Polizei machtlos: Bande junger Migranten hält Jena weiter in Atem

Jena  Immer wieder tauchen die meist männlichen Angehörigen der Gruppe an verschiedenen Plätzen auf – mal werden sie durch Diebstahl auffällig, mal durch Beleidigungen und auch durch Körperverletzungen.

Die Attacke auf einen Polizisten in der Jenaer Goethe-Galerie sorgte vor einigen Wochen für Wirbel. Sie reiht sich aber nur in eine Vielzahl von Straftaten ein, die aus Gruppen mit wechselnder Zusammensetzung begangen werden. Foto: MGT-Archiv

Die Attacke auf einen Polizisten in der Jenaer Goethe-Galerie sorgte vor einigen Wochen für Wirbel. Sie reiht sich aber nur in eine Vielzahl von Straftaten ein, die aus Gruppen mit wechselnder Zusammensetzung begangen werden. Foto: MGT-Archiv

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Eine Bande junger Migranten hält Jena in Atem. Immer wieder tauchen die meist männlichen Angehörigen der Gruppe an verschiedenen Plätzen auf – mal werden sie durch Diebstahl auffällig, mal durch Beleidigungen und auch durch Körperverletzungen.

Die Polizei kennt ihre Identitäten. Zwei von ihnen haben schon im Gefängnis gesessen. Seit das so war, heißt es aus Polizeikreisen, halten sie sich allerdings zurück. Die Jenaer Bevölkerung zeigt sich größtenteils alarmiert. In der Goethegalerie, dem zentralen Einkaufszentrum der Saalestadt, sind die Folgen schon spürbar: Es wurden Bänke abmontiert, damit sich die Jugendlichen nicht mehr „gemütlich“ niederlassen können.

Warum greift die Polizei nicht ein und macht die Täter dingfest? Immerhin: Die Gruppen in verschiedenen Zusammensetzungen treten seit Sommer 2016 immer wieder in Erscheinung. Die offizielle Sprachregelung lautet: „Wir nutzen das Recht aus.“ Steffi Kopp muss unliebsame Fragen zu der Jugendbande stets beantworten.

Seit Wochen meldet die Jenaer Polizei immer wieder Straftaten, die aus einer Gruppe heraus begangen werden. Eine Anfrage unserer Zeitung ergab jetzt: Der Gang werden weit mehr Taten zur Last gelegt, als bisher bekannt sind. „Seit Sommer 2016 haben wir hier in mehr als 160 Fällen ermittelt“, sagt Kopp. Nach wie vor sind alle Mitglieder der Gruppe auf freiem Fuß. Mittlerweile geht die Polizei davon aus, dass es sich sogar um zwei Gruppen handelt. Eine, die im Zentrum aktiv ist und eine, deren Radius sich auf Jena-Lobeda beschränke. Wechselseitig sind die einzelnen Personen aber wohl in beiden Gruppen aktiv. Ihnen werden Landfriedensbrüche, gefährliche Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Diebstähle, Beleidigungen, Widerstand gegen Polizeibeamte sowie auch Hausfriedensbrüche vorgeworfen. Dennoch: Aktuelle Haftbefehle liegen nicht vor.

Auch deutsche Mädchen sind in der Gruppe dabei

Die Gruppe besteht aus mindestens 16 Mitgliedern. „Sie kommen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan“, sagt Kopp. Neben „vorwiegend Nichtdeutschen“ gehören auch einige deutsche Mädchen zu den Gruppen. Mittlerweile gehen die Beamten schließlich davon aus, dass es sich nicht mehr nur um eine Gang handelt, die in Jena ihr Unwesen treibt.

Die Anfänge seien in Jena-Lobeda zu suchen, wo es im Sommer 2016 zu Auseinandersetzungen an der Skaterbahn gekommen war. Im Frühjahr verlagerte sich das Geschehen dann ins Paradies, wo es dauerhaft zu Polizeieinsätzen gekommen ist. Mit Einbruch des Winters 2017 habe sich das Problem dann erneut, diesmal in die Goethe-Galerie beziehungsweise rund um den Ernst-Abbe-Platz, verlagert.

Zu den Gruppenmitgliedern, die bisher nicht als Bande im rechtlichen Sinne gewertet werden, gehören mindestens vier Intensivtäter, heißt es von der Polizei. Zwei von ihnen haben bereits in Untersuchungshaft gesessen, seien auch bereits rechtskräftig verurteilt. Es handele sich um jene Täter, die seither nicht mehr an vorderster Front in Erscheinung treten würden, berichten Polizeikreise.

Seit Wochen werden die Taten der Jugendgangs intensiv debattiert – auch in der Jenaer Bevölkerung sowie in sozialen Netzwerken. Hier taucht immer wieder die eine Frage auf: Warum kann man kriminelle Migranten nicht abschieben? Eine Antwort kann wohl nur die Ausländerbehörde der Stadt Jena geben. Die Staatsanwaltschaft sei dafür nicht zuständig, sagt deren Sprecher Sven Schroth.

Die Liste der Taten, die den Mitgliedern der Gruppe zur Last gelegt wird, ist lang. Zuletzt wurde am vergangenen Wochenende ein 26-jähriger Deutscher verletzt, nachdem ihn ein 21-Jähriger aus dem Irak mit einer Flasche angegriffen hatte .

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