Rückblick ins Jahr 2009: Schwerer Skiunfall in Alpen - Althaus im künstlichen Koma

Am Sonntag ist Rekord-Weltmeister Michael Schumacher bei einem Skiunfall in Frankreich schwer verletzt worden. Seitdem liegt er im Koma und ringt um sein Leben. In Thüringen werden in diesen Stunden auch Erinnerungen an einen ähnlich schweren Skiunfall von Ex-Ministerpräsident Dieter Althaus wach. So berichtete unsere Zeitung am 2. Januar 2009 über den Unfall:

ARCHIV: Ein undatiertes, von der Alpinpolizei Liezen (Oesterreich) herausgegebenes Foto zeigt die mit einem grünen Kreis markierte Unfallstelle und die mit Pfeilen markierten Fahrtrichtungen der Unfallgegner (Unfall vom 01. Januar 2009, Rot: Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), Blau: Beata Christandl) auf der Riesneralm in der Obersteiermark in Österreich. Foto: Polizei/ddp

Foto: zgt

Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) wurde nach einem tragischen Skiunfall in Österreich ins künstliche Koma versetzt. Finanzministerin Birgit Diezel übernahm die Amtsgeschäfte.

Von Axel FICK

GRAZ/ERFURT. Althaus war gestern Nachmittag 14.43 Uhr auf einer Abfahrt-Strecke unterhalb der Riesneralm in der Obersteiermark mit einer 41-jährigen Skitouristin aus der Slowakei zusammengeprallt. Beide wurden nach Angaben der Polizei mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, die Frau verstarb noch auf dem Transport.

Althaus hat dem behandelnden Arzt Dr. Christoph Kollersbeck zufolge ein "sehr schweres Schädel-Hirntrauma" sowie Blutungen im Gehirn erlitten. Er sei daher in künstliches Koma versetzt worden, sagte Kollersbeck dieser Zeitung. Heute solle anhand einer Computertomografie geklärt werden, ob sich die Blutung noch verstärkt und sich ein Hirnödem gebildet habe. Bis dahin bleibe Althaus auf jeden Fall im Koma. Derzeit sei er außer Lebensgefahr, so der Arzt weiter.

Offenbar hat ein Skihelm Althaus das Leben gerettet. "Der Herr Ministerpräsident trug einen Skihelm, die Dame nicht", erklärte der zuständige Polizei- Sprecher, Siegmund Schnabl, dieser Zeitung. Die Pistenkreuzung, an der sich der Unfall ereignete, sei mit einem Netz gesichert gewesen. Zudem habe es Hinweisschilder "Achtung, Kreuzung" gegeben. Wie es dennoch zu diesem Unfall gekommen ist, sei noch unklar. Eventuelle Zeugen würden befragt. Althaus soll unmittelbar nach dem Unfall ansprechbar gewesen sein, während des Abtransports seien jedoch "nicht näher bezeichnete Komplikationen" aufgetreten. In der Klinik traf er bereits narkotisiert ein.

Am späten Abend teilte Regierungssprecher Fried Dahmen mit, dass Thüringens Finanzministerin Birgit Diezel die Amtsgeschäfte übernommen habe. Heute sollen auf einem kurzfristig anberaumten Termin der Landesregierung Einzelheiten bekannt gegeben werden.

Nacht im Koma: Bei einem Skiunfall verletzt sich Ministerpräsident Althaus schwer - eine Frau ist tot

Womöglich rettete ihm nur der Helm sein Leben: Dieter Althaus wurde bei einem Skiunfall schwer am Kopf verletzt; eine Frau, mit der er zusammenstieß, starb. Der Ministerpräsident verbrachte die Nacht im künstlichen Koma auf einer Intensivstation eines Krankenhauses im Pongau bei Salzburg. Die Folgen der Tragödie am Neujahrstag beginnen sich gerade erst abzuzeichnen.

Von unseren REPORTERN

SCHWARZACH/ERFURT.

Die Stelle auf der Riesneralm im obersteirischen Donnersbach ist bekannt. Zwei Abfahrstrecken kommen hier zusammen, "Achtung Kreuzung" steht auf Schildern, ein Netz ist aufgespannt, um Kollisionen zu verhindern.

Dennoch kommt es dort gegen 14.43 Uhr zum Schlimmsten. Zwei Skifahrer, eine Frau und ein Mann, prallen zusammen. Sie ist sofort bewusstlos, später bleibt ihr Herz stehen. Die Rettungskräfte des Roten Kreuzes sind schnell am Unfallort. Sie können die Frau wiederbeleben, der Mann ist noch ansprechbar. Dann packen sie die Verletzten in einen Akja, einen bootförmigen Schlitten, und fahren zur Talstation. Dort wird die Frau vom Rettungshubschrauber "Christophorus 14" übernommen, doch sie stirbt noch auf dem Flug ins Krankenhaus nach Rottenmann.

Bei dem Mann ist es bereits beim Transport zu Komplikationen gekommen. Die Sanitäter setzen ihn unter Narkose, während aus St. Johann ein zweiter Hubschrauber geordert wird, der nach Schwarzach fliegt. Dort landet er 18.15 Uhr, der Verletzte wird im Schockraum behandelt und kommt auf die Intensivstation. Seine Frau und seine beiden Töchter, mit denen er Urlaub machte, sind an seiner Seite.

Sie, das war eine gestern noch namenlose, 41 Jahre alte Slowakin, die in den USA lebte. Er ist der 50 Jahre alte Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.

Warum er den Unfall überlebt, hat wahrscheinlich einen sehr banalen Grund: "Der Herr Ministerpräsident hatte einen Skihelm auf, die Dame nicht", sagt der örtliche Polizeisprecher Siegmund Schnabl dieser Zeitung. Wie sich der Unfall ereignete, dazu kann der Beamte noch keine Auskunft geben. Laut "Kronenzeitung" gibt es immerhin mehrere Zeugen, die auch verhört werden, darunter wohl auch der Beamte des Landeskriminalamtes, der Althaus wie immer aus Sicherheitsgründen auf der Piste begleitet haben soll.

Der Gesundheitszustand des Regierungschefs stellt sich im Schwarzacher Krankenhaus als äußerst ernst, aber wohl nicht als lebensgefährlich heraus. Der diensthabende Unfallchirurg, Dr. Christoph Kollersbeck, sagt dieser Zeitung, dass Althaus ein schweres Schädel-Hirntrauma sowie Blutungen im Gehirn erlitten habe. Deshalb sei er in ein künstliches Koma versetzt worden.

Heute früh soll mittels Computertomographie geklärt werden, ob sich die Blutungen verstärkt haben und sich ein Hirnödem gebildet hat. Bis dahin, sagt der Arzt, bleibe der Patient im Koma.

In Thüringen verbreitet sich die Nachricht am späten Abend. Regierungssprecher Fried Dahmen bestätigt, dass die stellvertretende Ministerpräsidentin Birgit Diezel (CDU) die Amtsgeschäfte übernehme, falls Althaus länger ausfalle. Zudem wird für heute eine Pressekonferenz anberaumt.

In der CDU, dessen Landesvorsitzender Dieter Althaus ist, herrscht große Betroffenheit, menschlich – und politisch. Der Ministerpräsident verkörpert die Partei im Land, und man steht am Beginn eines Superwahljahres. Bereits am nächsten Wochenende tagt der CDUBundesvorstand in Erfurt, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem CSU-Chef und allem Drumherum. Dort dürfte Althaus auf jeden Fall fehlen.

Zwei Dinge wurden gestern immer wieder angemerkt. Erstens: Der Ministerpräsident macht regelmäßig in Österreich Urlaub - im Sommer wie im Winter. Mal hat er die Familie dabei, mal Freunde und Bekannte. Vor vier Jahren wurde er wegen seiner Nähe zum Nachbarland mit dem "Großen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik ausgezeichnet". Auch bei seiner Geburtstagsfeier im heimischen Heiligenstadt im vergangenen Sommer war eine Abordnung aus Österreich im Eichsfeld zum Gratulieren erschienen. Zweitens ist Althaus Sport- Fan. Seit seinem Lehrer-Studium spielt er regelmäßig Fußball, dazu fährt er Mountainbike, Motorrad, taucht, lief zuletzt beim Halbmarathon auf dem Rennsteig mit - und fährt leidenschaftlich Ski. Seit der Wende vergeht kaum ein Winter, den er nicht zum Ausflug in die Alpen nutzte.

Er hat also Routine. Und doch geschieht gestern auf einer österreichischen Alm das, was jedem Menschen und jeder Familie geschehen kann - und das sie in einem Maße trifft, welches selbst Freunde vielleicht nachvollziehen, aber nie ganz mitfühlen können. Am späten Abend hieß es aus dem Krankenhaus, der Zustand von Althaus sei stabil. Alles Weitere entscheiden die nächsten Stunden.

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