Schlammassel: Rettung in letzter Sekunde fürs Freibad Dachwig

Dachwig  Beinahe hätte sich die Badesaison erledigt gehabt. Nach dem Unwetter am 12. Mai stand das Becken voll mit giftigem Schlamm. Auch die Technik musste vorm Absaufen gerettet werden.

Durch den kontaminierten Schlamm aus der Kanalisation hatte sich Abdichtfolie und Farbe im Becken gehoben. Ohne diese wäre das Becken nicht dicht. Nun wird alles getan, um die Schäden rechtzeitig zum geplanten Beginn der Badesaison zu beheben.

Durch den kontaminierten Schlamm aus der Kanalisation hatte sich Abdichtfolie und Farbe im Becken gehoben. Ohne diese wäre das Becken nicht dicht. Nun wird alles getan, um die Schäden rechtzeitig zum geplanten Beginn der Badesaison zu beheben.

Foto: Patrick Krug

Fast wäre die Freibadsaison in Dachwig dieses Jahr buchstäblich ins Wasser gefallen. Oder besser gesagt: in den Schlamm. Denn das Unwetter am vergangenen Wochenende hat nicht nur die Herbslebener Straße und das Wohngebiet am Lützer See hart getroffen, sondern auch das in der gesamten Region beliebte Freibad.

„Wir sind nur knapp an einem großen Unglück vorbei geschrammt“, sagt André Schmeling. Er ist Betriebsleiter und Schwimmmeister des Bades. Und – auch wenn er das so nicht von sich sagen würde – er hat großen Anteil daran, dass das Freibad Dachwig auch diesen Sommer Badespaß und Abkühlung für Tausende von Menschen bieten wird.

Es ist Samstagnachmittag vorige Woche, als André Schmeling, wie er es umschreibt, „schon im Urin hat“, dass dieser Abend noch großes Unheil bringen könnte. „Wir saßen in Erfurt bei Freunden im Garten und am Himmel haben sich bereits Gewitterwolken angekündigt“, erinnert er sich. Ein Blick in seine Wetter-App auf dem Handy bestätigt: Es wird ein Sturm über Dachwig ziehen.

Schnurstraks macht sich der Schwimmmeister auf den Weg. Am Andislebener Kreuz muss er stoppen. Nichts geht mehr. Hagelkörner prasseln hernieder, Schlamm von den Feldern ergießt sich über den Asphalt. Motorradfahrer bekommen Unterschlupf in den Autos wildfremder Menschen, um den Naturgewalten nicht gänzlich ausgeliefert zu sein. Für André Schmeling, für das Freibad Dachwig tickt die Uhr. Jede Sekunde zählt.

Als der Bademeister es endlich nach Dachwig geschafft hat, schießt aus den beiden Abflusslöchern im Hauptbecken bereits der Schlamm hinein. Es ist jener Schlamm vom Feld, den die Kanalisation angesichts der Wassermassen nicht mehr ableiten kann – kontaminiert mit Öl, Diesel, Düngemittel und allerlei Undefinierbarem. Die Umkleidekabinen stehen unter Wasser. Dachrinnen (aus Metall) sind unter dem Wasserdruck zerborsten. Die Ablaufrinne rund um das Schwimmbad steht voll mit Schlamm. Von der Liegewiese und von der Straße her fließt Regenwasser unaufhaltsam auf das Freibad-Gelände. Doch André Schmeling schaltet binnen Augenblicken – weiß, was zuerst zu tun ist. Denn die größte Gefahr droht, wenn das Herzstück des Schwimmbads, der Pumpen- und Technikraum, absäuft.

Dort lagern hochgiftige Chemikalien, dort steht die tausende Euro teuere elektrische Pumpanlage. „Der Raum ist knapp einen halben Meter tiefer als der Boden, auf dem er steht“, gibt André Schmeling zu verstehen. Also geht er rein, dichtet die Tür notdürftig mit Folienresten, mit Handtüchern und Zementsäcken ab. Um wieder heraus zu gelangen, klettert er durch ein winziges Fenster. „Wir können drei Kreuze machen, dass das funktioniert hat“, ist er im Nachhinein sichtlich erleichtert.

Währenddessen hat sich das 50 Mal 20 Meter große Schwimmerbecken knapp 30 Zentimeter hoch mit Schlamm gefüllt. André Schmeling tut zunächst alles, damit nicht auch noch sein Büro voll Wasser läuft. Bis in die Morgenstunden ist er beschäftigt. Nebenan in der Herbslebener Straße sind Hunderte im Einsatz, um Hab und Gut der Anwohner und Kita zu retten.

Nach wenigen Stunden Schlaf wird der Fachangestellte für Bäderbetrieb mit Meisterbrief auch den ganzen Sonntag durchracken. Denn der Schlamm im Becken darf nicht antrocknen. Mit einem Feuerwehrschlauch und 5 bar Wasserdruck arbeitet sich André Schmeling Schicht für Schicht durch das Schlammassel. Der Ablauf ist zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise wieder frei.

„Wir hatten in den Wochen zuvor gemeinsam mit dem Förderverein und vielen Helfern bereits gestrichen und die Fugen mit Folie verklebt“, sagt der Schwimmmeister. Doch durch die Chemikalien im Schlamm hat sich die Folie gehoben, muss die Farbe nachgebessert werden. „Ein herber Rückschlag“, konstatiert André Schmeling.

Er wird über Pfingsten durcharbeiten und auch nächste Woche arg zu tun haben. Doch er verspricht: „Wir tun alles, damit Ende der Woche das Wasser rein kann.“ Schließlich will er am Samstag die neue Rutsche einweihen und ab Montag, 28. Mai, die Badesaison eröffnen.

Grillpicknick am Samstag und unveränderte Eintrittspreise

Bei einem „Grill and Chill“ wird am Samstag, 26. Mai, die neue Rutsche feierlich eingeweiht. Sie wurde unter anderem mit Lottomitteln des Landes finanziert. Los geht es um 14 Uhr. Badespaß ist an diesem Tag aber noch nicht möglich. Der Eintritt ist frei, es gibt Musik, Speisen und Getränke.

Geöffnet hat das Freibad ab Montag, 28. Mai. Die Öffnungszeiten: wochentags von 12 bis 18 Uhr und an Wochenenden von 11 bis 18 Uhr. Während der Schulferien werden die Öffnungszeiten ausgeweitet.

Der Eintritt kostet unverändert 2,50 Euro für Erwachsene und 1,50 Euro für Kinder.

Neu ist auch das Pflaster im Bereich der Rutsche.

Es gibt einen 3-Meter-, einen 5-Meter-Sprungturm, ein Extra-Becken für Kleinkinder und kostenfreie Parkplätze.

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