Oberhof rettet den Schnee von gestern

Oberhof  Oberhof. In der Skihalle sind die Raupen im Großeinsatz. Der Altschnee wird für den Biathlon-Weltcup eingelagert.

Fünf Lastwagen bringen im Minutentakt den Schnee vom Depot an, der dann verteilt wird. Foto: Alexander Volkmann

Fünf Lastwagen bringen im Minutentakt den Schnee vom Depot an, der dann verteilt wird. Foto: Alexander Volkmann

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Detlef Kotlinksy tritt aufs Gaspedal, die Riesenraupe nimmt Geschwindigkeit auf. mit seinen Joy-Stick bewegt er das Schiebeschild, die sogenannten Ohren zur linken und rechten Seite sorgen für eine geballte und präzise Zusammenfassung des Schnees.

Noch bis heute sind in der Skihalle in Oberhof zwei Raupen und eine Schneefräse in Aktion. Sie haben in den vergangenen Tagen den rund 20 Zentimeter hohen Altschnee zusammengetragen, der im seit Herbst vergangenen Jahres existierenden Depot eingelagert wird. Und von dort in unmittelbarer Nähe zu den Schanzen vom Kanzlersgrund karren fünf Lkws stundenlang den produzierten Kunstschnee — etwa 3000 Kubikmeter — heran. Er wird in der Skihalle aufgetragen.

Der Austausch erfüllt zwei Funktionen. Der neue Schnee verbessert die Qualität des weißen Belags in der Halle wieder. Denn der alte war sozusagen abgelaufen, durch das Skiwachs war der Schnee ausgetrocknet, die Kristalle waren rund geworden, Teile der Strecke fühlten sich so für den Läufer wie ein Sandstrand an.

Doch auch der Schnee von „gestern“ ist in Oberhof kostbar. „Wir nehmen und brauchen jeden Krümel“, sagt Andre Lange, der sich sportlicher Leiter vom Zweckverband Thüringer Wintersportarten nennt. Oberhof könne sich eine Vergeudung nicht erlauben. Der ehemalige Hallenschnee soll als Untergrund für die Strecke des kommenden Biathlon-Weltcups genutzt werden, damit der nicht wie dieses Jahr ausfällt. „Doch der alte Hallenschnee kann nur die Grundlage sein, die Natur muss auch noch mitspielen“, so der einstige Bobpilot, der sich in der Eisrinne so wohl gefühlt hat, mittlerweile aber auch die Tücken des Schnees kennt. Wie teuer die Umlagerung insgesamt wird, weiß er noch nicht. „So ein Haufen Schnee ist ja schlecht zu vermessen. Er ist ja nicht quadratisch, praktisch, gut“.

Skihalle bleibt noch bis 30. April geschlossen

Wenn Detlef Kotlinsky über Schnee redet, ist es, als ob ein Bäcker von seinen Brötchen schwärmt oder ein Architekt über ein von ihm entworfenes Haus spricht. Die enge Verbindung des 53-Jährigen zum kostbaren Weiß ist aus jedem Satz zu hören. „Ich bin als ehemaliger Leistungssportler mit Schnee groß geworden und habe in meiner Funktion als Objektleiter der Skihalle diese Beziehung noch vertieft“.

Auch künstlich produzierter Schnee kann ihn faszinieren. „Manche haben da eine falsche Vorstellung. Wir geben da keine chemischen Zusatzstoffe hinzu, oder Salz oder Pfeffer. Wir schießen Wassertropfen in die Luft, daraus werden bei entsprechender Temperatur dann Schnee-Kristalle“. Aber damit die Produktion klappt, dürfen die Temperaturen nicht höher sein als 4 Grad minus.

In der Skihalle zeigt das Thermometer auch unter null an. Sie ist derzeit geschlossen, denn der Frühjahrsputz betrifft nicht nur die Erneuerung der Schneedecke. Es werden auch Wartungsarbeiten verschiedener technischer Anlagen vorgenommen und anfallende Reparaturen erledigt. Am 1. Mai soll sie wieder öffnen. „Die Halle hat sich absolut bewährt“, so Lange, „für den Leistungs- und Freizeitsport sowie für den Tourismus. Manchmal hätte man in der letzten Saison sogar die Maximalauslastung von 160 Personen erreicht.

Die Skihalle, die am 1. September 2009 offiziell in Betrieb genommen wurde, bietet einen 1200 Meter langen Rundkurs, Die Loipen mit Steigungen und Abfahrten von bis zu 12 Prozent, werden durch die Raupe unter Führung von Detlef Kotlinsky problemlos gemeistert. „Aber auch wenn dieser Job vielleicht ein Jungentraum ist: Er verlangt reichlich Konzentration. „Denn am Rand oder bei Durchfahrten geht es auch mal um Zentimeter“. Detlef Kotlinsky nimmt den Fuß vom Gas. Eine Bremse hat die Schneeraupe nicht.

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