Possendorfer Buswartehäuschen bietet nun Lesestoff für alle

Possendorf  Das Buswartehäuschen an der Possendorfer Kirche ist keines, das man an jeder Ecke findet. 1994 hat es der ortsansässige Architekt Michael Brehme gestaltet – mit Wänden aus Fachwerk und Glas, einem Steinfußboden, Einbauten aus Holz, einem geschnitzten Eckpfeiler in der Art eines indianischen Totempfahls und einem Giebeldach mit Turmknopf.

Frühjahrsputz am Bücherschrank in Posssendorf. Foto: Jens Lehnert

Frühjahrsputz am Bücherschrank in Posssendorf. Foto: Jens Lehnert

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Das Buswartehäuschen an der Possendorfer Kirche ist keines, das man an jeder Ecke findet. 1994 hat es der ortsansässige Architekt Michael Brehme gestaltet – mit Wänden aus Fachwerk und Glas, einem Steinfußboden, Einbauten aus Holz, einem geschnitzten Eckpfeiler in der Art eines indianischen Totempfahls und einem Giebeldach mit Turmknopf.

Seit dem Wochenende dient die Haltestelle den Possendorfern nicht mehr allein dem Warten auf die Linie 6. Zum Frühjahrsputz am Samstag richtete der Ortsteil in dem Häuschen einen öffentlichen Bücherschrank ein. Aus diesem kann sich jeder, der Lust aufs Lesen hat, die Lektüre seiner Wahl nehmen – sei es, um sich die Zeit bis zur Abfahrt des Busses zu verkürzen, oder auch, um zu Hause darin zu schmökern.

Ist das Buch ausgelesen, wird es zurück in den Schrank gestellt oder – noch besser – durch ein anderes Exemplar ersetzt, das daheim erübrigt werden kann. So bleibt der öffentliche Lesestoff im Buswartehäuschen frisch und abwechslungsreich. Um die kleine Bibliothek zu nutzen, muss man weder Possendorfer sein noch Bücherei-Mitglied werden oder Geld zahlen. Das Ganze funktioniert einzig auf Vertrauensbasis.

Die Idee, mitten im Dorf den Bücherschrank für alle aufzustellen, hatte die 17-jährige Possendorferin Viktoria Kämpfe, die in Milda zur Schule geht. „Vor einiger Zeit gab es im Dorf eine Umfrage, was wir im Ort verbessern können. Ich hatte damals in einer Zeitschrift von solchen öffentlichen Bücherschränken gelesen und vorgeschlagen, auch bei uns einen einzurichten. Nun kam der Traditionsverein auf mich zu, und wir haben die Idee umgesetzt“, berichtete Viktoria.

Um an der Haltestelle Platz für den Schank zu schaffen, den Matthias Geßner stiftete, wurde drinnen die Sitzbank eingekürzt. Außerdem erneuerten die Possendorfer die Glascheiben des Bushäuschens, gestalteten Aufkleber, die ansehnlich auf das neue Angebot verweisen – und spendeten Bücher zuhauf. Bereits am Wochenende fanden sich im Schrank an die 200 Titel. Weitere Spenden, auch von außerhalb, sind willkommen.

Natürlich kam am Samstag auch das Putzen im Ortsteil nicht zu kurz. Fast das ganze Dorf war auf den Beinen. „Aus jedem Haushalt hat jemand mitgemacht“, freute sich Ortsbürgermeisterin Kästi Ewald. Die Kirche, der Friedhofsweg und der Friedhof selbst wurden auf Vordermann gebracht, der Müll aus den Straßengräben und das Laub von den Wegen entfernt, der Spielplatz geschrubbt. Zu guter Letzt holten die Possendorfer vom Dorfteich ihre schwimmende Insel samt der Osterkrone ein, um sie fürs nächste Jahr zu verstauen.

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