Liter Wasser. Am Montag waren es dann 70,8 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser. Der Grenzwert für Trinkwasser sind 50 Milligramm. Im Juli 2015 sah es mit 54,6 Milligramm schon nach einer Besserung aus, doch im November des gleichen Jahres waren es wieder 61,5. Gut ein Jahr später 62,5 Milligramm und bei der Messung am Montag kam der Höchstwert heraus.

„Das habe ich noch in keiner Station gemessen“, sagte Ziprian, die als Fachkraft für Umweltschutz in ganz Mitteldeutschland und bis nach Berlin mit ihrem Messgerät unterwegs ist. In Artern seien die Werte, schon seit dem der Verein die Messungen anbietet, traditionell schlecht gewesen. Schüttenhelm kann sich nicht erklären, warum niemand etwas dagegen tut. „Das müssen die im KAT (Kyffhäuser Abwasser- und Trinkwasserverband) doch wissen, ich zahle doch für sauberes Trinkwasser.“ Vor Jahren sei er schon auf stilles Wasser aus dem Supermarkt umgestiegen, um seine Gesundheit nicht zu gefährden. Jeden Bon hat er in einer Mappe zusammen mit den Messergebnissen der vergangenen Jahre aufbewahrt. 1029 Euro habe er schon in „trinkbares Wasser“ aus dem Supermarkt investiert. Auch das gekaufte Wasser hatte er von Ziprian kontrollieren lassen, die einen Wert von unter zwei Milligramm für das französische Produkt gemessen hatte. „Wer gibt mir das Geld zurück?“, fragte der Arterner, enttäuscht von den schlechten Werten seines Wassers. Christel und Heinz Trommer aus Finneland in Sachsen-Anhalt hatten ebenfalls den Weg nach Artern gesucht, um ihr Wasser untersuchen zu lassen. Bei ihrer Probe kam ein Wert von 34,4 Milligramm pro Liter heraus.

Falk Bartels, Werkleiter beim KAT, zeigte sich zunächst verwundert über die Ergebnisse, die Ziprian ermittelt hatte. Erst Ende August hatte er ganz nach Vorschrift eine umfassende Un-tersuchung des Arterner Trinkwassers in einem Fremdlabor in Auftrag gegeben. „Die Ergebnisse waren alle unauffällig und auch das Gesundheitsamt hat nichts beanstandet“, sagte Bar-tels, der sich aber auch noch persönlich überzeugen wollte. Dienstag früh hatte er eine Probe in der Schillerstraße genommen, die das gleiche Wasser aus dem Brunnen in Bretleben bekommt wie die Magdalenenstraße, und hat es im akkreditierten Labor des KAT untersuchen lassen. „Das Ergebnis waren 47,2 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser und damit unter dem Grenzwert.“

Zudem habe er sich auch über den Verein schlau gemacht, der die Messungen in Artern angeboten hatte. „Der Verein betreibt kein akkreditiertes Labor und klärt auf seiner Internetseite auf, dass es sich bei den Analysen um orientierende Untersuchungen handelt“, sagte Bartels. Genauso steht es auf der Internetseite des Vereins mit dem weiteren Hinweis, dass eine behördliche oder gerichtliche Anerkennung der Untersuchungsergebnisse ausgeschlossen ist.

Für Bartels ist die Sache geklärt. Der Nitratgehalt des Trinkwassers, das der KAT ausgibt, liegt unter dem Grenzwert und hält die Trinkwasserverordnung ein. Das Gesundheitsamt würde im Fall der Überschreitung des Grenzwertes auch Maßnahmen ergreifen, um die Qualität nach der Trinkwasserverordnung wieder zu gewährleisten.

Mit solchen Problemen muss sich Hans-Peter Schwarzbach, der Betriebsführer für den Trinkwasserbereich beim Trink- und Abwasserzweckverband (TAZ) Helbe-Wipper schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr herumschlagen. „Im Trinkwasser, das wir den Kunden unserer Region anbieten, sind höchstens zehn Milligramm Nitrat pro Liter enthalten. Seit 2006 greifen wir für die Versorgung in unserem Verbandsgebiet auf Fernwasser zurück. Das fließt als Gemisch mit Wasser aus Quellen und Brunnen in unserer Region aus den Wasserhähnen in Sondershausen und dem gesamten Westkreis“, erklärte er.

Tatsächlich sei die hohe Nitratbelastung im Grundwasser vor dem Anschluss ans Fernwasser in einigen Orten noch ein Problem gewesen, erinnerte sich Schwarzbach. Viele gefährdete Brunnen, etwa die in Berka und Jecha, würden seitdem gar nicht mehr als Trinkwasserlieferanten genutzt, stellte Schwarzbach klar. Das Wasser aus den anderen Quellen im Einzugsgebiet vom TAZ sei unbedenklich. So würden viele Sondershäuser Haushalte nach wie vor mit Wasser aus der Margaretenquelle im Gemisch mit Fernwasser beliefert.

„Das reine Quellwasser weist in den Laboruntersuchungen, denen es als Trinkwasser unterliegt, Nitratwerte von höchstens 13 Milligramm pro Liter auf. Im Fernwasser sind sogar nur rund vier Milligramm.“ Ganz andere Werte ermittelt das Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie immer wieder bei seinen Messungen im Grundwasser vom Kyffhäuserkreis.

Weit über 50 Milligramm Nitrat pro Liter lag die Belastung bei Proben in der Region um Roßleben in den vergangen Jahren häufig. Auch einige Gebiete um Sondershausen fallen in den Studien der Landesbehörde durch ebenso hohe Nitratwerte im Grundwasser auf. Ermittelt wurden diese Werte im Zeitraum zwischen 2013 und 2015. Ergebnisse aktueller Messungen liegen nicht vor.