Riesenalk und Beutelwolf zwischen Einhörnern und Drachen

Erfurt  Studierende der Universität erarbeiten Konzept zu Alfred Brehms „Tierleben“. Nach dem Brehm-Museum in Renthendorf soll die Schau auch nach Weimar wandern

Jochen Süss, Leiter der Alfred-Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, begutachtet

Jochen Süss, Leiter der Alfred-Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, begutachtet

Foto: Kathleen Kröger

Eine kleine Ausstellung über „Brehms Tierleben – und seine antiken Vorläufer“ haben Studierende der Universität Erfurt in einem interdisziplinären Seminar erarbeitet und nun visuell auf dem Campus aufbereitet.

Nachdem die gefertigten Plakate im Lehrgebäude der Philosophischen Fakultät zu sehen waren, werden sie Ende Februar zur Alfred-Brehm-Gedenkstätte nach Renthendorf transportiert. „Wir haben das Haus in den vergangenen secheinhalb Jahren nahezu fertig restauriert. Da die Wände nun dem Bauzustand Brehms Zeit gleichen, war es eine der Anforderungen, dass die Ausstellung ohne Bohrungen an den Wänden funktioniert“, so Jochen Süss, Leiter der Brehm-Gedenkstätte. Aus diesem Grund hat die Seminargruppe rund um Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur, eine Plakatausstellung konzipiert, die durch eine leichte Holzkonstruktion separat aufstellbar ist.

Inhaltlich haben sich die Seminarteilnehmer auf je eine zeitgenössische Abbildung Brehms und eine moderne Darstellung der Tiere geeinigt und diese mit den bemerkenswertesten Fakten unterfüttert. Was beim Igel oder Rochen noch verhältnismäßig einfach war, gestaltete sich bei ausgestorbenen Tieren wie den Riesenalk, einer Pinguinart, oder dem Beutelwolf schon schwieriger. Auch Fabelwesen wie Drachen und Einhörner entziehen sich zwar dem gewöhnlichen Raster eingängiger Tierbeschreibungen, haben im Ausstellungskontext jedoch einen beachtlichen Hintergrund: So bezog sich Brehm in seinen Werken des Öfteren auf Schriften des Rhetors und Lehrers ­Claudius Ailianos bezieht, der sich schon in der Antike mit dem „Tierleben“ auseinandersetzte und gleichnamige Aufzeichnungen anfertigte.

„Es wäre in der Tat unverantwortlich, wenn man in Ailianos’ ,Tierleben‘ eine korrekte, aus erster Hand gearbeitete Darstellung der antiken Tierwelt sähe. Vielmehr bietet Ailianos ein ebenso buntes wie aufschlussreiches Bild der Vorstellungen antiker Autoren über die Welt der Tiere. Uns begegnen Eintagsfliegen, Drachen und Meeresungeheuer, liebestolle Fische und wundersame Einhörner“, so Brodersen.

Ab dem Frühjahr soll die Ausstellung dann für ein Jahr im Renthendorfer Brehm-Haus zu sehen sein. Für den Anschluss ist Jochen Süss bereits mit der Weimarer Veranstaltungsreihe „Rendezvous mit der Geschichte“ in Kontakt, um die Gegenüberstellung von antiker Darstellung und Abbildern des 19. Jahrhunderts auch in Weimar zeigen zu können.

„Die Studierenden waren durchweg so fleißig, dass die Arbeit einfach gezeigt werden muss. Es war so produktiv, dass ich auch gern bei weiteren Projekte mit der Universität mitwirken möchte.“

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