Osnabrücker Studenten betreiben Feldforschung bei Teistungen

Teistungen (Eichsfeld)  In Kooperation mit dem Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen erkundet ein Forscherteam der Universität Osnabrück neue Sichten auf die ehemalige innerdeutsche Grenze.

Studenten der Universität Osnabrück mit Frank Wolff (3. von rechts) und Ben Thustek (3. von links) vom Grenzlandmuseum Eichsfeld. Foto: Grenzlandmuseum

Studenten der Universität Osnabrück mit Frank Wolff (3. von rechts) und Ben Thustek (3. von links) vom Grenzlandmuseum Eichsfeld. Foto: Grenzlandmuseum

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Seit einiger Zeit widmet sich eine Forscherallianz der Universität unter dem Begriff der „Konfliktlandschaften“ den Langzeitfolgen von Auseinandersetzungen und deren Auswirkung auf die Landschaft. Dies wird dabei nicht nur mit konventionellen historischen Methoden erkundet, wie zum Beispiel der Archivarbeit, sondern auf neuen, interdisziplinären Wegen.

Die Herausforderung liegt jedoch darin, dass Landschaften sich verändern. Nach einiger Zeit sind die einst deutlich erkennbaren Folgen von Konflikten, wie zum Beispiel der Grenzstreifen, nur noch für das geschulte Auge sichtbar. Über einen Großteil der Hinterlassenschaften wächst sprichwörtlich Gras. Das Osnabrücker Forscherteam bildete darum eine ungewöhnliche Allianz aus Geophysikern, Historikern und Kunstdidaktikern, um gemeinsam neue Zugriffe auf die Geschichte von Konflikten und deren Hinterlassenschaften zu ermöglichen.

Diese Arbeit führte die Forscher nun ins Eichsfeld und dessen bewegte Teilungsgeschichte. In Zusammenarbeit mit dem Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen entwickelt sich derzeit ein Forschungsprojekt, in dem Lehrende und Studierende der Universität Osnabrück gemeinsam neue Perspektiven auf die deutsche Teilungsgeschichte suchen. Im Zentrum steht dabei ein sogenanntes magnetometrisches Messverfahren. Wie der beteiligte Osnabrücker Geograf Andreas Stele erläutert, ermöglicht dies, „durch feinste Messungen des Erdmagnetfeldes in den Boden zu schauen, ohne ihn aufzugraben“.

Dabei entsteht ein mehrere Meter tief gehender Scan des ehemaligen Grenzstreifens, der längst überwucherte oder gar entfernte Installationen wie Gräben, Kabel und Pfosten wieder sichtbar machen kann. Die dabei entstehenden Bilder können dann entweder als in der Erde archivierte Lagepläne dienen, oder als Material für historische, didaktische und künstlerische Beschäftigungen mit dem Thema.

Als Leiter des Teilprojekts erhofft sich der Historiker Frank Wolff davon nicht nur neue Erkenntnisse über den Aufbau der Grenzanlagen, sondern auch neue Methoden zur Vermittlung der Grenzgeschichte: „Auch die Erde trägt eine Erzählung in sich, die wir mit diesem Verfahren sichtbar machen können. Dies könnte in großen Landkarten des Untergrundes münden, oder auch in einer App für das Smartphone, die den Wanderer virtuell unter seinen Füßen in die Erde – und damit in die Geschichte – schauen lässt.“

Ansätze auf andere Museen übertragbar

Die während einer ersten Exkursion gewonnenen Daten bestätigen diesen Ansatz, der durch eine Projektgruppe des Studiendekans Andreas Brenne flankiert wird. Unter seiner Leitung begleiten mehrere Studenten der Kunstdidaktik den historischen Arbeitsprozess und erkunden die deutsche Teilungsgeschichte auf ihre Art. Ihre Werke spiegeln die Sicht einer neuen Generation auf die innerdeutsche Grenze wider, ermöglichen weiterführende Lehrprojekte und Ausstellungen.

Die Osnabrücker Wissenschaftler hoffen darum, zügig weitere Mittel einwerben zu können, um dem vielschichtigen Projekt in größerem Umfang nachgehen zu können. Dies wäre besonders attraktiv, da die hier entwickelten Ansätze dann von Teistungen auf andere Museen übertragen werden können. Die Osnabrücker Studenten jedenfalls zeigen sich von ihrer Arbeit beeindruckt. Denn auch wenn Feldarbeit körperlich anstrengend gewesen sein mag, „wird einem nirgendwo sonst bewusst, wie vielschichtig Geschichte ist, wie direkt am Ort des Geschehens“.

*Unser Autor Ben Thustek ist der museumsdidaktische Leiter des Grenzlandmuseums.