Pony in Heiligenstadt getötet: „Pferderipper“ ist geständig

Heiligenstadt  Ermittlungsarbeit führt zum Erfolg. 29-Jähriger räumt ein, im März 2015 ein Pony in Heiligenstadt getötet zu haben.

Polizisten sehen in ihrer beruflichen Laufbahn eine ganze Menge, aber der Anblick des toten Ponys im Unterstand machte den Beamten im März 2015 sehr zu schaffen. Archiv-

Polizisten sehen in ihrer beruflichen Laufbahn eine ganze Menge, aber der Anblick des toten Ponys im Unterstand machte den Beamten im März 2015 sehr zu schaffen. Archiv-

Foto: Silvana Tismer

Sebastian Herche wird den Morgen des 20. März 2015 nicht so schnell vergessen. Da kam in den Morgenstunden der Anruf, dass das Welsh-A-Pony „Hayley“, das der fünfjährigen Tochter Herches gehört, tot im Unterstand der Weide liegt. Nicht nur tot, sondern bestialisch zugerichtet. Ein zweites Pferd, eine Fuchsstute, ist ebenfalls schwer am Hals verletzt, hat die brutale Attacke vermutlich durch starke Gegenwehr überlebt. Ein drittes Pferd blieb unverletzt. Die Fuchsstute gehört einem Freund der Familie, Walter Meß. Er fand am Morgen die Tiere auf ihrer Weide am Heiligenstädter Josef-von-Eichendorff-Weg, nahe des Waldrandes.

Ein 29-Jähriger aus der Region hat jetzt die Tat zugegeben. Bis dahin hat es einer zweijährigen akribischen Ermittlungsarbeit der Polizei bedurft. „Er hat die Tat eingeräumt“, bestätigt Fränze Töpfer, Sprecherin der Landespolizeiinspektion Nordhausen, auf Anfrage unserer Zeitung. Mehr Details werden noch nicht zum Täter oder seinen Motiven preisgegeben, denn es laufen noch weitere Ermittlungen gegen den polizeibekannten Mann. Nun muss die Staatsanwaltschaft Mühlhausen darüber entscheiden, ob gegen den Mann Anklage erhoben wird.

Zurzeit wird ebenso geprüft, ob der Tatverdächtige auch für die Attacke auf ein Pferd in Wipperdorf in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch in dieser Wochen in Frage kommt – oder für weitere Taten. „Wir stehen bundesweit mit anderen Polizeidienststellen in Kontakt“, bestätigt Fränze Töpfer. Zum Beispiel rund um Jena und Weimar habe es immer wieder Attacken auf Pferde gegeben. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so Töpfer.

Erleichterung bei der betroffenen Familie

Bei Sebastian Herche und seiner Familie herrscht Freude und große Erleichterung. „Ich habe regelmäßig mit der Polizei in Kontakt gestanden, mindestens einmal im Monat telefoniert und gefragt, ob es etwas Neues gibt“, erzählt er. Und in den vergangenen Wochen habe es schon vorsichtige positive Signale gegeben. Dass inzwischen mehr als zwei Jahre ins Land gegangen sind, ist für den Heiligenstädter nebensächlich. „Wichtig ist das Ergebnis. Mir ist es lieber, es dauert länger, dafür aber sind die Beweise hieb- und stichfest.“ Am schwersten sei es gewesen, damals seiner kleinen Tochter Amelie beizubringen, dass ihr geliebtes Pony tot ist. „Wir haben ihr damals vorsichtig erklärt, was passiert ist, natürlich nicht bis ins Detail. Als wir ihr heute sagen konnten, dass die Polizei den Täter hat, gab es einen riesigen Jubelschrei.“ Verarbeitet sei das schreckliche Ereignis inzwischen in der Familie. Aber ein neues Pony gab es für Amelie nicht. Sie darf seitdem eines der Pferde von ihrer Mama Sandra zum regelmäßigen Reittraining bewegen.

Die Familie hat nach dem Vorfall weitere Konsequenzen gezogen, nämlich offene Weiden, so dass die Pferde flüchten können, sollte es wieder zu einer Attacke kommen, die Tiere zur Not Platz und Freiheit haben, sich zu wehren. Jetzt hofft Sebastian Herche inständig, dass die Beweislage gegen den ermittelten Mann für die Staatsanwaltschaft ausreicht und es zu einer Anklage und einem möglichst strengen Urteil mit Haftstrafe kommt. Er selbst werde, sollte es einen Prozess geben, als Nebenkläger auftreten. Für ihn und seine Familie heißt es nun, wieder abzuwarten, wie es weitergeht. „Wir haben zwei Jahre gewartet, dann können wir das jetzt auch“, sagt der Familienvater.

Im Moment arbeitet die Kripo Nordhausen an den Ermittlungen im Fall Wipperdorf. „Derzeit müssen gesicherte Spuren ausgewertet und Zeugen befragt werden. In diesen Zusammenhang suchen wir weitere Zeugen oder Anwohner, denen in der Nacht oder am Abend von Dienstag zu Mittwoch Personen oder Fahrzeuge in der Nähe aufgefallen sind“, bittet Fränze Töpfer um Hinweise. Oder denen Personen im Vorfeld aufgefallen sind, die möglicherweise die Koppel ausspioniert haben. Vielleicht gibt es sogar Tipps aus dem Eichsfeld.

Polizei: (03631)960

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