Tausende Notrufe erreichen Leitstelle während des Orkantiefs - Jedes zweite Gespräch kein Notruf

Nordhausen  Eine Woche ist es her, dass Orkantief „Friederike“ über den Südharz rollte. Die Notrufleitstelle beschäftigt derzeit die Auswertung der Einsätze: Tobias Mielke, Sachgebietsleiter für die Zentrale Leitstelle, blickt auf eine Liste mit Zahlen.

Carsten Vogel – hier vor einer Wetterkarte – ist einer der Einsatzsachbearbeiter, die währen des Orkantiefs in der Leitstelle Notrufe entgegennahmen.

Carsten Vogel – hier vor einer Wetterkarte – ist einer der Einsatzsachbearbeiter, die währen des Orkantiefs in der Leitstelle Notrufe entgegennahmen.

Foto: Peter Cott

Zu 240 Einsätzen hatten Feuerwehren hier und im Kyffhäuserkreis ausrücken müssen, zitiert Mielke aus der Liste, während er die tatsächliche Ziffer höher schätzt. Seien doch nur die Einsätze aufgeführt, die von der Leitstelle erfasst wurden. Nicht die am Wegesrand.

Nach einem Blick in die Wetterdaten habe sich die Leitstelle schon Tage vor dem Unwetter auf das Schlimmste gefasst gemacht, habe das Personal von drei Schichtdienstleistenden auf acht erhöht. Alle Abfrageplätze waren belegt. „Und doch konnten wir die reinkommenden Anrufe nur peu à peu abarbeiten“, erinnert sich Mielke an die mitunter längeren Wartezeiten bei der Notrufbearbeitung. Besonders ärgerlich für ihn: Ein Gros der Anrufer – er schätzt auf über die Hälfte – meldete sich wegen Vorfällen im privaten Bereich, einem kaputten Dach etwa. „Für den Häuslebauer ist es fürchterlich, keine Frage. Aber nicht jeder Sturmschaden ist ein Fall für den Notruf“, appelliert er an die Bevölkerung. Die Gefahr sei groß, durch nichtige Notrufe den womöglich lebenswichtigen zu verzögern.

In den Schwerpunktstunden zwischen 14 und 16 Uhr waren allein 812 Anrufe bei der Leitstelle eingegangen, samt Funkverkehr sogar 1500. Insgesamt zählte die Leitstelle am Ende des Tages 2900 Gespräche wegen des Sturms. „Das macht rund 12 Gespräche pro Minute für die Leitstellenmitarbeiter“, rechnet Mielke vor. Eine knappe Zeitspanne, um zu ermitteln, welches Problem wo vorliegt. Der Sachgebietsleiter bittet daher bei künftigen Problemlagen wie „Friederike“, zunächst selbst nach Dringlichkeit zu filtern.

Ein weiteres Problem während dieser „Ausnahmesituation“, wie Mielke es nennt, sei der fehlende Digitalfunk gewesen. Weil es auf Bundesebene noch Lizenzsorgen gibt, wird noch immer analog gefunkt. Dadurch hatten sich Einsatzkräfte aus dem Südharz, dem Eichsfeld sowie dem Kyffhäuser- und dem Unstrut-Hainich-Kreis einen Funkkanal teilen müssen.­ „Kommunikation ist in solchen Fällen aber das A und O“, ist Tobias Mielke überzeugt und drängt auf eine schnelle Einführung der digitalen Lösung.

Gemeinsame Leitstelle besteht Feuertaufe

Zuversichtlich stimmt ihn jedoch die Zusammenarbeit mit dem Kyffhäuserkreis. Erstmals habe die gemeinsame Leitstelle es mit einer solchen Problemlage zu tun gehabt und auf einen größeren Personalpool zurückgreifen können. Sein Fazit ­daher: „Wir haben das gut gemeistert.“ Besserungen versprechen zudem Pläne des Gesetzgebers: Der will Stützpunktfeuerwehren wie Ellrich, Heringen, Bleicherode und Nordhause-Ost in Krisensituationen zu kleinen ausgelagerten Leitstellen ­erweitern.

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