Schimmel im Heimatmuseum Bleicherode: Führungen werden verweigert

Bleicherode. Interessengemeinschaft des Museums verweist auf die seit 2014 kaputte Heizung. Eine neue ist nicht in Sicht.

Ein neuer Baum wurde vorm Heimatmuseum gepflanzt, drinnen aber verstaubt alles nur. Das Museum ist seit Monaten geschlossen. Foto: Kristin Müller

Ein neuer Baum wurde vorm Heimatmuseum gepflanzt, drinnen aber verstaubt alles nur. Das Museum ist seit Monaten geschlossen. Foto: Kristin Müller

Foto: zgt

Die Liste der Eintrittspreise hängt noch im Schaukasten, daneben ein Zitat des früheren Bundesratspräsidenten Harald Ringstorff: "Museen sind die Hüter der Vergangenheit, das Spiegelbild unserer kulturellen Gegenwart. . ."

In diesem Museum aber kann niemand Eintritt bezahlen, die Tür ist verschlossen, seit Monaten. Braucht es das Heimatmuseums noch? Bürgermeister Frank Rostek (CDU) antwortet, ein interessantes Konzept ohne viel Geld umzusetzen, das sei ein Spagat.

Die Stadt hat kaum Geld, kann auch ihr Kulturhaus, ihr Freibad, ihr Kino nur unter großen Anstrengungen halten. Die Touristinformation fiel dem Rotstift vor Jahren zum Opfer – ist es nun das 1972 eröffnete Heimatmuseum?

Eine Interessengemeinschaft hatte sich diesem angenommen, die Verantwortung aber vorigen Herbst der Stadt rückübertragen. Zum Tag des offenen Denkmals aber stehe diese "mit Rat und Tat" zur Seite, zeigte sich Rostek jüngst optimistisch.

Anderes allerdings ist aus der Interessengemeinschaft selbst zu hören: "Einer Schulklasse habe ich abgesagt. Ich gehe in das Gebäude nicht mehr rein, aus gesundheitlichen Gründen", so Joachim Ritzer. Der Keller sei von Schimmel befallen. Sein Mitstreiter Günter Kalensky berichtet von großen Schimmelflecken im oberen Ausstellungsraum: "Es ist nicht mehr auszuhalten."

Stadt will mit neuem Nachbarn kooperieren

Die – völlig überdimensionierte und damit kostspielige – Ölheizung im Keller ist seit zwei Jahren kaputt, Elektroöfen machen das nicht wett, das Klima im Haus ist entsprechend. Rostek sagt mit Verweis auf einen neuen Gasanschluss, dass die Stadt auch gern eine neue Heizung kaufen würde, es aber nicht bezahlen kann.

Seine Hoffnung ruht auf dem künftigen Nachbarn: Hauptstraße 55 hat ein Bleicheröder erworben, der sich in Sachen Heiztechnik auskennt. Vielleicht, sagt Rostek, lasse sich kooperieren, zumindest einen beheizten Raum schaffen. Der Neue will nebenan Ferienwohnungen einrichten, zeigt sich grundsätzlich auch einer Zusammenarbeit gegenüber nicht abgeneigt.

Kalensky, 2004 Mitbegründer der Interessengemeinschaft, scheint indes abgeschlossen zu haben – nicht allein wegen des Heizproblems: Entgegen des Wunschs der IG sei im Zuge der Naumannstraßen-Sanierung nicht gleich die Vorderfront des Museums mittels Drainage vor Feuchtigkeit geschützt worden. "In den Dörfern ringsum richten die Leute Heimatstuben ein – und in Bleicherode, wo alles da ist?", fragt Ritzer rhetorisch. Im Heimatmuseum – ohne Frage – müsste an der Präsentation gearbeitet werden, die Substanz aber ist durchaus von Wert: Bergbaugeschichte, städtisches Handwerk, Orgelbau, Elektrizitätswerk, ein Modell der Stadt um 1700 – vieles lässt staunen.

Gern würde der Heimat- und Fremdenverkehrsverband im Haus auch die Touristinformation wieder betreiben, jemanden dafür auf geringfügiger Basis anstellen. Doch selbst dafür fehlt das Geld in einem Verband, der seine Betriebskosten nicht aufzubringen vermag.

Ritzer warnt: "Wenn etwas zwei, drei Jahre außer Betrieb ist, findet sich niemand mehr, der sich kümmert."