Renommierte Glaskünstler bewerben sich um St. Marien in Bleicherode

Bleicherode  Künstlerischer Wettbewerb für die Gestaltung des Chorfensters der Bleicheröder Kirche. Das Projekt ist ein Schwerpunkt des Evangelischen Kirchbautages.

Das Chorfenster von St. Marien in Bleicherode soll neu gestaltet werden

Das Chorfenster von St. Marien in Bleicherode soll neu gestaltet werden

Foto: Christoph Maletz

„So hat das Schlechte auch manchmal sein Gutes.“ Christoph Maletz, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats von St. Marien, hat das monatelange Hin und Her zur Gestaltung des Chorfensters noch gut in Erinnerung. Doch überwiegt inzwischen die Freude über die jüngsten Nachrichten: Das Chorfenster wurde zum zentralen Projekt der 29. Evangelischen Kirchbautage auserkoren. Im September werden 600 Gäste, Architekten, Künstler, Theologen und Laien aus allen Teilen Deutschlands in Erfurt erwartet.

Im Rahmen einer Exkursion wollen teilnehmende Fachleute aus ganz Deutschland die Bleicheröder Kirche besuchen. „Es ist ein Glücksfall für uns, eine große Ehre“, sagt Maletz. Denn nun weiß er endlich in Bahnen, was monatelang nicht vorankam, stattdessen für zähe Diskussionen mit dem Denkmalschutz sorgte.

Die Kirchengemeinde hatte sich schon 2017 für einen modernen Fensterentwurf aus den Quedlinburger Glaswerkstätten Schneemelcher entschieden, bei dem die Rechteckstruktur aufgebrochen wird, sich statt der gleichmäßigen Bleiruten milchige Bänder im Glas abzeichnen. Doch das Landesamt für Denkmalpflege versagte seine Zustimmung. Nun aber ist Bewegung in die Sache gekommen. Behörde und Gemeinde einigten sich auf einen künstlerischen Wettbewerb. Bis April ist Zeit, Entwürfe einzureichen. Sechs Künstler bekundeten bereits Interesse, vier waren schon vor Ort. „Es sind Spitzenglaskünstler aus Deutschland und sogar Norwegen“, schwärmt Maletz.

Die Jury bestehe aus Experten dieses Metiers. Der Sieger soll noch im Frühjahr den Auftrag bekommen, damit die Besucher im Rahmen des Kirchbautages im September schon erste Eindrücke bekommen können.

„Die Denkmalpflege gab vorab schon grünes Licht, wir sind sehr einvernehmlich geworden“, freut sich der Gemeindekirchenratschef. Schließlich habe man die für die Denkmalschützer wichtigen Punkte in die Ausschreibung eingearbeitet, etwa die Forderung, dass der Altar nicht überstrahlt wird und die, dass das Fenster nicht zu solitär wirkt. Angesichts des Wettbewerbs ist nun mit Kosten von rund 70.000 bis 80.000 Euro für das Fenster zu rechnen. Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche und andere Fördermittelgeber sollen die Summe gemeinsam stemmen.

Gelder zu akquirieren, dürfte der Gemeinde leichter als anderen fallen: Denn sie hat bewiesen, dass eine sehr engagierte Gemeinde das Gotteshaus mit Leben füllt. Die Stiftung Kiba belohnte dies vor einem Jahr mit der Wahl zur „Kirche des Monats“. Diese wiederum qualifizierte die Gemeinde nun, an der Wahl zur „Kirche des Jahres“ teilzunehmen. Der Wettbewerb startet voraussichtlich im ersten Quartal, Christoph Maletz hofft auf viele Stimmen für St. Marien beim Onlinevoting.

Zu den Kommentaren