Nordhäuser Selbsthilfegruppe Prostatakrebs leistet vorbildliche Arbeit

Nordhausen. Reinhard Gündel ist stolz. Auf der Jahrestagung des Bundesverbandes Prostatakrebs für 2014 in Magdeburg wurde der Nordhäuser für die gute und vielfältige Arbeit in der Selbsthilfegruppe (SHG) Prostatakrebs Nordhausen und Umgebung ausgezeichnet.

Mit der Verbandsnadel in Bronze wurde Reinhard Gündel aus Nordhausen (4. von rechts) vom Bundesverband Prostatakrebs in Magdeburg geehrt. Foto: Privat

Mit der Verbandsnadel in Bronze wurde Reinhard Gündel aus Nordhausen (4. von rechts) vom Bundesverband Prostatakrebs in Magdeburg geehrt. Foto: Privat

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Der 78-jährige Gündel, den es in den 70er-Jahren als Lehrer von Dessau nach Nordhausen verschlagen hat, leitet die Nordhäuser SHG seit nunmehr sieben Jahren. Sein Amt hat er vom 1. Vorsitzenden Karl-Heinz Breuer fast über Nacht übernehmen müssen. Das war gar nicht so geplant, sagt Reinhard Gündel, der auch schon an der medizinischen Fachschule oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gedenkstätte "Mittelbau Dora" gearbeitet hat.

Nachdem er im November 2007 die Hiobsbotschaft Krebs erhielt, ließ er alles über sich ergehen, was die Ärzte für notwendig erachteten: Operation, Bestrahlung, Nachbehandlung und Rehakur. "Es waren Monate voller Ungewissheit, auf die ich gern verzichtet hätte", sagt Gündel als Betroffener. Doch er zog sich nicht zurück, wollte leben und sich mit Gleichbetroffenen austauschen. Also fand der geschichtsinteressierte Senior schnell den Weg in die erst 2007 gegründete SHG hier in Nordhausen. Die Gespräche über die Krankheit und ihre Auswirkungen, die gegenseitigen Tipps für ein gesünderes Leben und die interessanten Veranstaltungen, die übers Jahr organisiert werden, gaben ihm neuen Lebensmut. Dadurch wurde vieles leichter.

Plötzlich, Anfang Januar 2008, stand die Nordhäuser SHG ohne Leiter da. Der ohnehin schon engagierte Reinhard Gündel ließ sich nicht lange bitten und übernahm noch im Januar die Leitung. Fortan ist er es, der mit einigen aktiven Mitstreitern die Aktivitäten für die 25 Mitglieder der Gruppe plant und organisiert. Praktisch für jeden Monat denkt man sich etwas Neues aus. Dazu gehören nicht nur die monatlichen Treffen, die bisher im Begegnungszentrum Nord stattfanden und seit heute in die Flohburg umverlegt werden mussten, weil ja das Begegnungszentrum wegen Umbaus geschlossen wurde.

Zu den Aktivitäten zählen auch regelmäßige Arztvorträge, Patientengespräche oder Besichtigungen der neuesten Behandlungstechniken im Südharz-Krankenhaus in Nordhausen, wo man vor allem gut mit Dr. Matthias Beintker zusammenarbeitet. Der Höhepunkt eines jeden Jahres sind organisierte Treffen mit anderen Selbsthilfegruppen, bei denen der Erfahrungsaustausch, Tourismus und Kultur nicht zu kurz kommen. In diesem Jahr hat man den Besuch des Europa-Rosariums in Sangerhausen zur großen Rosenblüte im Juni fest auf der Tagesordnung.

Ansonsten ist Reinhard Gündel immer auf der Suche nach neuen Themen und Anregungen, wie die Treffen der Selbsthilfemitglieder jeden letzten Dienstag im Monat ab 15 Uhr in der Nordhäuser Flohburg interessant gestaltet werden können. Denn auch damit kann man Betroffenen ein Stück ihrer Angst nehmen. Was ihm und seinen Mitstreitern besonders am Herzen liegt, sind Diskussionen über einen möglichst gesunden Lebenswandel und wie der gestaltet werden kann. Hierfür konnte man auch schon einen Imker aus Ilfeld gewinnen, der viel Gutes über den Honig als natürliches Heilmittel zu berichten hatte. Und natürlich einige Ärzte.

Manche Treffen organisiert man mit den Ehepartnern zusammen, um auch ihnen ein stückweit die Angst vor dieser heimtückischen Krankheit zu nehmen, von der niemand weiß, ob sie vielleicht nicht doch irgendwann wiederkommt. Gern hätte es Reinhard Gündel, dass auch Jüngere mit unter 60 Jahren den Weg in die SHG finden. Denn niemand sei vor dieser Art Schicksalsschlag gefeit. Und wenn man erfährt, wie man schon sehr früh vorsorgen kann, wo man im Fall der Fälle Hilfe findet, dann sei schon viel gewonnen. Und die bereits Betroffenen hätten das Gefühl, auch in dieser Sache noch gebraucht zu werden.

Der 11. Thüringer Krebskongress am 14. + 15. März 2015 in Nordhausen wird auch durch Präsentationen der hiesigen Selbsthilfegruppe Prostatakrebs begleitet.