Schnitzeljagd durch Europa: Erfurter Trio fährt 1000 Euro für Tierheim ein

Erfurt  Erfurter Trio vom Miller Racing Team fährt trotz Startschwierigkeiten 1000 Euro für Tierheim ein.

Von ihrer Rallye über 7500 Kilometer als Erfurter Miller Racing Team erzählten Nico Menz (links) und Christian Menz aus Erfurt

Von ihrer Rallye über 7500 Kilometer als Erfurter Miller Racing Team erzählten Nico Menz (links) und Christian Menz aus Erfurt

Foto: Lydia Werner

Eher zufällig rutschte Christian Menz aus Erfurt in seine erste Wohltätigkeits-Rallye hinein. „Bei einer WG-Fete wurde dringend ein Mitfahrer gesucht“, erzählt er. Das wollte er ausprobieren. Von den Erlebnissen mit dem Mindener Verein Miller Racing Team war er so beeindruckt, dass er für diesen Sommer zwei Mitglieder seiner Familie mit der Begeisterung ansteckte und ein eigenes Fahrzeug sowie Sponsoren für die Wohltätigkeits-Rallye auftrieb.

Nico, Thomas und Christian Menz bildeten als drittes Millers Racing Team eine eigene Erfurter Besetzung. Eine Hälfte des eingespielten Geldes bekam der Verein Deepwave, eine Meeresschutzorganisation, die der Veranstalter auswählte. Die andere Hälfte durften die Teams nach eigenem Belieben spenden. Familie Menz rundete noch auf und beglückte das Erfurter Tierheim mit 1000 Euro.

Eine Büroklammer und Verhandlungsgeschick

Insgesamt beteiligten sich 250 Teams an dem Spektakel rund um die Ostsee. 7800 Kilometer auf einer relativ frei wählbaren Route, ohne Navi und GPS. Das ganze gleicht einer Schnitzeljagd durch Europa. Die Teams müssen Aufgaben lösen, dokumentieren wie sie diese erfüllen und bestimmte Zwischenetappen ansteuern.

„Wir sollten eine Büroklammer unterwegs in immer höherwertige Dinge tauschen“, beschreibt Christian Menz eine Aufgabe. „Nicht so einfach wie es sich zunächst anhört“, fügt Nico Menz hinzu.

In Deutschland gab es für die Büroklammer einen Einkaufschip, in Schweden eine Tafel Schokolade, in Norwegen einen hochwertigen Korkenzieher, in Finnland ein kleines Fernglas. In Russland ließen sich die Nichtraucher zwei Schachteln Zigaretten dafür aufschwatzen, wofür sie in Estland Honig und Fisch in Dosen erhielten. Mitunter war viel Verhandeln nötig, Menschen haben die drei Erfurter jede Menge kennengelernt und viele Begegnungen bleiben noch lange in Erinnerung. Die Truppe legte sogar 8200 Kilometer zurück – die Anfahrt zum Startort Hamburg nicht eingerechnet. „Echt hart war die Aufgabe, eine Etappe von 200 Kilometern mit einer geöffneten Dose Surströmming“, sagt Christian Menz. Das ist eine schwedische Spezialität, Hering, der in der Dose weiter vor sich hin gären muss und sehr intensiv nach vergammeltem Fisch riecht.

Anforderungen an das Auto gibt es bei solch einer Wohltätigkeitsrallye auch. Ein Youngtimer sollte es sein, also mindestens 20 Jahre alt, und maximal noch 2500 Euro wert. Mit ihrem Mercedes wähnte sich das Menz-Team auf der sicheren Seite. Allerdings sollte ihnen das Auto ein paar Startschwierigkeiten bereiten. Kurz vor Hamburg ging nix mehr. „Der ADAC schleppte uns hin, aber eine gebrochene Achswelle hätte uns ohne Hilfeaufruf im Hafen und ohne neue Freunde vorzeitig das Aus beschert“, so Christian Menz. Trotzdem ging‘s mit anderthalb Tagen Verspätung auf Kurs. Die ersten 36 Stunden wurde ohne Pause, nur zum Fahrerwechsel durchgefahren, das Etappenziel, ein Wikingerfest auf den Lofoten, erreichten sie fast pünktlich und badeten bei 5 Grad Celsius.

Zehn Länder hat der Stern an ihrem Mercedes übrigens überlebt. Nach der Rückkehr kam er in Erfurt abhanden.

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