Sturmtief Friederike wütet in der ganzen Stadt

Erfurt  Pausenlos Notrufe ab 13 Uhr: Umstürzende Schilder und Bäume, fallende Dachziegel – umgewehtes Baugerüst reißt Stromleitung herunter

Ein Baum stürzte am Nachmittag am Nonnenrain auf geparkte Autos

Ein Baum stürzte am Nachmittag am Nonnenrain auf geparkte Autos

Foto: Marco Schmidt

Sturmtief Friederike legte in Erfurt nach ordentlichen Vorwehen seit dem Morgen gegen 13 Uhr so richtig los. Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, eingedrückte Scheiben, Mülltonnen auf Achse und alles Mögliche, was nicht fest war, fand sich an anderen Orten wieder. Die Stadt kam jedoch ziemlich glimpflich davon.

Unter Schock standen die zwei Insassen eines Autos, welches gegen halb zwei auf der B7 von einer Schilderbrücke mit Hinweisen auf die Autobahn getroffen wurde. Zudem meldete die Polizei am Abend noch eine Leichtverletzte. Weitere Meldungen über Verletzte gingen laut Sprecherin Sandra Knopf nicht ein.

Warnstufe Rot wie fast überall in Thüringen bedeutete vor allem für die Berufsfeuerwehr, für freiwillige Feuerwehren und die Polizei unzählige Einsätze am Nachmittag. Ein Auszug aus der Statistik der Feuerwehr kurz nach 16 Uhr: 156 Einsätze liefen zeitgleich. Kurz vor sechs waren es noch 69. Insgesamt gab es 227 Einsätze für die Feuerwehr. „Alle waren draußen, Berufsfeuerwehr und sämtliche freiwilligen Wehren“, sagte Sprecherin Grit Pörner. „Pausenlos gingen Notrufe ein. Das war auch bei der Polizei der Fall.

Weil in der Steigerstraße ein Baugerüst umgeweht wurde und eine Stromleitung herunterriss, war schnelles Handeln der Einsatzkräfte gefragt. Die kaputte Leitung lag blank auf der Fahrbahn. Auch viele andere Straßen mussten vorübergehend gesperrt werden – so die Geraer Straße und die Ortsdurchfahrt in Dittelstedt.

Auf der A71 geriet wegen des orkanartigen Windes der Anhänger eines Lkw in Schieflage. Und es gab Stau.

Bei den Erfurter Verkehrsbetrieben machte das Sturmtief vor allem Busfahrern zu schaffen. Einige Haltestellen konnten nicht angefahren werden, etwa wegen fallender Dachziegeln. „Von den Linien ist keine komplett ausgefallen“, sagte ein Sprecher der Stadtwerke. Störungen gab es aber wegen gesperrter Straßen auch bei den Straßenbahnen. Den Egapark, ebenfalls in Regie der Stadtwerke, hatten die Verantwortlichen schon am Morgen vorsorglich geschlossen. Am Nachmittag waren auch die Mülldeponie und die Wertstoffhöfe zu. Auch der Zoopark blieb tagsüber dicht, weil Besucher nicht gefährdet werden sollten.

Überraschend sagte auch die Arbeitsagentur gestern alle Termine nach 12.30 Uhr wegen der Unwetterwarnung ab. Ähnlich lief es an vielen Schulen. Die Entscheidung über verkürzten Unterricht aufgrund der Unwetterwarnung obliegt den Schulleitern, die sich nach ihrer Schulordnung richten, nicht dem Bildungsamt. „Das Bildungsamt bietet seine Hilfe an, das war beispielsweise bei der Organisation des Fahrdienstes für Schüler des Förderzentrums so, ansonsten müssen uns die Schulen keine Rückmeldung geben, wie sie auf die Unwetterwarnung reagieren“, sagte Amtsleiter Werner Ungewiss auf Anfrage dieser Zeitung. Viele Schulen informierten die Eltern, dass sie ihre Kinder wegen des Sturms möglichst abholen sollten. Die Schulstunden wurden meist verkürzt. Die Betreuung der Kinder war jedoch gegeben.

Obwohl „Friederike“ sich wieder beruhigt hat, fällt am heutigen Freitag dennoch an einigen Schulen der Unterricht aus. Aus dem Bildungsministerium kam die Botschaft, dass die Schulpflicht für diesen Tag aufgehoben ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Schulen schließen. Sie bleiben geöffnet und betreuen die Schüler, die nicht zu Hause bleiben. Die Entscheidung, ob die Kinder ausschlafen dürfen, liegt damit bei den Eltern.

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