Statt Stoffen kommen bald Steaks im alten Held-Haus auf den Tisch

Erfurt  Hamburger Unternehmen siedelt am alten Angerbrunnen ein Restaurant mit 130 Sitzplätzen an

Foto: zgt

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Im Erdgeschoss des ehemaligen Modehauses Held am Anger können durch die großen Schaufenster aktuell Handwerker dabei beobachtet werden, wie sie Platz schaffen: Sie sind Vorboten für eine gastronomische Neuansiedlung in Erfurt. Im dritten Quartal 2019 sollen am Anger 39 zarte Steaks und knackige Salate serviert werden, wie die Firma „Block House“ auf Nachfrage unserer Zeitung informiert. Wo einst Mode, dann Stoffe den Besitzer wechselten, zieht ein Steakrestaurant ein.

Für die in Hamburg beheimatete Block-Gruppe, die in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum feiert, ist es das erste Restaurant im Freistaat Thüringen. „Wir freuen uns sehr auf diese Doppel-Premiere: ein neues Bundesland und eine neue Landeshauptstadt, in denen wir präsent sein werden“, sagt Clive Patrick Scheibe, Vorstand der Block House Restaurantbetriebe AG. „Seit Langem steht Erfurt auf unserer Expansions-Wunschliste, denn es ist eine wirtschaftlich starke Stadt, die Lust am Leben versprüht. Das passt hervorragend zu Block House.“

Die Unterzeichnung des Mietvertrags mit Angelo Brecht, Eigentümer und Vermieter des auch als „Held-Haus“ bekannten historischen Gebäudes am Anger 39, erfolgte bereits im August dieses Jahres: „Mit Block House zieht eine renommierte, deutschlandweit erfolgreiche Gastronomiemarke an diesen markanten Standort am Anger, die das bestehende Angebot hervorragend ergänzt und attraktiv erweitert“, so Angelo Brecht.

Planungen und Vorbereitungen für die Umgestaltung des Erdgeschosses durch die Block Gruppe haben begonnen. Das künftige Block House wird eine Gesamtfläche von rund 580 Quadratmetern haben und über etwa 130 Sitzplätze verfügen. Das Unternehmen plant, 30 Arbeitsplätze zu schaffen. Zwischen Gebäude und altem Angerbrunnen soll eine Terrasse genutzt werden, die über die gesamte Gebäudebreite reicht und etwa die halbe Fläche bis zum Brunnen füllen soll.

Für Joachim Rudolph von Atlas Immobilien, der die Kontakte zwischen Erfurt und Hamburg erfolgreich geknüpft hat, ist der neue Mieter an diesem Ende des Angers „ein echt schöner Anker“. Dabei waren die Aussichten lange Zeit düster, drohte der Anger am westlichen Ende zu kippen, wie es noch vor Monaten hieß. Die Zeit des Leerstands im Bereich um den alten Angerbrunnen sei vorbei, nun sei dieser Missstand repariert, sagt Rudolph. Es habe viele Anfragen gegeben von Nutzern, die Gastronomie im Gebäude Anger 39/40 hätten unterbringen wollen. Die Wahl sei schließlich auf Block House gefallen.

Für die erste Etage werden noch Büromieter gesucht, in der zweiten Etage ist eine Integrationsschule beheimatet, in der dritten eine Anwaltskanzlei und unter dem Dach sitzt ein Lehrinstitut. Treppen und der Fahrstuhl im Gebäude würden nun noch weiter zurückgebaut, die Räume bleiben über die Neuwerkstraße erreichbar.

Insgesamt betreibt das Unternehmen 51 Block-House-Restaurants, davon 41 in Deutschland und zehn im europäischen Ausland. Die Block-House-Restaurantbetriebe sind Teil der 1968 von Eugen Block gegründeten Block Gruppe mit Sitz in Hamburg.

Bis zur Schließung Anfang dieses Jahres wegen Insolvenz war das Unternehmen Alfatex elf Jahre am Anger vertreten. Am Standort, an dem sich der Anger in die Regierungsstraße und die Neuwerkstraße gabelt, hatte auch der Alfatex-Vorgänger kein Glück: Das Bielefelder Modehaus Wolfgang Held musste im September 2003 ebenfalls Insolvenz anmelden.

Das heutige Gebäude wurde 1899 als repräsentativer Abschluss des westlichen Angers errichtet. Architekt und Baumeister Wilhelm Schwethelm, der viele solcher prächtigen Gründerzeit-Bauten gebaut hat, griff dafür mit seiner Neorenaissance-Fassade die Gestaltung des schräg gegenüber liegenden Hauses Dacheröden auf.

Von Beginn an wurde das Gebäude als modernes Kaufhaus genutzt, gewissermaßen als Pendant zum 1906 entstandenen „Kaufhaus Römischer Kaiser“, dem heutigen Anger 1, am anderen Anger-Ende gelegen.

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