Restauriertes Büro von Stasi-Chef Mielke kann besichtigt werden

Für 11 Millionen Euro wurde die Berliner Zentrale mit dem schlicht möblierten Arbeitszimmer des Überwachungs-Ministers wieder hergerichtet.

Ein Mitarbeiter des Stasi-Museums läuft durch Erich Mielkes ehemaliges Arbeitszimmer. In den vergangenen 18 Monaten wurde das Büro mit großem Aufwand in den Originalzustand von 1961 versetzt. Foto: Odd Andersen/AFP

Ein Mitarbeiter des Stasi-Museums läuft durch Erich Mielkes ehemaliges Arbeitszimmer. In den vergangenen 18 Monaten wurde das Büro mit großem Aufwand in den Originalzustand von 1961 versetzt. Foto: Odd Andersen/AFP

Foto: zgt

Berlin. Das Büro des meistgefürchteten Mannes der DDR wirkt fast gemütlich: Fischgrätenparkett, Holzmöbel und vertäfelte Schränke, kobaltblau bezogene Lehnstühle und Blümchengardinen.

Hier saß der Chef der DDR-Staatssicherheit, Erich Mielke, und unterzeichnete Dokumente, hielt Besprechungen, telefonierte mit den Mächtigen des Landes.

Mielkes Büro im Haus 1 in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg kann ab Samstag besichtigt werden. Ein Jahr lang wurde das Haus mit 11 Millionen Euro aus Bundesmitteln denkmalgerecht saniert.

Bisher nutzte der Verein Antistalinistische Aktion Berlin Normannenstraße das Haus als Forschungs- und Gedenkstätte, als Stasi-Museum. Als die Bürgerrechtler am 15. Januar 1990 Mielkes Büro betraten, waren sie zunächst erschrocken: "Wir hatten modernes Gerät erwartet, doch hier war alles wie in den 50er-Jahren", erinnert sich einer, der an der Erstürmung der Zentrale beteiligt war.

Die Räume scheinen noch den Geruch der damaligen Zeit zu atmen. Darauf ist Jörg Drieselmann vom Stasi-Museum besonders stolz: "Als wir das Mobiliar zurückgebracht haben, haben wir darauf geachtet, dass es nicht mit modernen Chemikalien behandelt wird." So dünsten die Stühle noch Tabakrauch und Aktenstaub der alten Zeit aus.

Auch die Privatzimmer des Ministers hinter seinem Büro sind alles andere als luxuriös. Ein brauner Salon mit Liege und Sesseln aus den 50er-Jahren mutet bieder an, geradezu ärmlich wirkt das hellblau gekachelte Bad mit Mini-Badewanne und verkratzter Toilette. An vielen Stellen sind blaue Fliesen durch weiße ersetzt.

Eine provisorische Ausstellung in der ersten Etage des Museums dokumentiert zudem unter dem Titel "Feind ist, wer anders denkt" die Denk- und Arbeitsweise der gefürchteten Stasi. Exponate aus dem Arbeitsalltag der Behörde und bewegende Schicksale der überwachten DDR-Bürger zeichnen ein erschütterndes Bild.