Studenten der israelischen Universität Haifa zu Gast in Erfurt

Erfurt. Eine Seminargruppe israelischer Studenten vier verschiedener Religionen ist derzeit auf dem Erfurter Campus und in der Innenstadt unterwegs. Die Universität Erfurt ist für sie vom 11. bis 21. August Gastgeber eines besonderen Semesterferienprojektes.

Bild 1: Studenten aus Haifa sind in diesen Tagen auf dem Campus der Universität Erfurt anzutreffen. Bis 21. August forschen sie hier. Foto: Marco Schmidt

Foto: zgt

Für die elf Studenten aus der Partnerstadt Haifa ist der Aufenthalt in Erfurt der Abschluss ihres Seminars "Classmates for Coexistenz" (Klassenkameraden für Koexistenz).

Die Exkursionsteilnehmer aus der drittgrößten Stadt Israels beschäftigen sich damit, wie ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen aussehen kann. Organisiert wird der Aufenthalt vom Lehrstuhl für die Geschichte Westasiens unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Schäbler und Programmkoordinator Robert Willecke.

Das Projekt soll den Kontakt von Studierenden unterschiedlicher Kulturen fördern. "Unter den Studenten sind christliche und muslimische Palästinenser, jüdische Israelis und ein Student der drusischen Minderheit", sagt Birgit Schäbler. "Die israelischen Teilnehmer sind aus verschiedenen Fachrichtungen, viele studieren Pflegewissenschaften, außerdem Jura, Geschichte und Politik", teilt Robert Willecke mit. Das Projekt lockt auch Erfurter Studenten, die sich am Programm beteiligen und die jungen Leute aus Nahost kennenlernen möchten.

"Uns ist es wichtig, den Studenten zu zeigen, dass auch Erfurt viel Raum für Multikulturalismus hat", sagt Robert Willecke. So finden mehrere Treffen mit Vertretern verschiedener Religionsgruppen, wie einem Erfurter Imam und der kurdisch-türkischen Vereinigung "Mesopotamien", statt.

Schabatt mit der Erfurter Gemeinde

Die jungen Leute kommen aus unterschiedlichen Regionen Israels und haben sich an der Universität in Haifa kennengelernt. Es stammt kein Student aus den derzeit besetzten Gebieten Westbank oder Gaza. Die aktuelle Lage in ihrem Heimatland verfolgen die arabischen und jüdischen Studenten auch während ihres Aufenthalts in Deutschland über heimische Medien und den Kontakt über Facebook.

Im Vordergrund steht für sie, in ihrer eigenen Gemeinschaft gut miteinander umzugehen. Von Vorurteilen oder Abgrenzung kann wahrlich nicht die Rede sein. "Wir respektieren uns alle und möchten letzte Mauern zwischen uns einreißen", sagt der 24-jährige Fadi Nwessir.

Die Studenten haben bereits eine Stadtführung zur jüdischen Geschichte Erfurts unternommen, sie sahen sich aber auch Dom und Krämerbrücke an. Auf besondere Begeisterung stieß der Hochzeitsring in der Alten Synagoge. "Die Alte Synagoge hat große Ähnlichkeiten mit den Synagogen wie sie in Israel zu finden sind", bestätigen zwei jüdische Studentinnen.

"Ich mag Erfurt sehr gern, es ist schön grün und ruhig, die Menschen sind freundlich", sagt Eloi Coheh, Student aus Haifa. Freitagabend traf sich die Gruppe mit der jüdischen Gemeinde aus Erfurt zur gemeinsamen Schabbat-Feier. In den nächsten Tagen ist ein Besuch der Gedenkstätte Buchenwald und des Erfurter Erinnerungsortes "Topf & Söhne" geplant. Finanziell unterstützt wird das Projekt durch den in Hamburg ansässigen Förderkreis Haifa und die Robert- Bosch-Stiftung.

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