Petersdorfer geben Kampf um alte Dorfgaststätte nicht auf

Petersdorf (Kreis Nordhausen)  Petersdorf ist ein schmuckes Dorf geworden – die Gegenüberstellung von historischen und aktuellen Bildern in einem neuen Kalender für 2016 beweist das.

Ortschef Jens Karnstedt vor dem seit Jahren eingezäunten Alten Saal mitten im Ortskern. Foto: Kristin Müller

Ortschef Jens Karnstedt vor dem seit Jahren eingezäunten Alten Saal mitten im Ortskern. Foto: Kristin Müller

Foto: zgt

Ute Gerhardt und Ines Ziesler haben sich viel Mühe mit der Fotosuche gegeben – auch für einen guten Zweck: Die Einnahmen sollen in die Instandsetzung des „Alten Saales“ fließen. Der ist Kern der früheren Gaststätte, die schon in den 1970er-Jahren gesperrt wurde – und auf dem aktuellen Foto schlimmer aussieht als auf dem historischen.

„Wir werden von dem Geld aus dem Kalenderverkauf keine Steine kaufen: Aber wenn ich Freiwillige habe, stelle ich denen ein Frühstück und einen Bierkasten hin“, sagt Ortschef Jens Karnstedt (pl). Er weiß: Die Sanierung des Saales mit der markanten Gewölbedecke und des nebenstehenden Hauses wird eine sechsstellige Summe kosten. Das kann sein Dorf allein nicht stemmen. Aber ihm ist ein Signal an die Nordhäuser Stadtväter wichtig. Im dortigen Rathaus und Stadtrat wird entschieden, ob und wann das unter Denkmalschutz stehende Ensemble angepackt wird. Denn Petersdorf ist seit 2007 Ortsteil der Rolandstadt.

Bis 2012 sollte Denkmal eigentlich saniert sein

Karnstedt erinnert daran, dass zur Eingemeindung vertraglich festgelegt wurde, dass der Komplex binnen der nächsten fünf Jahre saniert wird, damit er als Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden kann. Inzwischen sind drei weitere Jahre vergangen, der Zahn der Zeit hat weiter an der Bausubstanz genagt. 2013 keimte kurz Hoffnung auf, als es hieß, die Saalsanierung könne zu 80 Prozent gefördert werden, sofern ein Verein diesen später übernimmt. Torsten Pietzsch und sieben weitere Leute gründeten daraufhin den Verein „Dorfgemeinschaft Petersdorf“ – doch auch dies war vergebens.

Die Stadt Nordhausen ließ zwischenzeitlich ein Gutachten erstellen, demzufolge der Sanierungsbedarf zwei Millionen Euro beträgt. Ein „Abwehrgutachten“ nennt Karnstedt das Papier, eine Kostenschätzung des Petersdorfer Baubegleitungs-Büros Schneider habe jedenfalls nur knapp 700.000 Euro Kosten ergeben. Ohnehin, meint der Ortschef, wäre es sinnvoller, das Vorhaben Schritt für Schritt umzusetzen, also nicht erst auf die große Geldsumme zu warten: „Wenn Unterstützung aus Nordhausen kommt, würden viele Petersdorfer mit anpacken. Weil das Fundament der hinteren Giebelwand unterspült wurde, muss diese zum Beispiel komplett abgerissen werden.“ Zu erneuern wären auch Dach, Fenster, Türen und Fassade.

Die frühere Dorfgaststätte bildet mit dem gegenüberliegenden alten Schulteil, dem als Jugendclub genutzten Fachwerkbau und der Kirche das Dorfzentrum. Gern würden hier die Landfrauen einziehen, würden die Sportvereinsmitglieder, die auch den Karneval ausgestalten, hier ihre Kostüme lagern und feiern. Auch der Ortschef hat kein Sprechzimmer – momentan lädt er zu sich nach Hause.

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