Projekt „Tapetenwechsel“: Kulturprogramm zwischen Rabatten und Pflanzkübeln

Erfurt  Die vierte Auflage des Projektes „Tapetenwechsel“ führt in drei Gärten im Erfurter Osten.

Projekt Tapetenwechsel in Erfurt.

Projekt Tapetenwechsel in Erfurt.

Foto: Inga Hettstedt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Manchmal braucht es einfach einen Tapetenwechsel. Dafür muss man weder die Wohnung renovieren, noch in eine andere Stadt ziehen – ein Besuch der gleichnamigen Veranstaltungsreihe „Tapetenwechsel“ kann wahre Wunder bewirken. Gut 150 Erfurter zogen am Sonntag in drei geführten Trupps durch den Osten der Stadt – sie suchten und fanden das kleine Glück im Grünen, liebevoll arrangierte Musik und drei Künstlerinnen, die unterschiedlicher kaum sein können. Treffpunkt der Gruppe um Mitorganisator Kay Albrecht war gegen halb vier unterhalb des Wasserturms.

Alte Bekannte, neue Gesichter, Stammgäste und Tapetenwechselnovizen – das Publikum war bunt gemischt. Kurz vor 16 Uhr setzte zog die Gruppe in die Gartenanlage am Wasserturm. Dort wurde sie von Hobbygärtner Thomas empfangen. Der junge Mann fand sein Gartenglück vor knapp drei Jahren. Seine Frühstücksterrasse wurde zur Bühne für die elektronischen Klänge des Erfurter Musikers André Neumann mit seinem Soloprojekt „nthirteen“. Zwischen Rabatten und Kübeln mit Blumen und Tomaten fügten sich die ausdrucksstarken Frauengemälde von Diana Rühle perfekt ein. Im hinteren Teil des verwunschenen Schlauchgartens hingen Fotos der Gäste, die sich in diesem Jahr mit einer Bildeinsendung ihres Lieblingsplatzes um die Teilnahme bewerben mussten. Apropos Fotos: Passend zum kulturellen Jahresthema „Bild (d)einer Stadt“ wurden pro Gruppe eine analoge „Diana F+“ Kamera ein drei Filme mit je 12 Bildern ausgegeben. „Wir wollen, dass sich unsere Gäste mit dem Thema Fotografie auseinandersetzen, weg von der schnellen Digitalfotografie, hin zur bewusst geplanten und durchgeführten Analogfotografie“, erklärt An­dreas Handschuh, Mitglied des achtköpfigen Organisationsteams und selbst Führer einer der Gruppen an diesem Tag.

Eine Stunde später hieß es Abschied und Kurs auf Garten Nummer zwei nehmen. Im Hausgarten von Christian sorgte der Singer-Song-Writer „littlemanlost“ für andächtiges Lauschen. Die Fotografin Minetta, die Teilakte in Schwarz-Weiß ausstellte, erklärte den Gästen, dass die übersteigerte Angst vor Haar Hypertrichophobie heißt.

Beschwingt brach die Gruppe wiederum eine Stunde später zu Garten Nummer drei auf, wo um 19 Uhr der letzte Streich eingeläutet werden sollte. Die Pächter der Gartenanlage „Kleine Erdbeere“ in der Kalkreiße bekamen ganz schön was auf die Ohren, was nicht für Frust sorgte, sondern für jede Menge Spaß. Gartenbesitzerin Franzi fragte zuvor beim Vorstand des Kleingartenvereins nach, dieser war begeistert, gab sein Okay und so gesellten sich zu den Tapenwechselgästen auch neugierige Kleingärtner.

Während die Band „Invisible Popcorn“ den Garten rockte, verschönerte die Illustratorin Erni Donnerberg die Fassade der Gartenlaube mit einem ab­strakten Reisemotiv. Nach vier Stunden Kulturprogramm in drei Gärten war die Entschleunigung perfekt.

Zu Recht wurde der „Tapetenwechsel“ als eines von bundesweit 104 Projekten für den Deutschen Nachbarschaftspreis nominiert. Bis 22. August kann abgestimmt werden. Das Preisgeld von 5000 Euro kann die Initiative gut gebrauchen, denn alle Helfer arbeiten ehrenamtlich und die Künstler treten auf Spendenbasis auf.

Andreas Handschuh und Kay Albrecht werten die vierte Auflage als großen Erfolg. Im Herbst soll es eine fünfte Auflage des „Tapetenwechsels“ geben und Pläne für die nächste Sommertour wurden auch schon geschmiedet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.